Chemische Reaktivität von gespanntem Silicium
Als gespanntes Silicium bezeichnet man eine durch Stress erzeugte verbleibende plastische Deformation des Kristallgitters von Silicium. [1] Je nachdem, ob das Kristallgitter gedehnt oder gestaucht vorliegt, spricht man dabei von Zug- bzw. Druckspannung (Abb. 1). Spanungszustände entstehen bevorzugt bei der mechanischen und thermischen Behandlung von Silicium, wie z.B. beim Kratzen, Sägen, Eindrücken, Polieren, Biegen oder der thermischen Ausdehnung. [2,3] Viele dieser Behandlungen treten in Kombination mit chemischen Verfahren bei der Herstellung von Wafern und Solarwafern oder in der Herstellung von mikroelektronischen Bauteilen auf.

Übersteigt der mechanische Stress ein gewisses Maß, treten Phasenumwandlungen ein, die zu Modifikationen mit neuen kristallographischen, aber auch chemischen Eigenschaften führen. Bekannt sind u.a. die Modifikationen Si-II (beta-Zinn-Typ, Raumgruppe I411amd), Si-III (kubisch-raumzentriert, Raumgruppe Ia3), Si-IV (hexagonale Diamantstruktur, Raumgruppe P63/mmc), Si-IX (tetragonal, Raumgruppe P4222), Si-XII (rhomboedrisch, Raumgruppe R3) oder auch amorphes Silizium. [5] (Abb.2) Unser Ziel ist es, das gespannte Silicium zu charakterisieren und auf seine chemischen Eigenschaften zu überprüfen.

