„Nimm dein Hobby ernst!“ - Dirk Wiedenhaupt über Gründung, Studium und den Mut, einfach anzufangen
Das Elbenwald Festval gibt es schon seit 2018. Wie hat sich das Festival seit den Anfängen verändert und was ist bis heute gleichgeblieben?
Dirk Wiedenhaupt: Gewachsen ist vor allem das Drumherum. Als wir angefangen haben, war das eher ein großes Fantreffen und heute ist es eine Veranstaltung mit allem, was dazugehört: Sicherheitskonzept, Verkehrsplanung, Technik, Abstimmung mit Ämtern und Behörden. Das ist ein anderer Aufwand als früher und auch ein anderes Budget.
Verändert hat sich auch das Publikum. Popkultur ist kein Nischenthema mehr. Früher kamen die Hardcore-Fans, heute kommen Familien, Leute, die einfach neugierig sind, und - das freut uns besonders - immer mehr Menschen aus Cottbus und der Region. Der Anteil der Tickets aus dem Umland steigt jedes Jahr.
Gleich geblieben ist der Kern: Wir machen das Festival selbst, aus dem Unternehmen heraus, keine Agentur dazwischen. Es ist ein Festival von Fans für Fans und die Leute merken den Unterschied.
Was erwartet die Gäste 2026? Was gibt es Neues? Werden bestehende Traditionen fortgesetzt?
Dirk Wiedenhaupt: Unser Line-Up lebt vor allem von der Vielfalt. Natürlich haben wir musikalische Highlights wie dArtagnan, Fiddler’s Green und unser Live-Orchester am Sonntag. Aber genauso gehören dazu Cosplay-Wettbewerbe und Workshops, Pen-&-Paper-Runden, Film-Talks und beeindruckende Show-Acts.
Es gibt ein paar Punkte im Programm, bei denen uns die Community den Kopf abreißen würde, wenn wir sie streichen würden und das ist auch richtig so: der Spreeauenpark selbst, unsere Liebe fürs Cosplay, die einzigartigen Bühnenprogramme, das Lagerfeuer-Gefühl am Abend.
Neu ist jedes Jahr, dass wir an ein paar Stellen nachbessern, die den Gästen nicht auf den ersten Blickt auffallen: Wege, Wartezeiten, Gastronomie, Beschilderung. Das größte Lob nach einem Festival ist nicht nur „war spektakulär”, sondern auch „hat alles funktioniert”.
Bei unserem letzten Interview in 2021 habt ihr gesagt, Glück gehöre zum Erfolgsrezept. Würdest du das immer noch so sagen?
Dirk Wiedenhaupt: Das Glück nehme ich nicht zurück, aber ich würde es heute präziser fassen: Glück passiert allen. Der Unterschied ist, ob man in dem Moment handlungsfähig ist. Wer keine Luft hat, nicht im Kopf, nicht im Team, nicht in der Kasse, kann eine gute Gelegenheit nicht ergreifen, auch wenn sie direkt vor einem liegt.
Was ich 2021 unterschätzt habe: Ausdauer. Die Jahre seit Corona waren für den Handel insgesamt nicht angenehm und es hat sich gezeigt, dass Zähigkeit mindestens so viel wert ist wie eine gute Idee. Dazu gehört auch, ehrlich in die eigenen Zahlen zu schauen und Dinge zu beenden, an denen man emotional hängt.
Und drittens: Wir sind noch dieselben drei Gesellschafter. Dass man das nach über 25 Jahren noch sagen kann, ist selten und es war für viele Entscheidungen der eigentliche Hebel.
Dirk und Jens, ihr habt beide an der BTU studiert – was hat euch damals nach Cottbus geführt?
Dirk Wiedenhaupt: Bei Jens (Geppert) und mir war es der Studiengang Verfahrenstechnik. Ich komme aus Berlin und die TU Berlin wäre der naheliegende Weg gewesen, aber Cottbus war kleiner, überschaubarer, und das Verhältnis von Studierenden zu Professoren war deutlich besser. Man war hier nicht einer von Tausend. Bei Jens, der aus Frankfurt (Oder) kommt, war die Überlegung ähnlich. Alex hat in Berlin Musik studiert und ist eigentlich wegen Elbenwald nach Cottbus gekommen.
