Wie Veränderung entsteht
Er ist ein Beispiel für eine zentrale Frage ihrer Arbeit: Unter welchen Bedingungen handeln Menschen nachhaltiger?
“If you can’t open it, you don’t own it”, zitiert die Wissenschaftlerin aus dem Fachgebiet Technik- und Umweltsoziologie der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) einen zentralen Slogan der Reparaturbewegung. Wenn man etwas nicht öffnen kann, gehört es einem nicht wirklich. Gemeint sind Smartphones, Lautsprecher oder andere Geräte, die sich nicht reparieren lassen. Für Prof. Melanie Jaeger-Erben ist das ein Symbol: für Kontrolle und Abhängigkeit, aber auch für verpasste Möglichkeiten, Dinge selbst in die Hand zu nehmen.
Ein Weg, der nicht vorgezeichnet war
Dabei war ihr eigener Weg alles andere als selbstverständlich. Sie ist die Erste in ihrer Familie mit Abitur, die Einzige mit Studium und Promotion. “Wenn es nach meinen Eltern gegangen wäre, wäre ich wahrscheinlich Steuerberaterin geworden”, sagt sie und lacht.
Eigentlich wollte sie Journalistin werden. Sie las viel, war fasziniert von Literatur, besonders von den psychologischen Tiefen in den Romanen Dostojewskis. Also entschied sie sich für ein Psychologiestudium – ohne genau zu wissen, wohin das führen würde. Doch schnell merkte sie: Der Blick auf die Gesellschaft interessierte sie noch mehr als der auf das Individuum.
Zwischen Mensch, Gesellschaft und Technik
Heute arbeitet sie genau an dieser Schnittstelle. Ihre Forschung verbindet Psychologie, Soziologie und Technik. Die Wissenschaftlerin untersucht, warum gut geplante Lösungen im Alltag oft scheitern – etwa energieeffiziente Gebäude, die nicht wie gedacht genutzt werden, oder Infrastrukturprojekte, die an den Bedürfnissen der Menschen vorbeigehen.
Transformation – mehr als nur Veränderung
Im Zentrum steht dabei ein großes Thema: Transformation. Für sie bedeutet das mehr als kleine Veränderungen. Es geht um grundlegende Umbrüche – darum, wie sich komplexe Strukturen verändern.
Besonders interessiert sie, wann solche Veränderungen möglich werden. “Mich interessiert der Moment, in dem plötzlich etwas in Bewegung kommt”, sagt sie. Wenn Menschen anfangen, Dinge anders zu machen.
Warum manche Regionen in die Veränderung kommen
Doch statt nur auf einzelne “Pioniere” zu schauen, richtet sie den Blick auf die Bedingungen. Warum entstehen in manchen Regionen neue Ideen, Initiativen, Aufbruchsstimmung – und in anderen nicht?
In der Lausitz untersucht sie genau das. Orte wie Lübbenau zeigen, wie Veränderung gelingen kann: durch offene Verwaltungen, Zusammenarbeit und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren. Andere Orte tun sich schwerer – oft, weil diese Strukturen fehlen.
Für Prof. Melanie Jaeger-Erben ist klar: Veränderung entsteht nicht von allein. Sie braucht Räume, Möglichkeiten und Menschen, die sie nutzen.
Forschung, die im Alltag ankommt
Auch deshalb bringt sie ihre Forschung in die Praxis. Repair-Cafés, Tauschräume, Projekte mit Studierenden – kleine Experimente, die zeigen, dass es auch anders gehen kann.
Und selbst ihre zukünftigen Themen bleiben nah am Alltag: etwa die Frage, wie eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft stärker im Alltag praktiziert werden kann – durch Teilen und Tauschen, aber auch noch wenig verbreitete Infrastrukturen wie Trenn- und Komposttoiletten
Eine zentrale Frage bleibt
Was Prof. Melanie Jaeger-Erben antreibt, ist immer dieselbe Frage: Wie können Menschen Veränderung nicht nur erleben, sondern selbst gestalten?
Fachkontakt
Technik- und Umweltsoziologie
T +49 (0) 355 69-3432
melanie.jaeger-erben(at)b-tu.de

