Forschung

Wie beeinflusst das konkrete kulturelle Umfeld die Entwicklung von Strategien für Kulturerbeeinrichtungen in verschiedenen Teilen der Welt?

„Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition von Strategie, aus der sich Anwendung oder Reichweite ablesen ließe. Im westlichen Denken wird heute Strategie häufig umschrieben mit der Balance zwischen Zielen, Maßnahmen und Mitteln. Es geht um die Identifizierung von Zielvorgaben und die Zuordnung von Ressourcen und Methoden zur Erreichung dieser Ziele.“
Lawrence Freedman (frei übersetzt)

Strategisches Denken wird heute vom Western Liberal Script dominiert. Der Studiengang Welterbe Studien bietet mit seinen Studenten sehr unterschiedlicher kultureller und regionaler Herkunft die einzigartige Möglichkeit, den Einfluss verschiedener Kulturen auf strategisches Denken und die strategische Praxis insbesondere in Management von Kulturerbe zu untersuchen. Zentrale Fragestellungen lauten:

  • Wie interpretieren, strukturieren und praktizieren andere Kulturen “Strategien”?
  • Folgt strategisches Denken in anderen Teilen der Welt denselben, ähnlichen oder ganz anderen Linien als im Westen?
  • Wie bestimmen andere Kulturen die Balance zwischen “Zielen, Maßnahmen und Mitteln”? Wie gelangen sie zu ihren Prioritäten?
  • Was erzählen uns Unterschiede und Ähnlichkeiten der strategischen Praxis über die zugrundeliegenden Werte und Kräfte in verschiedenen Kulturen?
     

Wie entwickeln die Länder Brandenburg und Sachsen eine eigene Kulturstrategie für den Transformationsprozess in der Lausitz nach dem Kohleausstieg 2038?

Die Lausitz ist das zweitgrößte der drei deutschen Braunkohlegebiete in der Bundesrepublik und muss sich im Zuge des geplanten Ausstiegs der Bundesrepublik aus der Kohleverstromung bis 2038 auf einen tiefgreifenden Strukturwandel vorbereiten. Dabei sollen Kunst und Kultur eine wichtige Rolle spielen.

Um den Stellenwert der Kultur sowohl als Identitätsstifter als auch als Produktivkraft der Region zu markieren, stellen sich für ihre kulturelle Entwicklung vor allem zwei Kernfragen:

  • Was können Kunst und Kultur in der Lausitz dazu beitragen, die Lebensqualität und regionale Verwurzelung ihrer Bewohner in der Region fortzuentwickeln und zu fördern?
  • Wie können Künstler und Kreative eine (neue) „Heimat“ als Wirkungs- und Schaffensort in der Lausitz finden und gleichzeitig als integraler Bestandteil des Wirtschaftsgefüges eigene Angebote für den regionalen sowie überregionalen, nationalen und internationalen Kunst- und Kultur-Konsum schaffen?

Die Länder Brandenburg und Sachsen wollen das mit einer eigenen Kulturentwicklungsplanung für die Lausitz vorbereiten. Der Lehrstuhl wird diese Strategieentwicklung begleiten und die verschiedenen in diesem Prozess entstehenden Vorschläge wissenschaftlich analysieren.

Wie wirkt sich die (Selbst-)Darstellung und (Selbst-)Vermarktung von Gebäuden und Anlagen auf unser Geschichtsbild und unsere Geschichtsschreibung aus?

Berlins architektonisches Erbe und der Wandel von Geschichtsbildern

Berlin ist für viele gerade wegen seiner jüngeren Geschichte ein spannendes Reiseziel. In den letzten 150 Jahren hat die Stadt enorme politische, wirtschaftliche und kulturelle Umwälzungen erfahren. Berliner haben fünf verschiedene politische Systeme erlebt – Kaiserreich, Weimarer Republik, Drittes Reich, DDR und Bundesrepublik. Sie alle haben tiefe Spuren in und um die Stadt hinterlassen. Besucher genießen es, in Berlin und Brandenburg originale Schauplätze aufzusuchen und historische Ereignisse nachzuvollziehen. Allerdings haben viele Orte ihre ursprüngliche Funktion verloren und mussten neue finden – häufig als Gedenk- oder Erinnerungsorte zu bestimmten historischen Ereignissen oder Perioden. Über die Jahre hat sich damit auch die Darstellung Deutschlands und die Auslegung deutscher Geschichte gewandelt, manchmal sogar mehrfach. Der Wandel der Geschichtsbilder ging einher mit dem Wandel in unserer Gesellschaft mit entsprechenden Auswirkungen auf Entscheidungen zur Erhaltung und Pflege der historischen Orte. Und die Entwicklung geht weiter – derzeit zwingt die Diskussion über Deutschlands koloniale Vergangenheit zu einer Neubewertung unserer überkommenen Geschichtsbilder.
 

Wie unterscheidet sich das Management von materiellem und immateriellem Kulturerbe?

Intangible Heritage – Tradition, Change and Modernization – Oberammergau Passion Play

Die Oberammergauer Passionsspiele stehen auf der deutschen Vorschlagsliste für immaterielles Kulturerbe. Die Entwicklung der Passionsspiele in den letzten 100 Jahren eignet sich hervorragend zur Untersuchung zentraler Fragen des immateriellen Kulturerbes

  • Die Rolle von Authentizität bei immateriellem Kulturerbe im Allgemeinen und bei Passionsspielen im Besonderen;
  • Der Dialog zwischen Tradition und Moderne, zeitgenössische Formen traditioneller Praktiken und Ausdrucksformen, Veränderungsdruck und Grenzen akzeptablen Wandels;
  • Formen der Beteiligung an der Weitergabe und Entwicklung immateriellen Kulturerbes;
  • Immaterielles Kulturerbe und das touristische Erlebnis;
  • Auswirkungen von Tourismus auf die lokale Bevölkerung und die Passionsspiele;
  • Verbindung zwischen wirtschaftlichem Vorteil und kulturellem Wandel;
  • Marketing als Methode, kulturelle Bedeutung zu vermitteln und den Besuchern gleichzeitig Erlebnis, Information und Genuss zu bieten.