Hirse, Thymian und Felsenbirnen Mit neuen alten Kulturen und einer agroforstlichen Kreislaufwirtschaft wird die Lausitzer Landwirtschaft fit für die Zukunft gemacht.

Werden Ackerkulturen oder Grünland gemeinsam mit Gehölzen auf einer Bewirtschaftungsfläche angebaut, können sie die Basis für eine produktive und klimaresiliente Landwirtschaft mit hohem Ertrag sein. Mit einem innovativen Pflanzenbaukasten machen Wissenschaftler*innen in einem neuen Projekt die Vorteile der agroforstlichen Kreislaufwirtschaft für Mensch und Umwelt nutzbar.

Das Wertschöpfungspotenzial des ländlichen Raums ist in der Lausitz eng an die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte gekoppelt. Ziel des Projekts AgroBaLa ist es, die regionale Landwirtschaft mittel- bis langfristig produktiver zu machen. Dazu untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Dr. Christian Böhm vom Fachgebiet Bodenschutz und Rekultivierung den agroforstlichen Anbau von nicht heimischen Kräutern, Feldfrüchten und Gehölzarten.

„Viele interessante Kulturpflanzen kommen mit den klimatischen Bedingungen in der Region sehr gut zurecht. So können beispielsweise Hirsearten, Buchweizen und Kräuter wie Thymian und Salbei, aber auch verschiedene Strauch- und Baumarten wie die Felsenbirne oder die Esskastanie auf den trockenen Böden der Region gut wachsen“, sagt Christian Böhm.

Agroforstsysteme zeichnen sich durch zahlreiche Vorteile aus. „Sie bewirken beispielsweise eine bedeutende Verringerung der Windgeschwindigkeit und tragen auf diese Weise zu einem effektiven Schutz vor einer Abtragung des Bodens durch Wind bei“, weiß Christian Böhm. „Dies ist insbesondere für die sandigen Böden der Lausitz von großer Relevanz.“

Weitere Vorteile liegen auf der Hand: So kann beispielsweise die starke Verdunstung des im Boden gespeicherten Wassers gemindert und dessen Humusgehalt erhöht werden, sodass künftig mehr Wasser gespeichert wird. Zudem fördern Agroforstsysteme die Lebensraum- und damit Artenvielfalt in Agrarräumen.

Der von den Forschern zu entwickelnde Pflanzenbaukasten wird es den Landwirtschaftsbetrieben ermöglichen, den agroforstlichen Systemansatz auf ihre Betriebsbedarfe individuell anzupassen. „Damit können sie für sich sinnvolle Module heraussuchen und erhalten umfangreiche Informationen zu pflanzenbaulichen Aspekten, Ökosystemleistungen, Verwertungsoptionen sowie betriebswirtschaftlichen, gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen“, so der Projektleiter Dr. Christian Böhm.

Auch die Perspektive der Produktabnehmer und -verwerter liegt im Fokus der Wissenschaftler. Beispielsweise soll in Zusammenarbeit mit einer Bäckerei untersucht werden, inwieweit trockenheitstolerante Getreidearten wie Teff das Potential für neue Wertschöpfungspfade in der Lausitz besitzen. „Für den wirtschaftlichen Erfolg ist die Vernetzung von sehr unterschiedlichen Akteuren potenzieller Wertschöpfungspfade unabdingbar“, sagt Christian Böhm.

Ziel der Wissenschaftler*innen ist es, zu einem Umdenken von einem stark sektoral orientierten Reinkulturanbau hin zu einem systemisch-integrativen Pflanzenbauansatz anzuregen.

Hintergrund Agroforstsysteme

Als Agroforstsysteme werden Landbauformen bezeichnet, bei denen Ackerkulturen oder Grünland zusammen mit Gehölzen auf einer Bewirtschaftungsfläche angebaut und genutzt werden. Alter, Verteilung und Anordnung der Gehölze können stark variieren.
In Ländern mit industrialisierter Landwirtschaft werden Agroforstsysteme zumeist in Form von Streifen angebaut. Dadurch können bewährte landwirtschaftliche Bewirtschaftungspraktiken beibehalten und landwirtschaftliche Großtechnik weiterhin für die Bewirtschaftung der zwischen den Gehölzstreifen befindlichen Ackerstreifen eingesetzt werden. Wesentliches Merkmal aller Agroforstsysteme sind existierende Wechselwirkungen zwischen Gehölz- und Ackerkulturen. Die hiermit verbundenen Synergieeffekte werden in der Agroforstwirtschaft gewinnbringend genutzt.

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