Altes Handwerk neu erzählt: Blaudruck-Wochenende rückt Erinnerungen in den Fokus
Der Blaudruck gehört zu den traditionsreichsten Textiltechniken Europas: Mit Modeln werden Muster auf Stoffe aufgetragen, die anschließend mit Indigo gefärbt werden – übrig bleiben die charakteristischen weißen Ornamente auf tiefblauem Grund. In der Lausitz ist diese Technik eng mit regionalen Trachten und kultureller Identität verbunden. Doch genau dieses Wissen ist bedroht. Mit dem Rückgang der handwerklichen Praxis verschwindet auch das Erfahrungswissen – oft getragen von älteren Generationen.
Wie lässt sich ein Handwerk bewahren, das vor allem mündlich weitergegeben wurde? Dieser Frage widmet sich das Blaudruck-Wochenende am Freitag und Samstag, 27. und 28. März, im Wendisch-Deutschen Heimatmuseum Jänschwalde/Janšojce – mit einem besonderen Schwerpunkt auf dem Erzähl-Café.
„Wenn dieses Wissen verschwindet, verlieren wir mehr als nur eine Technik – wir verlieren ein Stück kulturelle Identität und persönliche Lebensgeschichten“, sagt Richard Pantzier von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU).Der Wissenschaftler begleitet das BTU-Projekt Praxisforschungsstelle Cottbus. Ziel ist es, genau diese oft unsichtbaren Wissensbestände sichtbar zu machen und über die Generationen weiterzugeben. Die Praxisforschungsstelle versteht das Wochenende als Experimentierfeld für neue Formen des generationenübergreifenden Lernens.
Das Erzähl-Café lädt dazu ein, persönliche Geschichten rund um den Blaudruck zu teilen – oder einfach zuzuhören. In ungezwungener Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen entsteht so ein lebendiges Archiv des Alltagswissens. Moderiert wird das Erzähl-Café von Jörg Ackermann, Teil des Lenkungskreises des Inwertsetzungsprojektes. Neben dem Erzähl-Café umfasst das Programm auch Workshops und Einblicke in eine entstehende Experimentierwerkstatt.
Zum Programm
Freitag, 27. März 2026
- 15 Uhr Erzähl-Café
- 16.30 Uhr, Einblick in die entstehende Experimentierwerkstatt.
Samstag, 28. März 2026,
- 10 Uhr Workshop Ostereiermalen im Museum.
- 13 Uhr Workshop „Färben mit Indigo“ mit Petra Jordan (bereits ausgebucht)
Veranstaltungsort: Wendisch-Deutsches Heimatmuseum Jänschwalde - Serbsko-nimski domowniski muzej Janšojce, Kirchstraße 11, 03197 Jänschwalde/Janšojce
Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Um Anmeldung beim Heimatmuseum wird gebeten: T +49 (0) 35607 749928, E museum-jaenschwalde(at)peitz.de
Die Veranstaltungen werden organisiert vom BTU-Projekt Praxisforschungsstelle Cottbus, dem Projekt Inwertsetzung immateriellen Erbes im deutsch-slawischen Kontext und dem Heimatmuseum Jänschwalde/Janšojce.
Über das Projekt Inwertsetzung immateriellen Erbes im deutsch‑slawischen Kontext
Das Projekt unterstützt die Umsetzung des Erzähl‑Cafés und des Färbeworkshops. Langfristig ist geplant, in Jänschwalde/Janšojce eine Blaudruckwerkstatt als Vorführ‑ und Experimentierwerkstatt am Wendisch‑Deutschen Heimatmuseum einzurichten, um die Färbetechnik zu bewahren und beispielsweise für die Verwendung in der sorbischen/wendischen Tracht zu erhalten.
Über die Praxisforschungsstelle Cottbus
Die Praxisforschungsstelle Cottbus ist ein Projekt der BTU Cottbus-Senftenberg. Forschende befassen sich darin mit der Verbesserung der Lebensqualität im Alter und leisten damit einen Beitrag, das regionale und individuelle Wissen der älteren Generation im Landkreis Spree-Neiße und Cottbus/Chóśebuz sichtbarer zu machen. Die Praxisforschungsstelle Cottbus ist Teil der Transferinitiative AlterPerimentale. Diese arbeitet im deutsch-polnischen Grenzraum zu Verbesserungen der Lebensqualität im Alter. Gemeinsam mit älteren Menschen und Praxisakteuren erarbeiten die Wissenschaftler*innen neue Lösungen für das Zusammenleben im demografischen Wandel. Die verschiedenen Teilprojekte arbeiten in den Landkreisen Oder-Spree, Spree-Neiße und Görlitz sowie in Cottbus/Chóśebuz zu jeweils unterschiedlichen Themen wie Gesundheitsversorgung, Mobilität, inklusive Digitalisierung oder Einsamkeit. Die AlterPerimentale wird gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) in der Förderlinie „T!Raum – TransferRäume für die Zukunft von Regionen“.

