Wenn der Rucksack zu schwer wird: BTU-Fachtag widmet sich Übergängen in der frühen Kindheit
Für Kinder sind solche Übergänge oft weit mehr als organisatorische Formsachen. Sie können über Zugehörigkeit, Beteiligung und Bildungserfolg mitentscheiden. Wie sich diese Übergänge diversitätssensibel begleiten lassen, steht im Mittelpunkt des Fachtags unter der Federführung von Prof. Dr. Juliane Noack Napoles im Fachgebiet Erziehungswissenschaften für die Soziale Arbeit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU).
Im Zentrum steht die Frage, wie Übergänge für Kinder und Familien so begleitet werden können, dass Mehrsprachigkeit, Migrations- und Fluchtgeschichte, Behinderung und neurodiverse Entwicklung, Armutserfahrungen sowie geringe Literalität im Elternhaus nicht zu Bildungshindernissen werden. Ziel ist es, sie als Vielfalt anzuerkennen und damit die Übergänge zu erleichtern.
Übergänge sind Schlüsselmomente, keine Formalie
„Übergänge sind immer individuell. Jedes Kind ist einzigartig und ver- und bearbeitet Herausforderungen, die mit Übergängen verbunden sind, anders. Sie entscheiden mit darüber, ob sich ein Kind willkommen fühlt oder ausgeschlossen“, so Julia Meißner, Fachgebiet Erziehungswissenschaften für die Soziale Arbeit. „Wer den Wechsel von der Kita in die Schule nur organisatorisch denkt, übersieht, dass hier Zugehörigkeit, Beteiligung und Bildungschancen verhandelt werden – gerade für Kinder mit Fluchterfahrung, Mehrsprachigkeit, Behinderung oder aus einkommensschwachen Familien. Mit dem Fachtag wollen wir dieses Wissen aus der Forschung direkt in die Praxis von Kitas und Grundschulen tragen."
Das Forschungsthema: Übergänge diversitätssensibel gestalten
Der Fokus richtet sich auf ein Forschungsfeld, das an der BTU derzeit intensiv bearbeitet wird: die diversitätssensible Gestaltung von Übergängen in der frühen Kindheit. Gemeint sind sowohl alltägliche Mikrotransitionen – etwa das Bringen und Abholen, Raumwechsel oder das An- und Ausziehen – als auch die großen Makrotransitionen wie der Eintritt in die Kita oder der Wechsel in die Grundschule.
Die wissenschaftlichen Untersuchungen nehmen dabei gezielt Kinder und Familien in den Blick, die von strukturellen Benachteiligungen betroffen sein können. Dazu zählen verschiedene Aspekte, die auch im Programm des Fachtags eigene Werkstattgespräche erhalten:
- Mehrsprachigkeit und Migrations- bzw. Fluchtgeschichte – etwa die Frage, wie sozial-emotionales Lernen Kinder mit Fluchterfahrung beim Übergang von der Kita in die Grundschule stärken kann.
- Behinderung und neurodiverse Entwicklung – mit Blick auf inklusives Übergangsmanagement zwischen Kita, Schule, Jugendhilfe und Eltern.
- Armutserfahrungen – aus der Perspektive des Lebenslagenansatzes und mit Fokus auf Teilhabe und Selbstwirksamkeit.
- Geringe Literalität im Elternhaus – ein Schwerpunkt, den die BTU über das Graduiertenkolleg „Gelingendes Leben durch Grundbildung und Alphabetisierung ermöglichen (GrAl)" erforscht. Die BTU-Wissenschaftlerinnen Annegret Martin und Iris Pamp zeigen anhand von Interviews vor, wie gering literalisierte Eltern die Anforderungen der Schulzeit ihrer Kinder bewältigen und wie ein schamsensibler Umgang in der Elternarbeit gelingen kann.
- Abschied, Trauer und Verlust als eigene, oft übersehene Übergangsform im Leben von Kindern und Jugendlichen – ein Thema, das Anja Herzog vom Institut für Soziale Arbeit der BTU gemeinsam mit dem Diplom-Psychologen Tino Winkelmann bearbeitet.
Insgesamt elf Werkstattgespräche mit Partnern wie dem Institut Kinderwelten, dem International Rescue Committee, dem Sorbischen Institut Bautzen, der Initiative Zukunftsbildung und der Fröbel Bildung und Erziehung gGmbH bündelt der Fachtag. Darüber hinaus findet eine juristische Sprechstunde für Kita-Leitungskräfte mit Prof. Dr. jur. Jens M. Schubert, Dekan der Fakultät für Humanwissenschaften an der der BTU Cottbus-Senftenberg statt.
Der Fachtag Übergänge in der Frühen Kindheit – Vielfalt sehen und begleiten wird vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) des Landes Brandenburg und von der Stadt Senftenberg gefördert*
Eine Anmeldung ist bis zum 31. August 2026 möglich:https://eveeno.com/210933700
Termin: 5. September 2026, ab 9 Uhr
Ort: Campus Senftenberg der BTU Cottbus–Senftenberg
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Erziehungswissenschaften für die Soziale Arbeit
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