Interview mit BTU Alumnus Paul Faltin (Stadtplanung)

"Im Studium war ich permanent in Situationen, in denen ich Neues ausprobieren konnte und musste. Dadurch habe ich extrem viel dazu gelernt."

Hallo Herr Faltin, wie kam es, dass Sie Stadtplanung an der BTU studiert haben und wie waren Ihre Erfahrungen hier?
Ich war einer derjenigen, die nach dem Abitur nicht so richtig wussten, was sie machen wollten. Ursprünglich wollte ich immer Pilot werden, konnte das aber aus finanziellen Gründen und weil ich erstmal etwas krisensicheres lernen wollte, nicht machen. Als ich auch nach meinem Auslandsjahr immer noch nicht wusste, wohin es beruflich einmal gehen soll, habe ich bei der Wahl meines Studiengangs Parallelen zu den Schulfächern gesucht, die mir am meisten Spaß gemacht haben. Durch die Nähe zur Geographie gepaart mit guten Berufsaussichten habe ich mich dann für die Stadtplanung entschieden. Die BTU und der Standort Cottbus waren aufgrund der Nähe zu meiner Heimatstadt Berlin, den günstigen Lebenshaltungskosten und der Größe der Uni für mich das beste Angebot. Sowohl in Cottbus als auch an der BTU hatte ich eine sehr gute Zeit. Die Größe der Uni empfand ich als sehr angenehm und Cottbus bietet dann doch mehr Möglichkeiten für ein studentisches Leben, als man erstmal denkt. 

Sie haben nebenbei als Straßenbahnfahrer gearbeitet, wie kam das und hat Ihnen der Job vielleicht sogar eine andere Perspektive auf Stadtplanung eröffnet?
Cottbusverkehr sucht regelmäßig Student:innen, die als Aushilfsfahrer im normalen Liniendienst Straßenbahn fahren. Dies immer bei Bedarf, wenn mal Personal fehlt. Ich bin durch Zufall auf das Inserat gestoßen und habe mich direkt beworben. Noch bevor ich Pilot werden wollte, wollte ich Lokführer werden und so konnte ich mir diesen kleinen Kindheitstraum erfüllen. Für mich war das der perfekte Nebenjob, da die Schichten eher am Tagesrand liegen und ich so trotz der Arbeit in die Uni gehen konnte. Und tatsächlich habe ich durch den Job eine neue Perspektive auf die Stadtplanung erhalten. In vielen Städten ist es so, dass sich die Straßenbahnen automatisch an den Ampeln anmelden, um dort vorrangig behandelt zu werden und somit schneller grün zu bekommen. Während meiner Zeit bei Cottbusverkehr wurde diese Technologie testweise auch auf der Linie 4 eingeführt. Es war sofort spürbar, wie viel Zeit man dadurch sparen kann, was den ÖPNV letztlich gegenüber dem Individualverkehr deutlich attraktiver macht. Das ist ein kleiner, aber sehr wichtiger Teil der Stadt- bzw. Mobilitätsplanung, der mir vorher unbekannt war. 

Sie arbeiten aktuell als Network Planning Manager bei Flix, wie kam das?
Während meines Studiums habe ich gemerkt, dass mich vor allem die Mobilitätsplanung fasziniert. So bin ich kurz nach meinem Abschluss auf eine Stellenausschreibung bei Flix gestoßen und habe mich einfach mal beworben. Im Rahmen des Auswahlverfahrens musste ich einen Vorschlag für eine neue Buslinie planen, wobei ich gemerkt habe, dass das genau meins ist. Als ich die Stelle dann auch tatsächlich bekommen habe war für mich klar, dass ich mich in der Mobilitätsplanung sehe. Nach nunmehr 4 tollen Jahren bei Flix wartet nun aber der nächste Verkehrsträger auf mich: im September werde ich mir nun doch noch meinen Kindheitstraum erfüllen und eine Ausbildung zum Verkehrspiloten bei der Lufthansa beginnen.

Wie genau kann man sich Ihren Job vorstellen, was machen Sie da genau und was sind konkrete Aufgaben, die Sie bearbeiten?
Ich bin Teil des Teams bei Flix, das die Fahrpläne entwirft, nach denen die Flixbusse quer durch Europa (und mittlerweile auch darüber hinaus) fahren. Was erstmal trivial klingt, ist in Wirklichkeit erstaunlich komplex, da unser Netz sehr eng verwoben ist und unsere Linien mit ihren vielen Haltestellen viele Variablen ins Spiel bringen. Ich betreue ca. 50 Buslinien mit dem Ziel, diese stets weiter zu optimieren bzw. auf äußere Umstände (wie Baustellen) zu reagieren. Dies geschieht stets in Absprache mit anderen Abteilungen, sodass aus der Planung echtes Teamwork wird. Das macht mir sehr viel Spaß!

Was vermissen Sie am meisten aus der Studienzeit an der BTU?
Im Studium war ich permanent in Situationen, in denen ich Neues ausprobieren konnte und musste. Dadurch habe ich extrem viel dazu gelernt. Im Arbeitsalltag geht sowas manchmal unter, allerdings kommt ja mit meiner bevorstehenden Ausbildung nun wieder sehr viel Neues auf mich zu.

 

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