Fünf neue Professor*innen: BTU gewinnt international ausgezeichnete Köpfe

Zum Wintersemester 2026/27 verstärken fünf neue Professorinnen und Professoren die BTU Cottbus-Senftenberg, darunter ein Träger eines ERC Starting Grants und eine preisgekrönte Altersforscherin. Sie forschen an 2D-Materialien für KI-Hardware, an klimafreundlichem Beton, an guter Pflege, an psychosozialer Gesundheit im Alter und an der Neugier von Grundschulkindern.

Gemeinsam machen sie die BTU in Zukunftsfeldern der Lausitz noch stärker.

Fünf Köpfe, ein Profil

Die Berufungen folgen einer gemeinsamen Linie: Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) baut gezielt die Felder aus, in denen sich die Lausitz zu einer Region der Zukunftstechnologien und der Zukunftsfragen entwickelt. In der Materialforschung stärkt sie ihre Spitzenforschung für Elektronik, KI-Hardware und klimafreundliches Bauen. In Pflege und Sozialer Arbeit rückt sie die Gesundheit einer älter werdenden Gesellschaft in den Mittelpunkt, in der Lehrkräftebildung die Zukunft der Schulen vor Ort.

Die neuen Professuren im Überblick

  • Prof. Dr. Aleksandar Matkovic: Fachgebiet Nanostrukturen, 2D-Systeme und Schichten (gemeinsame Berufung mit dem Leibniz-Institut für Kristallzüchtung, IKZ), zuvor Montanuniversität Leoben, ERC-Starting-Grant-Inhaber
  • Prof. Dr.-Ing. Gregor Gluth: Fachgebiet Baustoffe und Bauchemie, zuvor Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), Berlin
  • Prof. Dr. rer. medic. Ralph Möhler: Fachgebiet Pflegewissenschaft, zuvor Universität Düsseldorf
  • Prof.in Dr. Cordula Endter: Fachgebiet Beratung, Kommunikation und Intervention in der Sozialen Arbeit, zuvor Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
  • Prof.in Dr. Nadine Tramowsky: Fachgebiet Sachunterricht mit naturwissenschaftlichem und technischem Schwerpunkt, zuvor Pädagogische Hochschule Freiburg

Aleksandar Matkovic: Hauchdünne Materialien für die Elektronik von morgen

Prof. Dr. Aleksandar Matkovic ist seit dem 1. Oktober 2026 Professor im Fachgebiet Nanostrukturen, 2D-Systeme und Schichten. Die Professur ist eine gemeinsame Berufung mit dem Leibniz-Institut für Kristallzüchtung (IKZ) in Berlin-Adlershof, wo er zugleich die Abteilung Nanostrukturen & Dünne Schichten leitet. Matkovic bringt seinen ERC Starting Grant und Teile seines Teams mit.

Forschung: Der Physiker erforscht zweidimensionale (2D-)Materialien, Dünnschichten und hybride van-der-Waals-Heterostrukturen. Das sind Kristalle, die auch als einzelne Atomlage stabil bleiben. Mit seinem ERC Starting Grant entwickelt er eine neue Klasse zweidimensionaler Tonminerale als ultradünne, speicherfähige Isolatoren für die neuromorphe Elektronik. Auf dieser Grundlage sollen Speichertransistoren entstehen, die bestimmte Funktionen des menschlichen Gehirns nachahmen und KI-Hardware leistungsfähiger und energieeffizienter machen können. Am IKZ stehen künstlich erzeugte Heterostrukturen im Fokus, etwa durch Schichttransfer oder verdrehte Epitaxie, mit Anwendungen in Nanoelektronik, Plasmonik sowie neuromorpher und synaptischer Elektronik. Matkovic will an der BTU sein Team schrittweise ausbauen und die Zusammenarbeit mit dem IKZ stärken. Die Berufung ist Teil der Strukturwandelstrategie in der Lausitz und eingebettet in die geplante Kooperation im Gebäude „Leibniz@Lausitz“.

