Brandenburg bildet erstmals grundständig Sorbisch/Wendisch-Lehrkräfte aus

RASW, Landessorbenbeauftragter, BTU und Sorbisches Institut präsentieren Pläne – Studium beginnt zum Wintersemester 2026/27 am Campus Senftenberg/Zły Komorow

Brandenburg investiert in die Zukunft des sorbischen Volkes. An der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) startet ab Herbst 2026 am Campus Senftenberg/Zły Komorow im Rahmen der Bachelorstudiengänge Lehramt Primarstufe das Zweitfach Sorbisch/Wendisch. Damit werden erstmals Grundschullehrkräfte für das Fach Sorbisch/Wendisch im Land Brandenburg grundständig ausgebildet. Der Rat für Angelegenheiten der Sorben/Wenden (RASW) stellte das Studienangebot heute im Landtag Brandenburg in Potsdam gemeinsam mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, der BTU Cottbus-Senftenberg und dem Sorbischen Institut vor.

Marcus Koinzer, Vorsitzender des RASW: „Bereits seit der letzten Legislaturperiode hat sich der RASW aktiv für die Verwirklichung dieses Angebotes in der Niederlausitz stark gemacht. Ganz besonderer Dank geht an das MWFK für die Initiierung und an die BTU für die ambitionierte sowie zugleich professionelle Errichtung der Studiengänge in Zusammenarbeit mit dem Sorbischen Institut, um dem anhaltend hohen Bedarf an Sorbisch/Wendisch-Lehrkräften begegnen zu können.“

Delia E. Münch, bildungspolitische Sprecherin des RASW: „Niedersorbisch/Wendisch ist eine vom Aussterben bedrohte Sprache, die dringend der Vermittlung in den Schulen bedarf. Die Lehramtsausbildung Sorbisch/Wendisch der BTU hat aber nicht nur eine praktische Relevanz, sondern ist zugleich Ausdruck des Selbstverständnisses der BTU als Universität in einer zweisprachigen und bikulturellen Niederlausitz. Davon profitieren die Studierenden, die Lehrenden und die Region gleichermaßen.“

Tobias Dünow, Beauftragter des Landes Brandenburg für die Angelegenheiten der Sorben/Wenden und Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur: „Der Start des Lehramtsstudiums in diesem Jahr dürfte eine der wichtigsten landespolitischen Weichenstellungen in der Sorben-/Wenden-Politik in den vergangenen 10 Jahren sein. Die enge Kooperation zwischen Land, BTU, Sorbischem Institut und RASW und die intensive Unterstützung durch die Kommunen senden ein klares Signal: Wir sichern gemeinsam die Zukunft der sorbisch/wendischen Sprache und Kultur und damit des sorbischen Volkes. Wir gehen auch neue Wege, um diesen alten Verfassungsauftrag Tag für Tag mit Leben zu erfüllen. Das neue Angebot passt perfekt an die BTU. Nicht nur, weil Senftenberg/Zły Komorow im sorbischen Siedlungsgebiet liegt. Sondern auch, weil die Universität gezeigt hat, dass sie sehr schnell ein außerordentlich praxisorientiertes und auf die spezifischen Bedarfe der Region ausgerichtetes Lehramts-Angebot aufbauen kann.“

Prof. Dr. Peer Schmidt, Vizepräsident der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU): „Die neuen Studiengänge an der BTU sind das Ergebnis eines beeindruckenden Engagements vieler Akteure in der Region – natürlich aus der sorbisch/wendischen Community, vor allem dem Rat für Angelegenheiten der Sorben/Wenden im Land Brandenburg und dem Sorbischen Institut, aber auch der Städte und Landkreise sowie der Schulen in der Niederlausitz, an denen die Lehrkräfte dringend erwartet werden. Nicht zuletzt war das ausgezeichnete Zusammenwirken mit den Beteiligten an der BTU für die erfolgreiche Entwicklung des Studiengangs maßgeblich. Im Ergebnis werden unsere Studierenden ein ganz besonderes Umfeld erleben, in dem sie mitten im Niederlausitzer Siedlungsgebiet die Sprache, Geschichte und Kultur der Sorben/Wenden und den Austausch mit deren Institutionen direkt erfahren und entwickeln können.“

