Der Strukturwandel in der Lausitz als gesellschaftliche Aufgabe

Mit einer feierlichen Kick-off-Veranstaltung im Startblock B2 in Cottbus startet an der BTU offiziell das Zentrum für Strukturwandel und Regionalentwicklung (ZESTUR). Rund 60 Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung sowie der Lausitzer Zivilgesellschaft feiern am Donnerstag, 10. September 2026, den Auftakt des neuen Zentrums.

Gefördert wird es vom Bundesforschungsministerium mit 18,2 Millionen Euro aus dem Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen. Rund 40 Wissenschaftler*innen erforschen darin bis Ende 2030 den Strukturwandel in der Lausitz.

Den offiziellen Start des neuen Forschungszentrums feiert die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) am Donnerstag, 10. September 2026, im Startblock B2 am Zentralcampus in Cottbus. Eröffnet wird die Festveranstaltung von BTU-Präsidentin Prof. Gesine Grande, dem Lausitzbeauftragten Dr.-Ing. Klaus Freytag, Staatskanzlei Land Brandenburg, sowie einer Vertreterin des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Sprecher des ZESTUR sind Prof. Dr. oec. Jan Schnellenbach und Prof. Dr.-Ing. Silke Weidner. Rund 60 Gäste verfolgen den Auftakt des Forschungsvorhabens.

BTU-Präsidentin Prof. Gesine Grande: “Für die BTU ist das ZESTUR ein Gewinn, weil es unsere technisch-ingenieurwissenschaftliche Strukturwandelforschung um eine sozialwissenschaftliche Perspektive ergänzt. Für die Lausitz bedeutet es, dass der Wandel erstmals so eng wissenschaftlich begleitet wird wie kein anderer Strukturwandel zuvor – nicht über die Region hinweg, sondern gemeinsam mit den Menschen vor Ort. Und über die Lausitz hinaus liefert unsere Arbeit Erkenntnisse, die für jede Region relevant sind, die einen tiefgreifenden Wandel bewältigen muss – vom Rust Belt bis nach Wales. Die Lausitz wird damit nicht nur Gegenstand der Forschung, sondern auch ein Ort, von dem andere lernen können.”

Der Lausitzbeauftragte Dr.-Ing. Klaus Freytag ergänzt: “Die Zukunft der Lausitz lässt sich nicht am Reißbrett planen. Sie entsteht dort, wo Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und vor allem die Menschen vor Ort gemeinsam nach Lösungen suchen. Genau darin liegt die besondere Chance des ZESTUR: Es soll nicht über die Lausitz forschen, sondern mit ihr. Das ZESTUR kann wissenschaftliche Erkenntnisse mit den Erfahrungen und Anforderungen der Region verbinden und daraus konkrete Impulse für den Strukturwandel entwickeln. Damit leistet das Zentrum einen wichtigen Beitrag, den Transformationsprozess in der Lausitz wissenschaftlich zu begleiten und zugleich praxisnah weiterzuentwickeln.”

Strukturwandel als soziale Aufgabe

Im Fokus des neuen Zentrums für Strukturwandel und Regionalentwicklung (ZESTUR) steht die Überzeugung, dass Transformation vor allem eine soziale Aufgabe ist: Sie verändert nicht nur Arbeitsplätze, sondern Biografien, Orte und Zugehörigkeiten. Gerade in der Lausitz, wo die Erfahrungen des Strukturbruchs nach 1990 bis heute nachwirken, trifft der Aufbruch der Energiewende auf eine Transformationsskepsis. Diese Skepsis lässt sich auch als Erinnerung daran verstehen, dass Menschen wissen, was Veränderung kosten kann."

