Auf den Spuren der Polarpioniere
Es ist ein Abenteuer im Dienst der Wissenschaft, das an die historische Ära der Polarforschung erinnert: Das Team aus sechs Expeditionsteilnehmern bahnt sich derzeit den Weg über das grönländische Inlandeis bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, Gegenwind und Schneefall. Das Team ist völlig autark unterwegs – ohne Motoren, nur mit Skiern, Kites und schweren Schlitten (Pulkas).
Ihr Ziel ist es, die historische Route des Polarforschers Alfred de Quervain von 1912 zu wiederholen und erstmals in der originalen Richtung im gleichen Jahreszeitraum von West nach Ost zu rekonstruieren. Gleichzeitig liefern sie hochaktuelle Messdaten. Die ersten 350 Kilometer von insgesamt knapp 700 Kilometern und 2.450 Höhenmeter sind geschafft. Vor ihnen liegen nun etwa noch einmal so viel Tage im ewigen Eis.
Veränderungen aus 30 Jahren und Untersuchungen zu Mikroplastik
Je wärmer die Sommer werden, desto schwieriger werden die Expeditionen. Das Team nutzt die Zeit, bevor gigantische Schmelzseen, Schmelzwasserflüsse und freigelegte Gletscherspalten die Route unpassierbar machen. Die Forschungsreise ist Teil eines von Prof. Wilfried Korth an der Berliner Hochschule für Technik im Jahr 2002 initiierten Langzeitmessprojekts, das von der BTU und weiteren Unterstützern fortgeführt wird. Es knüpft an eine mittlerweile umfassende Messreihe zur Entwicklung des grönländischen Eisschildes an.
Organisation und Durchführung der Expedition liegen eigenverantwortlich in den Händen der Teilnehmenden. So wurde als wichtiges Equipment für die Forschungsreise beispielsweise eine auf die Bedingungen angepasste Energiebox (Photovoltaikmodul, Akkus) konzipiert und gebaut. Ohne eine stabile Energieversorgung unter polaren Bedingungen wären diese Messungen nicht möglich. Um die Effizienz der Energieversorgung zu bestätigen, werden Spektralanalysen durchgeführt, um die Wirkungsgrade von Photovoltaikmodulen zwischen einer unbeeinflussten Atmosphäre und dem Standort in Cottbus zu vergleichen.
Trotz widriger Wetterbedingungen läuft die wissenschaftliche Begleitung auf Hochtouren: Die Forschenden erfassen Eishöhen, Schneedichten und meteorologische Daten, die mittels hochpräziser GNSS-Satellitenmessungen mit Daten vorangegangener Expeditionen verglichen werden. Sie dokumentieren so langfristige Veränderungen des Eisschildes, wie dünner werdende Eisschichten am Rand. Für die GNSS-Messungen kommt das neue Trimble R980 System zum Einsatz, welches auf dem Pulka (Schlitten) montiert ist und jede Sekunde einen Datensatz aufzeichnet, das sind ca. 1,6 Millionen Messwerte auf der gesamten Strecke.
Zu Beginn der Exkursion wurde das sogenannte „Stoberfeld“ an 48 Punkten vollständig vermessen. Das nach dem Prof. Dr.-Ing. Manfred Stober (ehemals Hochschule für Technik Stuttgart im Bereich Vermessung) benannte Feld wird seit mehr als 30 Jahren regelmäßig untersucht. Im Auftrag der Schweizer Universität Freiburg (Université de Fribourg) entnimmt das Team entlang der gesamten Route Schnee- und Eisproben für die Untersuchung zu Mikroplastik im Eis.
Seitens der BTU sind Thomas Hitziger (Fachgebiet Baumechanik und Numerische Methoden) als Expeditionsleiter und Tom Scheppan als Wissenschaftler (Fachgebiet Hochspannungstechnik und Elektrische Anlagen) sowie Paul Gasch, Bachelorabsolvent im Bauingenieurwesen an der Forschungsreise beteiligt.
Die Expedition im Live-Ticker
Das Abenteuer und der harte Alltag auf dem Eis werden von einem Teammitglied filmisch dokumentiert – daraus soll im Anschluss an die Expedition ein Dokumentarfilm entstehen. Wer das Team schon jetzt hautnah und in Echtzeit bei seiner Reise durch Grönland verfolgen möchte, hat dazu täglich die Gelegenheit:
Tagesaktuelle Berichte & Einblicke: Auf Instagram unter @iceploration (unterstützt durch den gleichnamigen gemeinnützigen Verein zur Vermittlung polarer Themen).
Live-Standort per Satelliten-Tracking: share.garmin.com/btu
Kontakt (nach der Expedition)
Thomas Hitziger (Expeditionsleitung)
Fachgebiet Baumechanik und Numerische Methoden,
T +49 (0) 355 69 2269,
E thomas.hitziger(at)b-tu.de