Prof. Dr. Hauke Bartels, Direktor des Sorbischen Instituts: „Eine ausreichende Anzahl gut ausgebildeter Niedersorbisch-Lehrkräfte an Grundschulen ist eine notwendige Bedingung für den Erhalt der niedersorbischen Sprache in Brandenburg. Der neue Studiengang bietet die Chance, das Potenzial zur Gewinnung solcher Lehrkräfte zu aktivieren und noch besser auszuschöpfen. Das Sorbische Institut als einzige Forschungseinrichtung zur Sprache, Geschichte und Kultur der Sorben/Wenden wird das neue Angebot bei Gestaltung und Umsetzung weiterhin tatkräftig unterstützen.“

Die BTU erweitert ihr Lehramtsangebot am Campus Senftenberg/Zły Komorow zum Wintersemester 2026/27 um das Zweitfach Sorbisch/Wendischfür die Primarstufe. Damit entsteht erstmals im sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet Brandenburgs ein grundständiges Studienangebot zur Ausbildung von Lehrkräften für Niedersorbisch an Grundschulen. Das Studium ist als praxisintegrierender Bachelorstudiengang konzipiert und soll später in einem dualen Masterstudium fortgeführt werden. Studierende können zwischen den Fächerkombinationen Mathematik – Sorbisch/Wendisch oder Deutsch – Sorbisch/Wendisch wählen. Geplant sind jährlich zwölf Studienplätze, jeweils sechs pro Kombination. Die schulische Praxis soll unter anderem über WITAJ-Schulen sowie Schulen mit Fremdsprachenangebot Sorbisch/Wendisch abgesichert werden.

Das Studium richtet sich zunächst an bereits sprachkundige Bewerberinnen und Bewerber – empfohlen werden Kenntnisse des Niedersorbischen auf dem Niveau B1. Ab dem kommenden Jahr sollen ergänzende Brückenkurse und Propädeutika den Zugang auch für Neusprecherinnen und Neusprecher erleichtern. Bewerbungen sind ab dem 27. April 2026 möglich. Stipendienprogramme des Landes, der Stiftung für das sorbische Volk sowie mehrerer Kommunen, darunter Cottbus/Chóśebuz und der Landkreis Spree-Neiße/Wokrejs Sprjewja-Nysa, sollen die Attraktivität des Studiengangs erhöhen.

Das Studienangebot ist in enger Abstimmung zwischen dem Kultur- und Wissenschaftsministerium, der Brandenburgischen Technische Universität Cottbus-Senftenberg, dem Rat für Angelegenheiten der Sorben/Wenden, dem Sorbischen Institut sowie dem Bildungsministerium entstanden. Für die Durchführung des neuen Studienangebots plant die BTU den Aufbau zusätzlicher personeller Kapazitäten. Die Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig wird fortgeführt. Dort werden weiterhin die Sorabistik sowie die Ausbildung für Lehrkräfte an weiterführenden Schulen angeboten. 

Die Sorben/Wenden sind seit rund 1.500 Jahren in der Lausitz ansässig. Sie haben sich trotz Assimilierungsversuchen früherer Herrscher und Regierungen ihre eigene Sprache und ihre von zahlreichen Festen und vielfältigem Brauchtum geprägte Kultur bewahrt. Die niedersorbische Sprache gehört zur slawischen Sprachfamilie, ist in Deutschland anerkannte Minderheitensprache und in Brandenburg durch die Landesverfassung geschützt. Das Land Brandenburg trägt mit einer Reihe von Maßnahmen dazu bei, Kultur und Sprache der nationalen Minderheit besser zu bewahren und weiterzuentwickeln. Das Land unterstützt die Stiftung für das sorbische Volk in diesem Jahr mit rund 4,9 Millionen Euro. 

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Studierende vor dem Konrad-Zuse-Medienzentrum am Campus Senftenberg (Foto: BTU, Sascha Thor)