Bisherige Laufbahn: Matkovic wurde 2015 an der Universität Belgrad mit einer Arbeit zu den optischen Eigenschaften von Graphen promoviert. Zuletzt leitete er an der Montanuniversität Leoben (Österreich) eine eigene Forschungsgruppe. Seine Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet: mit einem Lise-Meitner-Stipendium, dem START-Preis des österreichischen Wissenschaftsfonds FWF und dem Fritz-Kohlrausch-Preis (beide 2020) sowie 2022 mit dem ERC Starting Grant. Seit 2023 ist er Mitglied der Jungen Akademie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 

Gregor Gluth: Beton, der das Klima schont

Prof. Dr.-Ing. Gregor Gluth leitet seit dem 1. Oktober 2026 das Fachgebiet Baustoffe und Bauchemie an der BTU.

Forschung: Wichtige Schwerpunkte seines Fachgebiets werden klimafreundliche Bindemittel, die Dauerhaftigkeit von Beton und die CO₂-Speicherung in Baustoffen sein. Gluth erforscht, welche chemischen Vorgänge bei der Herstellung und Verarbeitung ablaufen und wie Materialien geschädigt werden. Dafür baut die BTU an der Forschungs- und Materialprüfanstalt (FMPA) ihre Kapazitäten und Expertise in der instrumentellen Analytik aus, vor allem in den Fachgruppen „Chemisch-physikalische Analytik“ und „Betontechnologie“. So soll experimentelle Forschung auf internationalem Spitzenniveau möglich werden.

Bisherige Laufbahn: Prof.Gluth forschte an der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin zu zementgebundenen und keramischen Werkstoffen. Dort baute er eine Arbeitsgruppe zu klimafreundlichen Zementen auf und machte sie international bekannt. Er arbeitete mit zahlreichen Forschungspartnern weltweit und mit Rohstoffunternehmen aus Südbrandenburg zusammen. Gluth wirkte in Gremien der International Union of Laboratories and Experts in Construction Materials, Systems and Structures (RILEM) und der European Federation of Corrosion (EFC) mit und ist Mitglied in Beiräten internationaler Fachzeitschriften der Materialwissenschaften. Derzeit leitet er ein Technisches Komitee der RILEM zur CO₂-Speicherung in Beton. Zudem gehörte er drei weiteren RILEM-Komitees an, die sich mit der Dauerhaftigkeit alkalisch aktivierter Materialien, der Carbonatisierung von Beton mit Zusatzstoffen und dem Chloridtransport befassen.

Ralph Möhler: Pflege mit Blick auf die Region

Zum 1. Oktober hat Prof. Dr. rer. medic. Ralph Möhler die Professur für Pflegewissenschaft an der BTU übernommen.

Forschung: Möhler entwickelt und prüft komplexe Interventionen in der Pflege. Sein Schwerpunkt ist die Vermeidung freiheitsentziehender Maßnahmen wie Bettgitter oder Gurte in Pflegeheimen und Krankenhäusern. „Solche Maßnahmen werden häufig eingesetzt, obwohl sie oft mehr Risiken bergen als Nutzen bringen“, sagt Möhler. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen erarbeitet er eine Leitlinie mit Empfehlungen für Pflegende. „Der Standort Senftenberg bietet dafür sehr gute Voraussetzungen. Gemeinsam mit regionalen Akteuren können wir relevante Themen identifizieren und bearbeiten, um die Pflege- und Versorgungsqualität vor Ort zu verbessern.“ Auch die Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem soll wachsen, in gemeinsamen Projekten zur Pflegequalität und in interdisziplinärer Lehre. Im Bachelorstudiengang Pflegewissenschaft erwerben die Studierenden seit diesem Jahr zudem die gesetzlich neu geregelten erweiterten heilkundlichen Kompetenzen.

