Köpfe aus Forschung und Transfer
Herr Berger, schön, dass Sie bei uns sind. Starten wir mit Ihrer Vita: Wie sind Sie eigentlich zum Thema geistiges Eigentum gekommen?
Herr Berger: Mein Weg begann mit einem Diplomabschluss als Wirtschaftsinformatiker. Aufgrund meiner Begeisterung für technisch-rechtliche Fragestellungen habe ich mich früh spezialisiert und verfüge heute über zwei Jahrzehnte einschlägige Erfahrung. In dieser Zeit war ich für zwei Unternehmen aus dem Mittelstand tätig, bei denen ich die Patentabteilungen geleitet habe. Diese Positionen ermöglichten mir tiefe Einblicke in alle operativen und strategischen Aspekte des Patentschutzes.
Bleiben wir direkt beim Thema Berufserfahrung. Welche Erfahrungen haben Sie speziell im Umgang mit Erfindungsmeldungen gesammelt?
Herr Berger: In der Industrie war ich die zentrale Schnittstelle zwischen Entwicklung und Patentanwalt. Ich habe jährlich etwa 8 bis 10 Erfindungsmeldungen gesichtet und bearbeitet. Meine Aufgabe war es, die Meldungen auf Vollständigkeit zu prüfen, die Neuheit vorzurecherchieren und die Erfinder dabei zu unterstützen, den Kern der Erfindung präzise herauszuarbeiten – weg von der rein wissenschaftlichen Beschreibung hin zum schutzfähigen Merkmal in eine Patentanmeldung, weiterhin habe ich den gesamten Ablauf von Einreichung der entstandenen Patentanmeldungen bis zur möglichen Patentierung bei den jeweiligen Patentämtern bearbeitet.
Die akademische Welt tickt anders als die Industrie. Wo sehen Sie Ihre Befähigung für diese Anstellung an unserer Universität?
Herr Berger: Meine Stärke liegt in der Kommunikation. Forscher an Universitäten wollen primär publizieren. Meine Befähigung sehe ich darin, das „Patent-Vokabular“ so zu übersetzen, dass die Wissenschaftler den Mehrwert einer Erfindungsmeldung erkennen, ohne sich von den potentiellen Hürden der Bürokratie abgeschreckt zu fühlen.
Was ist Ihr persönlicher Antrieb für diese Anstellung? Warum ausgerechnet eine Universität und kein Unternehmen?
Herr Berger: Mich reizt die enorme Themenvielfalt. Während man im Unternehmen oft tief in einer Nische steckt, bietet die Universität das gesamte Spektrum von der Biotechnologie bis zur Quantenphysik. Mein Antrieb ist es, dafür zu sorgen, dass bahnbrechende Grundlagenforschung nicht „nur“ in einem Journal landet, sondern durch eine saubere Erfindungsmeldung die Basis für eine spätere Verwertung als Start-up oder in einer Lizenzierung bilden kann.
Herr Berger, warum ist ein geschärfter Fokus der Hochschule auf die erfolgreiche Verwertung der Schutzrechte gerade für die regionale Wirtschaft so entscheidend?
Herr Berger: Ich sehe Hochschulen primär als Ideenfabriken. Doch Wissen entfaltet seine volle Kraft erst, wenn es die Labore verlässt. Indem wir Schutzrechte nicht nur sichern, sondern gezielt in die wirtschaftliche Anwendung bringen, schaffen wir einen direkten Standortvorteil, gerade im Hinblick auf den Strukturwandel. Wir bieten den Unternehmen der Region exklusiven Zugang zu Spitzentechnologien, die sie als Innovationsmotor für ihre eigenen Produkte nutzen können. Mein Ziel ist es, die Hürden zwischen Forschung und Marktreife so niedrig wie möglich zu halten, damit aus exzellenter Wissenschaft greifbare wirtschaftliche Impulse und sichere Arbeitsplätze vor Ort werden.
Wo ordnen Sie die Rolle des Patentmanagers innerhalb unserer Struktur ein, besonders wenn es um den Fluss der Erfindungsmeldungen geht?
Herr Berger: Ich sehe mich als Brückenkopf zwischen den Fachgebieten und der Hochschulleitung. Im Organisationsaufbau ist der Patentmanager eng mit dem Technologietransfer verknüpft. Sobald eine Erfindungsmeldung eingeht, möchte ich als Weichensteller fungieren: Ich koordiniere die rechtliche Bewertung, die kommerzielle Prüfung und die Freigabe, ebenso natürlich alle weiteren verknüpften Vorgänge. Ich sehe mich nicht als reiner Verwalter, sondern als ein aktiver Berater der Hochschulangehörigen.
Zum Abschluss: Wenn ein Professor die Frist zur Erfindungsmeldung versäumt, aber morgen publizieren will – wie reagieren Sie?
Herr Berger: Ruhe bewahren und schnell handeln. Ich würde sofort prüfen, ob wir noch am selben Tag eine Prioritätsanmeldung einreichen können, um die Neuheit zu retten. Ziel ist es allerdings, solche „Feuerwehreinsätze“ durch Informationsveranstaltungen zu verhindern und so in den Fachgebieten proaktiv zu sensibilisieren.
Vielen Dank, Herr Berger und nochmal herzlich willkommen an der BTU.