Fünf Themenfelder, ein gemeinsamer Blick auf die Region

Die Wissenschaftler*innen erforschen, wie Menschen, Regionen und Institutionen mit tiefgreifenden Veränderungen umgehen und wie der Strukturwandel gemeinsam gestaltet werden kann. Sieben sozial-, planungs- und wirtschaftswissenschaftliche Fachgebiete der BTU Cottbus-Senftenberg bündeln dafür ihre Expertise in fünf Themenclustern: regionale Innovationssysteme, Arbeitsmarkt, sozialer Zusammenhalt und Teilhabe, gestaltete Lebenswelten sowie Konflikte um Demokratie und Migration. Ein Querschnittsprojekt zu regionalen Zukünften und kollektiven Zugehörigkeiten führt die Perspektiven zusammen. Die Lausitz steht dabei im Zentrum der Forschung, wird aber systematisch mit anderen Transformationsregionen in Deutschland, Europa und weltweit verglichen – etwa dem Ruhrgebiet oder dem Rust Belt.

Zentral ist der transdisziplinäre Anspruch des Zentrums: Forschung soll nicht über, sondern gemeinsam mit den Akteuren der Region entstehen. Dafür baut das ZESTUR eine ko-kreative Transferplattform auf, die Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft dauerhaft mit der Forschung verbindet. Mit neuen Beteiligungsmöglichkeiten, wie dem “Lausitzer Transformationsrat” einem Beratungs- und Austauschgremium lokaler Akteure und der “Zukunftsschmiede Lausitz” als offenem Format für die Zivilgesellschaft erhält der Strukturwandel in der Lausitz eine wissenschaftliche Begleitung, wie es sie in dieser Form bislang nicht gab.

Im Rahmen der Veranstaltung wird die neue ZESTUR-Website offiziell freigeschaltet. Im Anschluss an den Festakt tagt erstmals der “Lausitzer Transformationsrat”.

ZESTUR-Sprecher Prof. Dr. Jan Schnellenbach unterstreicht, das Zentrum wolle nicht die Zukunft der Lausitz vorhersagen, sondern die Menschen der Region dabei unterstützen, diese Zukunft aktiv mitzugestalten. Aus einer regionalen Herausforderung sollten wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse entstehen, von denen auch andere Transformationsregionen profitieren könnten.

Prof. Dr.-Ing. Silke Weidner, Sprecherin des ZESTUR: “Strukturwandel gelingt nicht am Reißbrett, sondern dort, wo Menschen leben, arbeiten und Zukunft gestalten wollen. Mit dem ZeStuR schaffen wir eine konkrete wissenschaftliche Adresse für die Lausitz – nicht als externe Forschung über die Region, sondern als Partner, der gemeinsam mit den Akteur*innen vor Ort Wissen erzeugt.”

Prof. Dr. Jan Schnellenbach, Sprecher des ZESTUR: “Zentral ist für uns die enge Verzahnung von Grundlagenforschung und Praxis. Das hilft nicht nur der Lausitz, sondern uns grundsätzlich zu verstehen, wie Transformationsregionen ökonomisch, sozial und planerisch gelingen können – und wie sich aus lokalem Erfahrungswissen allgemeinere wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen lassen.”

Das Zentrum für Strukturwandel und Regionalentwicklung (ZESTUR) ist ein interdisziplinäres Forschungszentrum der BTU. Es wird mit rund 18,2 Millionen Euro vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) aus dem Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen gefördert und knüpft an die BTU-Profillinien “Globaler Wandel und Transformation” sowie “Energiewende und Dekarbonisierung” an. 

Fachkontakt

Dr. phil. Carolin Genz
T +49 (0) 355 69-3299
genz(at)b-tu.de

Pressekontakt

Kristin Ebert
Kommunikation und Marketing
T +49 (0) 355 69-2115
kristin.ebert(at)b-tu.de
Beim Kickoff des ZESTUR in Cottbus: (v.l.n.r.) Dr. Carolin Genz (Leitung Geschäftsstelle & wissenschaftliche Koordination ZESTUR), Dr.-Ing. Klaus Freytag (Lausitzbeauftragter des Ministerpräsidenten), Prof. Dr. Gesine Grande (BTU-Präsidentin), Prof. Dr. Jan Schnellenbach (Sprecher des ZESTUR) und Dr. Katharina Pijnenburg (Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)).