Bisherige Laufbahn: Möhler war seit 2020 Professor für Versorgungsforschung mit Schwerpunkt komplexe Interventionen am Institut für Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie der Universität Düsseldorf. Weitere Stationen waren das Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und von 2018 bis 2020 die Universität Bielefeld. Er war maßgeblich an der IMPRINT-Studie zur Vermeidung von Fixierungen in Pflegeheimen beteiligt, einer pragmatischen, randomisierten Studie in Pflegeheimen. Ihre Ergebnisse erschienen 2019 im International Journal of Nursing Studies, die begleitende Prozessevaluation 2021 im Journal of Advanced Nursing. Möhler ist Vorsitzender der Leitlinienkommission der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V. und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Außerdem ist er Fellow der European Academy of Nursing Science, einem Netzwerk mit Pflegewissenschaftler*innen aus über 20 europäischen Ländern.

Cordula Endter: Gut miteinander leben im Alter

Prof. Dr. Cordula Endter ist zum 1. Oktober 2026 für das Fachgebiet Beratung, Kommunikation und Intervention in der Sozialen Arbeit berufen worden.

Forschung: Endter befasst sich mit der Lebenswelt von Menschen in der zweiten Lebenshälfte: mit Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Bildung sowie ethischen Fragen eines würdevollen Lebens im Alter, auch unter den Bedingungen von Verletzlichkeit. Ziel ist es, die psychosoziale Gesundheit älterer Erwachsener in Cottbus und der Region durch neue Ansätze und Kooperationen zu stärken. Digitalisierung kann dabei helfen, reicht aber nicht aus. Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels gehe es um die gemeinwohlorientierte Frage, wie wir in Zukunft gut miteinander leben können. Beratung und Kommunikation spielen dafür eine zentrale Rolle. Deshalb plant Endter ein Beratungslabor am Campus Sachsendorf der BTU. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen außerdem die Teilhabe verletzlicher Gruppen an der digitalen Transformation, die Digitalisierung in der Pflege und die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum.

Bisherige Laufbahn: Zuletzt war Endter Professorin für Soziale Arbeit in der digitalisierten Gesellschaft an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin. Zuvor arbeitete sie unter anderem in der Gerontopsychiatrie eines Krankenhauses, als Psychologin und Psychotherapeutin in Ausbildung, und als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Zentrum für Altersfragen. An der Hochschule Zittau/Görlitz war sie Vertretungsprofessorin für Soziale Gerontologie und baute Kontakte in Gesundheit, Pflege und Sozialwirtschaft der Region auf. Für ihre Dissertation „Assistiert Altern“ zur Entwicklung digitaler Technologien für und mit älteren Menschen erhielt sie 2021 den Cäcilia-Schwarz-Förderpreis für Innovationen in der Altenhilfe des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge. Als Mitglied der vom Bund geförderten Transferinitiative Alterperimentale ist sie bereits in der Region aktiv, etwa in Guben, Schenkendöbern, Spremberg und Cottbus.

Nadine Tramowsky: Von Kinderfragen zum guten Unterricht

Seit dem 1. Oktober 2026 ist Prof.in Dr. Nadine Tramowsky Professorin für Sachunterricht mit naturwissenschaftlichem und technischem Schwerpunkt am Campus Senftenberg. Sie bildet künftige Grundschullehrkräfte aus. Im Wintersemester sind dort 398 angehende Grundschullehrkräfte eingeschrieben, 359 im Bachelor und 39 im neu gestarteten dualen Masterstudiengang.

