Interview mit BTU Alumnus Daniel Kubik
Hallo Herr Kubik, Sie haben Medienwissenschaft im Bachelor in Potsdam und danach Kulturwissenschaften im Master in Cottbus studiert. Wie kam das und wie waren Ihre Erfahrungen an der BTU?
Nach dem Bachelor war mir noch nicht klar, welchen genauen Beruf ich anstrebe. In den Geisteswissenschaften stehen einem verschiedene Berufsfelder offen. Da für mich auch damals eine wissenschaftliche Laufbahn in Frage kam, habe ich gedacht, dass es nicht verkehrt sein kann, noch den Master zu erlangen. Die Wahl auf Cottbus fiel zum einem wegen der Sehnsucht nach der Heimat, wo ich zur Schule ging und groß geworden bin, und zum anderen wegen der Studieninhalte. Ich freute mich auf technische Inhalte. Die Erfahrungen an der BTU waren rückblickend sehr wichtig für meine persönliche Entwicklung. Ich denke an den Austausch mit den anderen Studierenden und Lehrenden, sowie die Arbeit am Lehrstuhl Technikgeschichte. Ich bin Prof. Bayerl sehr dankbar, dass er mir persönlich und anderen Studierenden Entwicklungsmöglichkeiten bot. Besonders während meines Master-Praktikums an der Cottbuser Zweigstelle des Sorbischen Instituts habe ich Kontakte geknüpft, die mein weiteres Schaffen maßgeblich beeinflussten. Meinem Praktikumsbetreuer Pětš Šurman (Peter Schurmann) danke ich herzlich für seine Unterstützung. Im Rahmen des Praktikums brachte ich mein Interesse für den Film aus dem medienwissenschaftlichen Studium und die Auseinandersetzung mit den eigenen sorbisch/wendischen Wurzeln zusammen. In diesem Zusammenhang entstand ein Überblicksartikel, in dem ich meine Rechercheergebnisse festhielt. Er ist in der Niedersorbischen Bibliothek im Wendischen Haus hinterlegt. Es folgten einige Zeitungsartikel und 2018 nach projektbezogener und freier Mitarbeit eine berufliche Neuorientierung.
Viele scheuen sich vor solchen Studiengängen aus Angst vor mangelnden Berufsperspektiven. Wie sind da Ihre Erfahrungen und was würden Sie Studieninteressierten dazu sagen, die sich für kulturelle Themen interessieren?
Mit einem Augenzwinkern sage ich im Nachhinein, ich bin in die „Irgendwas mit Medien“-Falle getappt. Nach dem Abitur interessierte mich die Medienlandschaft und beim Tag der offenen Uni in Potsdam saß ich im Hörsaal, wo mein erster Studiengang vorgestellt wurde. Die Präsentation dort überzeugte mich. Erst gegen Ende des Studiums drängten sich die Fragen auf: Wo will ich arbeiten? Was möchte ich tun? Kann ich davon leben? Wenn es darum geht, einen Job in der Region zu finden, waren die Möglichkeiten aus meiner Sicht begrenzt. Wer sich vorstellen kann in Berlin, Hamburg, München oder Köln zu wohnen, dem stehen viel mehr Möglichkeiten offen. Da ich am liebsten in der Lausitz bleiben wollte, musste ich schon sehr gezielt suchen. Die Stellenvermittlung durch die Arbeitsagentur empfand ich nicht als zielführend. Ich hätte mir mehr Zeit gewünscht, im Gespräch zu ergründen, was das Richtige für mich sein könnte. Stattdessen fühlte ich mich wie eine Nummer im System, die im Monat eine bestimmte Anzahl an Bewerbungen verschicken soll. Mein Rat wäre sich im Vorfeld Klarheit zu verschaffen, wohin die Reise gehen soll. Man sollte sich eine Strategie zurechtlegen, wie man nach dem Studium in den Beruf kommen will. Ich habe es vernachlässigt, die Freiräume beim Studium zu nutzen, mehr praktische Erfahrungen über Praktika zu sammeln oder über Nebenjobs schon einmal einen Fuß in die Tür zu bekommen. Wer pfiffig ist, und wem unregelmäßige Arbeitszeiten und projektbezogenes Arbeiten nichts ausmachen, dem stehen berufliche Gestaltungsräume offen. Andererseits gehen wirtschaftliche Unsicherheit einher, wenn es kein klassischer 9-to-5 Job in einem Angestelltenverhältnis ist. Das war 2018 auch der Grund, warum ich mich beruflich neuorientiert hatte. Ich hatte Bewerbungen in drei Richtungen laufen, Projektmitarbeiter, wissenschaftlicher Mitarbeiter und als Grundschullehrer über den Seiteneinstieg. Ich stieg in den sächsischen Schuldienst mit einem Teilzeitvertrag ein, da ich mich neben dem Beruf weiterqualifizieren musste, um einen Abschluss, gleichwertig dem eines grundständig ausgebildeten Lehrers, zu erlangen. Nebenbei hielt ich weiterhin Kontakt zu Lausitzer Medienschaffenden und Akteuren in der Kultur.
Sie haben viel zu Filmen mit sorbischem Bezug gemacht. Was wäre die Kernbotschaft, die man dazu wissen sollte und wie sehen Sie die aktuellen Entwicklungen in dem Bereich?
Der Startpunkt war mein Praktikum am Sorbischen Institut in der Zweigstelle Cottbus. Damals wurden mir meine sorbisch/wendischen Wurzeln bewusst. Ich fragte mich, ob es überhaupt sorbisch/wendische Filme gibt. Ich kannte persönlich keinen. Nach meiner Recherche wurde ich eines Besseren belehrt. Es gibt mehr sorbisch/wendische Filme als zuerst angenommen. Hauptsächlich handelt es sich um Dokumentationen, dokumentarische Filme oder Kulturfilme. Anfangs waren es eher Filme über Sorben, die Stereotype bedienten. Der Film verstärke den Eindruck vom ewig singenden, tanzenden Volk, so formuliert es der Filmwissenschaftler Dr. Alfred Krautz. Es gibt aktuelle Beispiele und andere künstlerische Formen. Fiktive Formate in sorbisch/wendischer Sprache sind noch rar gesät. Damit mehr neue, frische Sachen entstehen, müssen allerdings die politischen Rahmenbedingungen hinsichtlich der Förderstrukturen gegeben sein. Da setzt das Netzwerk Łužycafilm an. Es positioniert sich zu medienpolitischen Themen. In erster Linie bietet es eine Plattform zum Austausch zu Ideen und Projekten. Das geschieht zweimal im Jahr einmal zum Neiße Film Festival und zum anderen beim FilmFestival Cottbus. Es wurde 2015 gegründet und vernetzt, unterstützt und fördert seitdem sorbisch-deutsche Medienschaffende aus der Lausitz. Das Angebot richtet sich an professionell und semi-professionell tätige Film- und Medienschaffende. Daneben bietet es Anschluss- und Vernetzungsmöglichkeiten für den Nachwuchsbereich.
Was vermissen Sie am meisten aus Ihrer Studienzeit in Cottbus?
Ich vermisse vor allem die Freiräume, die sich im Studium ergeben haben. Ich vermisse es, sich in Bücher zu vergraben und neue Inhalte zu erschließen. Ich habe es immer als großes Privileg empfunden, studieren zu können, mir neues Wissen anzueignen.