Was ich damals nicht ahnen konnte: Dass ich über 25 Jahre später noch hier sitze, mit einem Unternehmen, dessen Zentrallager in Cottbus steht. Die Entscheidung für diese Stadt war rückblickend eine der besten, die ich getroffen habe - und die für den Spreeauenpark 2020/21 war die zweite.
Hat euch das Studium an der BTU gut auf das Unternehmertum vorbereitet oder musstet ihr vieles davon vergessen?
Dirk Wiedenhaupt: Beides und das ist keine Ausrede. Was geblieben ist, ist die Fähigkeit, sich in ein fremdes Thema einzuarbeiten, ohne Panik zu bekommen. Ob Informatik, Recht oder BWL: es wurde ein Grundgerüst mitgegeben, auf dem aufgebaut werden kann. Und Verfahrenstechnik ist gedanklich näher am Handel, als man denkt, denn ein Zentrallager mit Roboteranlage ist am Ende ein Prozess mit Durchsatz, Engpässen und Puffern. Das Denken hilft mir bis heute.
Vergessen musste ich die Suche nach der optimalen Lösung. In der Uni rechnet man, bis das Ergebnis stimmt. Als Unternehmer entscheidest du mit 60 Prozent der Informationen, weil die anderen 40 Prozent erst existieren, wenn es zu spät ist. Diese Umstellung hat bei mir länger gedauert als jede Prüfung.
Ihr habt ja jetzt schon einiges an Erfahrungen sammeln können. Was würdet ihr denn heute eurem jüngeren Ich raten - dem Erstsemester, der noch keine Ahnung hat, was kommt?
Dirk Wiedenhaupt: Erstens: Nimm dein Hobby ernst. Elbenwald ist aus etwas entstanden, das damals niemand für ein Geschäftsmodell gehalten hätte, ich eingeschlossen. Das Thema, über das du ungefragt eine Stunde reden kannst, ist ein Hinweis und kein Zeitverlust.
Zweitens: Lern früh, eine Bilanz und eine GuV zu lesen. Nicht, um Buchhalter:in zu werden, sondern weil dir sonst irgendwann jemand anderes erklärt, wie es deiner Firma geht. Das ist ein unangenehmes Gefühl.
Drittens: Die Leute, die du in den ersten Semestern kennenlernst, sind wichtiger als deine Noten. Ich arbeite bis heute mit Menschen zusammen, die ich in Cottbus getroffen habe.
Und viertens, an mein 20-jähriges Ich: Ruhig mal schlafen. Es wird nicht besser.
Viele Studierende entwickeln im Laufe ihres Studiums eigene Ideen. Welchen Rat würdet ihr Studierenden geben, die ihre eigene Idee auch verwirklichen wollen?
Dirk Wiedenhaupt: Fangt klein an, aber fangt mit echten Kund:innen an. Kein Businessplan für die Schublade, keine Runde Feedback von Leuten, die euch mögen. Verkauft das Ding für echtes Geld an jemanden, der euch nicht kennt. Das ist die einzige Rückmeldung, die etwas wert ist. Und wartet nicht auf den perfekten Moment, den gibt es nicht. Gründet wegen der Idee und nicht wegen eines EXIST-Stipendiums.
Sucht euch außerdem Mitgründende, die widersprechen. Wir sind zu dritt, und wir sind uns oft nicht einig gewesen und genau das hat uns vor Fehlern bewahrt. Ein Team, in dem alle dasselbe denken, ist kein Team, sondern ein Echo.
Und ehrlich gesagt: Überlegt gut, wann ihr fremdes Geld reinlasst. Ohne Investoren wächst man langsamer und trägt das Risiko selbst. Dafür entscheidet man, was man für richtig hält und nicht, was in vier Jahren gut in einer Präsentation aussieht. Für uns war das der entscheidende Unterschied.





