Wenn Ausgrenzung Geschichte hat – und bis heute wirkt

Am Mittwoch, 7. Oktober 2026, 17 Uhr findet die Vernissage zur Ausstellung „Die Verleugneten“ im Stadtmuseum Cottbus statt. Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) begleitet die Ausstellung, die vom 8. Oktober 2026 bis 3. Januar 2027 zu sehen ist, mit drei öffentlichen Veranstaltungen. Interessierte sind herzlich eingeladen!

Wer entscheidet, wer zur Gesellschaft dazugehört? Wer wird ausgegrenzt, stigmatisiert oder als „anders“ markiert – und was geschieht, wenn solche Zuschreibungen zu staatlichem Handeln werden? - Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Ausstellung „Die Verleugneten. Opfer des Nationalsozialismus 1933–1945–heute“. Die BTU Cottbus-Senftenberg ist institutionelle Partnerin der Ausstellung und trägt das Thema gemeinsam mit weiteren Partner*innen in die Stadt und in die Gegenwart. 

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung wird BTU-Präsidentin Prof. Dr. Gesine Grande ein Grußwort sprechen.

Aus der Kooperation mit dem Stadtmuseum Cottbus, dem Justus Delbrück Haus | Akademie für Mitbestimmung Jamlitz und KARUNA e.V. heraus gestaltet die BTU ein eigenes öffentliches Begleitprogramm: Der BTU Open Campus lädt im November und Dezember zu drei Veranstaltungen ein, die historische Erinnerung mit gegenwärtigen Erfahrungen von Ausgrenzung verbinden. Vorträge, ein Public Listening mit Podiumsdiskussion und ein Wandelkonzert eröffnen unterschiedliche Zugänge zu einem Thema, das weit über die historische Aufarbeitung des Nationalsozialismus hinausweist. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage: Was können wir aus der Geschichte lernen, wenn Menschen auch heute aufgrund von Armut, Obdachlosigkeit oder Arbeitslosigkeit ausgegrenzt werden?

„Stigmatisierung und Gewalt gegenüber Menschen mit Armutserfahrung, in Obdachlosigkeit und Arbeitslosigkeit haben bis heute eine traurige Kontinuität. Wie und wo zeigt sich diese Gewalt? Welche Perspektiven haben Menschen, die Ausgrenzung selbst erfahren?“, fragt Mitorganisatorin und BTU-Professorin Stefanie Kiwi Menrath, Fachgebiet Medienpädagogik: Ästhetische Praxis in der Sozialen Arbeit.

Vom historischen Rückblick zur Gegenwart: Drei Veranstaltungen im Rahmen des BTU Open Campus

Den Auftakt des BTU Open Campus bildet am 4. November der Vortrag „Hundert Jahre Sanktionsrecht gegen ‚Arbeitsscheue‘. Geschichte einer Radikalisierung“ von Prof. Dr. Rosenow (Universität Freiburg). Im anschließenden Podium werden historische Entwicklungslinien mit Fragen der Sozialen Arbeit und der Gegenwart verbunden. Die Moderation übernimmt Martin Bock vom Jugendamt Cottbus, ein Grußwort spricht Prof. Dr. Jens M. Schubert, Dekan der Fakultät für Humanwissenschaften der BTU Cottbus-Senftenberg.

Am 24. November richtet sich der Blick auf gegenwärtige Erfahrungen: Beim Public Listening & Podiumsgespräch „Gewalt im Leben von Obdachlosen“ kommen Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung selbst zu Wort. Gemeinsam mit Stefan Schneider (Wohnungslosen_Stiftung), den Expert*innen Janina Berthold und Piet Paco sowie der Radioautorin Johanna Tirnthal wird über Gewalt, Stigmatisierung und gesellschaftliche Ausgrenzung gesprochen. Moderation: Anett Quint.
„Der stigmatisierende Gebrauch von Asozialität war nie weg“, sagt Anett Quint. „Wir sollten aufklären, mit der Ausstellung und in Gesprächen, und klarmachen, wohin dieses Denken führt.“

Zum Abschluss wird Erinnerung am 12. Dezember musikalisch erfahrbar. Beim Wandelkonzert „Verurteilte Klänge – ein Konzert zur Erinnerung“ gestalten Studierende der Instrumental- und Gesangspädagogik der BTU gemeinsam mit Immanuel de Gilde ein Konzert in den Ausstellungsräumen des Stadtmuseums.
„Wir erleben aktuell eine Zunahme sozialer Gegensätze in Deutschland“, sagt Dr. Kevin Stützel, Professorenstellvertreter am BTU-Fachgebiet Methoden der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Gemeinwesenarbeit. „Wir müssen an Universitäten über die Ursachen und Folgen sozialer Spaltung und Wege zu einer sozial gerechteren Gesellschaft sprechen.“

Erinnerung als Ausgangspunkt für Gegenwart und Zukunft

Die Ausstellung „Die Verleugneten“ erinnert an Menschen, die im Nationalsozialismus als sogenannte „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ verfolgt wurden. Zehntausende wurden ihrer Freiheit beraubt, viele ermordet. Erst 2020 erkannte der Deutsche Bundestag diese Menschen als Opfer des Nationalsozialismus an. Im Zuge dieses Beschlusses beauftragte das Parlament die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg mit der Erstellung einer Ausstellung, die nun nach Stationen in u.a. Berlin, Leipzig, Köln und verschiedenen Gedenkstätten auch in Cottbus gezeigt wird. 

Der BTU Open Campus nimmt die Ausstellung zum Anlass, nach den Kontinuitäten von Ausgrenzung bis in die Gegenwart zu fragen. Dabei wird Geschichte untersucht, Erfahrungen von Gewalt in der Gegenwart gehört, und Erinnerung musikalisch erfahrbar gemacht.

 

BTU Open Campus: Das Programm im Überblick

Mittwoch, 4. November 2026, 18–20 Uhr
„Hundert Jahre Sanktionsrecht gegen ‚Arbeitsscheue‘. Geschichte einer Radikalisierung“
Vortrag und Podium mit Prof. Dr. Rosenow
Ort: Stadtmuseum Cottbus, Großer Seminarsaal, 3. OG

Dienstag, 24. November 2026, 17–20 Uhr
Public Listening & Podiumsdiskussion „Gewalt im Leben von Obdachlosen“
Ort: Studio Freies Radio sternchen.fm, Burgstraße 22

Samstag, 12. Dezember 2026, 18 Uhr
Wandelkonzert „Verurteilte Klänge – ein Konzert zur Erinnerung“
Mit Studierenden der Instrumental- und Gesangspädagogik der BTU und Immanuel de Gilde
Ort: Ausstellungsräume „Die Verleugneten“, Stadtmuseum Cottbus

Kontakt:
Anett Quint, 
Justus Delbrück Haus, 
jamlitz(at)karuna-ev.de, 
Tel. 0176 10612789

 

Kontakt

Prof. Dr. phil. Stefanie Kiwi Menrath
Medienpädagogik: Ästhetische Praxis in der Sozialen Arbeit
T +49 (0) 355 5818 410
menrath(at)b-tu.de

Pressekontakt

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Das Schicksal von Liddy Bacroff ist Teil der Ausstellung "Die Verleugneten" (Bild: Stadtmuseum Cottbus)