Forschung: Tramowsky erforscht, welche Vorstellungen Kinder und Jugendliche von Natur, Tieren und Umwelt entwickeln und wie sich im Unterricht daran anknüpfen lässt. Ein Beispiel ist der unterschiedliche Umgang mit Heim- und Nutztieren: Warum streicheln wir den Hund, essen aber das Schwein? Die Vorstellungen von Kindern seien nicht einfach richtig oder falsch. „Sie zeigen uns, wie Kinder die Welt verstehen, und bieten wertvolle Anknüpfungspunkte für das Lernen.“ Dieser Ansatz heißt Didaktische Rekonstruktion. Ihre Studierenden sollen vor allem lernen, Kindern zuzuhören und aus deren Fragen Lernangebote zu entwickeln. Mit ihrem Team hat sie die MuxBooks entwickelt, multimediale Forschungshefte etwa zu Luft, Wasserkreislauf oder Tieren im Winter. Außerdem untersuchte sie, wie schon Grundschulkinder Zusammenhänge des Klimawandels verstehen, und publizierte unter anderem zur Tierethik im Biologie- und Religionsunterricht. In der Lausitz plant sie enge Kooperationen mit Schulen und Lehrkräften, um Unterrichtsideen gemeinsam zu entwickeln und mit Kindern zu erproben. Dabei spielt der neue duale Master eine wichtige Rolle, der Studium und praktische Ausbildung an Schulen eng verbindet.

Bisherige Laufbahn: Tramowsky absolvierte zunächst eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin und studierte dann Lehramt an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, wo sie 2019 promoviert wurde. Nach Stationen als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Bamberg war sie von 2020 bis 2026 Juniorprofessorin für Biologie und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Die Juniorprofessur wurde in der Zwischenevaluation 2023 und in der Endevaluation 2025 jeweils positiv bewertet. Sie hat auch selbst an Schulen unterrichtet, unter anderem als Fachlehrerin für Sachunterricht an einer Freiburger Grundschule. Inzwischen lebt sie mit ihrer Familie in Senftenberg.

Neue Impulse für die Region

Mit den fünf Berufungen gewinnt die BTU Köpfe, die ihre wissenschaftliche Exzellenz direkt in der Lausitz wirksam machen: Forschung für die Elektronik und das Bauen der Zukunft, für gute Pflege und gutes Altern sowie für die Ausbildung der nächsten Lehrkräftegeneration. Zusammen mit ihren Partnern in Wissenschaft, Wirtschaft, Gesundheitswesen und Schulen baut die BTU so ihre Rolle als Motor für Wissenschaft und Innovation in der Lausitz weiter aus.

Kontakt

Kristin Ebert
Kommunikation und Marketing
T +49 (0) 355 69-2115
kristin.ebert(at)b-tu.de
Prof. Dr. Aleksandar Matkovic ist seit 1. Oktober 2026 Professor für Nanostrukturen, 2D-Systeme und Schichten. In gemeinsamer Berufung mit dem IKZ Berlin leitet er dort die Abteilung Nanostrukturen & Dünne Schichten. Er bringt seinen ERC Starting Grant mit. (Foto: FWF-Sabine Hoffmann)
Prof. Dr.-Ing. Gregor Gluth leitet seit 1. Oktober 2026 das Fachgebiet Baustoffe und Bauchemie an der BTU. Schwerpunkte sind klimafreundliche Bindemittel, die Dauerhaftigkeit von Beton und CO₂-Speicherung in Baustoffen. (Foto: BTU / Sascha Thor)
Prof. Dr. rer. medic. Ralph Möhler hat zum 1. Oktober die Professur für Pflegewissenschaft an der BTU übernommen. Er erforscht, wie sich freiheitsentziehende Maßnahmen in der Pflege vermeiden lassen. (Foto: BTU / Sascha Thor)
Prof. Dr. Cordula Endter wurde zum 1. Oktober 2026 für das Fachgebiet Beratung, Kommunikation und Intervention in der Sozialen Arbeit berufen. Sie erforscht die Lebenswelt von Menschen in der zweiten Lebenshälfte. (Foto: BTU / Sascha Thor)
Prof.in Dr. Nadine Tramowsky ist seit 1. Oktober 2026 Professorin für Sachunterricht mit naturwissenschaftlichem und technischem Schwerpunkt am Campus Senftenberg. Sie bildet künftige Grundschullehrkräfte aus. (Foto: BTU / Sascha Thor)