Gratulation zur Promotion

Am 20. April 2026 hat Nina Radzewitz ihre Promotion zum Thema "Mentalitätsstrukturen in Ostdeutschland: Biografische Sinnkonstruktion zwischen Tradierung und Eigensinn – Eine Grounded Theory Studie zu Impfentscheidungen ostdeutscher Pflegekräfte in der Corona-Pandemie" an der BTU Cottbus - Senftenberg verteidigt und die Promotionsprüfung erfolgreich bestanden.

Nina Radzewitz untersucht in ihrer Dissertation die Impfentscheidungen ostdeutscher Pflegekräfte im Kontext mentalitätsspezifischer Strukturen Ostdeutschlands.

Die Corona-Pandemie wird als gesellschaftliche Zäsur betrachtet, indem bestehende Ordnungen destabilisiert und die Alltagswelt der Menschen erheblich irritiert wurde. Die Arbeit postuliert, dass Impfentscheidungen während der Pandemie nicht nur medizinisch, sondern auch sozial beeinflusst wurden, wobei biografische Erfahrungen aus der DDR-Zeit und der Wendezeit reaktiviert wurden. Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick auf Pflegefachkräfte, deren Lebenswege in der ehemaligen DDR begannen und die zum Zeitpunkt der Pandemie in der Pflege tätig waren. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum sich Pflegende gegen die Impfung entschieden und auf welche biografischen Erfahrungsmuster und Mentalitätsstrukturen diese Entscheidung verweist. Um diese Zusammenhänge zu erfassen, wurden autobiografisch-narrative Interviews geführt, die eine Rekonstruktion individueller Lebensverläufe ermöglichen. In den untersuchten Biografien geht es also nicht um einen Protest um seiner selbst willen, sondern um eine Ablehnung von staatlichem Handeln, bei dem die eigene Position kaum Berücksichtigung findet. 

Wie das Unterlaufen institutionalisierter Erwartungen biographisch konstruiert wird und mentalitätsgeschichtlich eingebunden ist, das rekonstruiert die Autorin unter Verweis auf den Begriff der biographischen Eigenlogik und kann mit ihrer empirischen Studie in jedem Fall beeindruckend ausdifferenzieren, dass mentalitäre Unterschiede 35 Jahre nach dem Zusammenschluss von Ost- und Westdeutschland fortbestehen.

Die Arbeit von Nina Radzewitz ist, was ihre innovative konzeptionelle und die damit korrespondierende methodische Anlage betrifft sowie in Bezug auf ihre dichten und inspirierenden Forschungsergebnisse, eine bemerkenswerte Leistung der qualitativ-empirischen Sozialforschung und der Bildungssoziologie. Besonders hervorzuheben ist auch ihre ausgezeichnete Lesbarkeit.


Promotionskommission

Gutachterin: Prof. Dr. Heidrun Herzberg (BTU Cottbus - Senftenberg)
Gutachter: Prof. i. R. Dr. Dr. Peter Alheit
Gutachterin: Prof. i. R. Dr. Ursula Apitzsch (Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt / M)
Vorsitzende: Prof. Dr. Alexandra Retkowski

Wir wünschen Nina Radzewitz alles Gute auf dem weiteren wissenschaftlichen und persönlichen Weg.

Abgeschlossenen Promotionen / Veröffentlichungen der Fakultät 4

Kontakt

Prof. Dr. Heidrun Herzberg
Bildungswissenschaften und Berufspädagogik in Gesundheitsberufen
T +49 (0) 3573 85-708
heidrun.herzberg(at)b-tu.de

Gabriele Weineck
Institut für Gesundheit
T +49 (0) 3573 85-706
gabriele.weineck(at)b-tu.de
v.l.n.r.: Prof. i. R. Dr. Dr. Peter Alheit, Nina Radzewitz, Prof. i. R. Dr. Ursula Apitzsch (auf der Leinwand), Prof. Dr. Heidrun Herzberg (Foto: M. Tallarek)