Passive Klimatisierung zur Langzeitaufbewahrung von Archivgut

Die raumklimatischen Vorgaben für Archive bewegen sich in engen Grenzen und erfordern einen beträchtlichen Investitions- und Energieaufwand. Durch Einbeziehung von Baustoffeigenschaften wird seit den 70-igern versucht, eine passive Klimatisierung zu bewirken. Für die hygrische Komponente besteht noch ein erheblicher Nachholbedarf, den das Projekt rezeptiv und mittels neuer Produkte des Marktes bearbeitet.

Anwendungsperspektiven
Bereits im zu Ende gehenden Förderprojekt haben sich sorptiv wirksame Innenoberfächen in einem auch messtechnisch betreuten Archivobjekt als förderlich erwiesen. Zementgebundene Holzspanplatten sind nach vorangegangenen, umfangreichen numerischen Simulationen und labortechnischen Voruntersuchungen hinsichtlich ihres hygrothermischen Verhaltens im Landeshauptarchiv Magdeburg zum Einsatz gelangt. Eine halbautomatische Messeinrichtung erlaubt sowohl die Sorptionsisotherme
als auch die sog. Sprungfunktion bzw. Sprungantwort für verschiedene sprungförmige Änderungen der relativen Luftfeuchtigkeit vergleichend für eine Vielzahl von Stoffen auch bei kleiner Mengenvorgabe ausreichend genau zu bestimmen. Damit lassen sich künftig die auf dem Markt vorhandenen, optimal wirksamen Produkte für die Innenoberflächengestaltung ermitteln.

Herausforderungen
Archivgut stellt hinsichtlich der Absolutwerte und insbesondere bzgl. der Schwankung raumklimatischer Kenngrößen eine sehr empfindliche Produktvielfalt dar, mit der die Archivare und Restauratoren in der Regel sehr kompetent und behutsam umgehen. Die Häufung von Archivalien aus der Vergangenheit sowie der ständige Zufluss derselben verlangt allein aus volkswirtschaftlicher Sicht minimale Betriebskosten für die Archivbauten. Bereits in der Planungsphase müssen bei der Produktwahl die richtigen Entscheidungen getroffen werden, um über das sorptive Verhalten der Raumumschließungsflächen die hygrothermischen Speicher- und Entspeichervorgänge zur Dämpfung von Raumfeuchteschwankungen nutzen zu können. Neben einer systematischen Suche nach einer optimalen Oberflächenausführung der inneren Hüllflächen (Materialauswahl vorhandener  sorptiver Produktoberflächen, wirksame Oberflächengröße, Abrieb), besteht die Möglichkeit durch Additive das hygrothermische Verhalten von üblichen Bauprodukten positiv zu beeinflussen. Da die Signalgeschwindigkeiten hygrischer Transportprozesse gegenüber den thermischen Vorgängen um etwa eine Zehnerpotenz geringer sind, müssen die experimentellen Untersuchugen mittels numerischer Simulation gestützt werden, um den zeitlichen Aufwand in Grenzen zu halten. Zu bedenken ist weiterhin die übliche Unterbringung von Archivgut in spezifischen Behältnissen, die ebenfalls zur Konditionierung beitragen können. Und letztlich muss durch entsprechende Luftführung in allen Archivräumen gewährleistet werden, dass die sich einstellenden Raumluftparameter auch bei eng gefüllten Archivregalen für alle Archivalien wirksam werden.

Energieeffizienzpotential
Der Wegfall bzw. die Reduzierung von Klimaanlagentechnik bedeutet neben der Einsparung von Investitionsgütern insbesondere auch die Reduzierung der Betriebsmittel durch die Verminderung des Wartungaufwandes und des Energieverbrauchs. Zudem kann die passive Klimatisierung ohne bzw. mit verminderter Ventilatortechnik eine bessere räumliche Vergleichmäßigung der raumklimatischen Parameter bewirken. Auch wissenschaftlich-technische Transferleistungen für den Wohnungsbau mit der dort nachwievor gegebenen Schimmelproblematik bieten sich an.

Synergieeffekte
Abgesehen vom Einsatz der Erkenntnisse in existierenden Archiven und bei künftigen Bauvorhaben sind die Ergebnisse auch für den Transport von Archivgut in Containern beim üblichen Austausch der Exponate zwischen Archiven und Museen anwendbar.

Projektlaufzeit: 2010 - 2013
Projektdurchführung: Hochschule Lausitz (FH) Bauphysik / BTU CS
Industriebeteiligung

  • Eternit AG 10 719 Berlin
  • Landeshauptarchiv Magdeburg
  • Oker Chemie GmbH, D 38603 Goslar
  • Colfirmit Rajasil GmbH&Co.KG D-95612 Marktredwitz


Autoren:

  • Horst Stopp, BTU C-S
  • Peter Strangfeld, BTU-CS
  • Torsten Toepel, BTU-CS
  • Wolfgang Schmidt, BTU-CS
  • Eduard Völker, BTU - CS

Förderkennzeichen: 0327241F

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