
TRANSFORMING TYP LEIPZIG kreislaufgerechte Transformation von Gewerbe zu Wohnen
Masterentwurf 1-3
Getrieben durch Homeoffice, den Wegfall industrieller, innerstädtischer Fertigung und eine gesamtgesellschaftliche Transformation der Arbeitswelt stehen ehemalige Orte der beruflichen Beschäftigung an einem historischen Wendepunkt. Die Büroleerstandsquote in den großen deutschen Märkten hat sich seit 2019 nahezu verdreifacht – von rund zwei auf über fünf Prozent, in manchen Städten wie Berlin erreichte die Leerstandsquote sogar knapp zehn Prozent. Gleichzeitig fehlen in den Städten hunderttausende Wohnungen. Der Bund reagiert seit 2026 mit einem eigenen Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen", das drei Ziele verfolgt: Wohnraum in zentralen Lagen schaffen, Innenstädte beleben und CO₂ einsparen – denn Umbau spart gegenüber Neubau bis zu zwei Drittel der Emissionen, da die im Bestand gespeicherte graue Energie weitergenutzt wird.
Als Fallbeispiel untersuchen wir den Büro- und Verwaltungstypenbau „Typ Leipzig" der DDR. Das 1968/69 vom VEB Metalleichtbaukombinat entwickelte, meist fünf- bis sechsgeschossige Gebäude wurde als Skelettbau mit Rahmentragwerk errichtet und mit einer Glas-Aluminium-Vorhangfassade verkleidet. Die Fassade wurde als Baukastensystem entwickelt, so dass verschiedene Fassadengestaltungen möglich waren. Bemerkenswert ist die inhärente Flexibilität des Typs: seine variantenreiche Grundrissgestaltung erlaubte von Beginn an unterschiedliche Nutzungen – als Verwaltungsbau, Produktionsgebäude oder Wohnheim. Mit rund 150 bis über 200 errichteten Exemplaren in der DDR und in Polen war der Typ Leipzig einer der verbreitetsten Mehrzweckbauten seiner Zeit – ein Gebäude, das Umnutzung gewissermaßen in seinem Konstruktionsprinzip trägt.
OPERATION BESTAND strukturelle Transformation von Gewerbe zu Wohnen
Bachelorentwurf 3
„Architektur ist kein Akt intuitiver ästhetischer Vorlieben; sie ist ein logisches System von Form und Volumen. (...) Form kann sich nur durch eine strukturelle Syntax und die Reibung mit ihren eigenen formalen Beschränkungen herausbilden.“ Peter Eisenman, 1963, Dissertation „The Formal Basis of Modern Architecture“ Cambridge Massesushets
Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum betrifft insbesondere Studierende, Auszubildende und Rentner*innen. Gerade in zentralen Lagen, mit Nähe zu Bildungs-, Arbeits- und Versorgungsangeboten, ist Wohnraum knapp.
Dem gegenüber steht ein großer Bestand an innerstädtischen Bürogebäuden, die durch Standortverlagerungen, Homeoffice und den Wandel des Einzelhandels obsolet geworden sind. In Ostdeutschland handelt es sich hierbei oft um Bauten der DDR, die in Stahlbetonskelettbau-Montagebauweise errichtet wurden. Viele dieser Gebäude stehen heute leer, werden nur teilweise genutzt oder verfallen zunehmend.
Die Entwurfsaufgabe befasst sich mit einem solchen Bürogebäude in Halle (Saale), das nicht als Problem, sondern als Ressource verstanden wird: als Raumdepot voller grauer Energie. Statt Abriss und Neubau steht die vorhandene Struktur am Anfang des Entwurfs. Die architektonische Aufgabe der Gegenwart besteht immer seltener darin, komplett neu zu planen. Stattdessen rücken das Umnutzen, Anpassen, Umbauen und Weiterdenken des Bestehenden in den Vordergrund. Gerade in der Auseinandersetzung mit dem vorhandenen Gebäude - seinen Qualitäten, Einschränkungen und Widersprüchen - liegt das gestalterische Potenzial. Diese Reibung zwischen Bestand und neuer Nutzung bildet den Ausgangspunkt des Entwurfs.

TRANSFORMATIONSPOTENTIAL PLATTENBAUSIEDLUNG Von Feldforschung zum Raumbuch
Wahlpflicht Bachelor & Master
Die Großsiedlungen der WBS 70 in den neuen Bundesländern befinden sich an einem historischen Wendepunkt. Energetische Sanierung, demografischer Wandel und Ressourcenknappheit prägen die Debatte, während die „Platte“ oft als Erbe der Vergangenheit wahrgenommen wird. Im Fachgebiet kooperative Architektur betrachten wir Plattenbausiedlungen jedoch als wertvolle räumliche und materielle Ressourcen, als Labore für innovative Wohnformen und Quelle von Sekundärbaustoffen. Aufbauend auf diese Idee vertiefen wir uns in diesem Semester in Strategien für den Umgang mit dem industriellen Wohnungsbau in strukturschwachen Regionen. Dazu analysieren wir fünf Siedlungen in Görlitz, Spremberg, Hoyerswerda, Olbersdorf und Cottbus, um deren Potenziale und Herausforderungen vor Ort zu verstehen. Wir treten in Dialog mit Bestandshaltern, wie Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften, privaten Eigentümerinnen, aktuellen und potenziellen Bewohnerinnen, Kommunen und weiteren lokalen Akteurinnen. Gemeinsam untersuchen wir die Ursachen des Leerstands, die Potenziale der Siedlungen, Lifestyle-Präferenzen und Entwicklungshemmnisse.
COMMONING CAFÉBAR
Stegreif
Das Ateliergebäude funktioniert als Arbeitsort – aber kaum als Aufenthaltsort. Es fehlt ein niedrigschwelliger, informeller Treffpunkt, der nicht an Lehrveranstaltungen oder Öffnungszeiten der Mensa gebunden ist. Ein Ort für alle, der den Studierenden gehört.
Dieser Stegreif aktiviert das Ateliergebäude als dritten Ort: Das Ziel: eine studentisch selbstverwaltete Cafébar als soziale Infrastruktur für Austausch, Kollaboration und Campuskultur. Wir entwerfen und erproben einen dauerhaften Treffpunkt – stationär oder mobil – mit festen Öffnungszeiten und Sonderformaten: Wie muss ein dauerhafter Treffpunkt zum Verweilen und Austausch gestaltet sein? Welche Gestaltung ist im Rahmen des bestehenden Lehrgebäudes und im kleinen Budget möglich? Welche Strukturen braucht eine funktionierende, auf Dauer angelegte Initiative? Wir entwickeln einen schlanken Betrieb: Rollen, Schichtplan, Hygiene- und Brandschutz-Konzept, überlegen uns eine Finanzierung light und ein lebendiges Programm.


