Vier Studierende, vier Länder, eine Idee und der Mut, sie Wirklichkeit werden zu lassen

Vier Studierende aus vier Ländern, eine gemeinsame Idee und der Wunsch, daraus ein Startup zu entwickeln: Der Innovators Club des Lausitz Science Park begleitet das Team von Aegis Kinetics auf seinem Weg. Im Interview berichten die Gründerinnen und Gründer über ihre Motivation, den Gewinn des Climathon und ihre nächsten Schritte.

Was braucht es eigentlich, um ein Startup zu gründen? Eine außergewöhnliche Idee? Technisches Know-how? Oder vielleicht vor allem den Mut, einfach anzufangen?

Im Innovators Club des Lausitz Science Park begegnen wir immer wieder jungen Menschen, die genau diesen Schritt wagen. Diesmal haben wir mit einem Team gesprochen, das erst seit kurzer Zeit in Cottbus lebt und mit seiner Idee bereits erste Erfolge feiern konnte. Der Gewinn des Climathon war für die vier ein wichtiger Meilenstein: eine Gelegenheit, ihre Vision sichtbar zu machen und wertvolles Feedback von Expertinnen und Experten zu erhalten.

Im Interview erzählt Teamleiter Emir aus der Türkei, wie aus einer Idee das Startup Aegis Kinetics entstand, was das Team antreibt, weshalb der Innovators Club für sie zu einem wichtigen Begleiter geworden ist und warum Angst manchmal der beste Antrieb sein kann.

Ein Team, das unterschiedliche Perspektiven verbindet

Das Team könnte internationaler kaum sein. Alle vier studieren oder bereiten sich auf ein Studium an der BTU Cottbus-Senftenberg vor und bringen Erfahrungen aus vier verschiedenen Ländern mit.

Teamleiter Emir kommt aus Ankara in der Türkei und lebt seit rund zwei Jahren in Deutschland. Für sein Masterstudium Hybrid Electric Propulsion Technologies zog er im September 2025 nach Cottbus. Parallel arbeitet er als wissenschaftliche Hilfskraft (HiWi) im Bereich Rotordynamik.

Gemeinsam mit ihm studieren Youcef aus Algier (Algerien) und Shraddha aus Pune (Indien) ebenfalls im Masterstudiengang Hybrid Electric Propulsion Technologies. Beide leben seit September 2024 in Cottbus. Während Youcef derzeit sein Praktikum bei BASF absolviert, sammelt Shraddha im Rahmen ihres Praktikums bei Tesla wertvolle Praxiserfahrung.

Komplettiert wird das Team von Daria aus Moskau. Sie lebt seit rund neun Monaten in Cottbus, arbeitet als Architektin und bereitet sich derzeit mit Deutsch- und Fachsprachkursen auf ihr Masterstudium der Architektur an der BTU Cottbus-Senftenberg vor.

Gerade diese unterschiedlichen fachlichen Hintergründe sehen die vier als ihre größte Stärke. Emir erklärt: „Wir vereinen Ingenieurwesen, Konstruktion, Fertigung und eine künstlerische Perspektive. Dadurch können wir unser Projekt aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.“

Von einer Idee zum Startup

Die Idee für Aegis Kinetics entstand nicht in einem Unternehmen oder Startup-Labor, sondern im Studienalltag.

Während seiner Forschung zu hybriden Antriebssystemen beschäftigte sich Emir intensiv mit der Frage, wie sich Batterien in Elektrofahrzeugen effizienter nutzen lassen. Gemeinsam entwickelte das Team daraus ein Konzept für ein hybrides Energierückgewinnungssystem, das Bremsenergie zunächst mechanisch speichert und so die Batterie entlastet. Ziel ist es, Temperaturspitzen zu reduzieren und die Lebensdauer der Batterie zu verlängern.

Wie Emir erzählt, entstand die Idee aus der Verbindung von Studium und Forschung: „Wir haben beobachtet, wie sich bei schnellen Lastwechseln Wärme entwickelt. Daraus entstand die Idee, mechanische Lösungen zu nutzen, um elektrische und thermische Probleme gleichzeitig zu lösen.“

Ein Club, der Ideen wachsen lässt

Den Weg in den Innovators Club fand das Team eher zufällig. Ein Freund machte die vier auf das Programm aufmerksam, als sie sich gerade auf den Climathon vorbereiteten. Rückblickend war diese Empfehlung ein Glücksfall.

Emir sagt: „Ich kann dem Innovators Club gar nicht genug danken. Besonders Clemens und Azat haben unser Projekt von Anfang an außergewöhnlich unterstützt.“

Die regelmäßigen Treffen halfen dem Team dabei, die eigene Idee weiterzuentwickeln, den Pitch zu schärfen und Kontakte in die Startup-Szene aufzubauen. Besonders beeindruckt hat Emir dabei die Haltung des Teams hinter dem Innovators Club: „Ich liebe ihr Motto: If you move, we move with you.

Ein erster Erfolg und die nächsten Schritte

Mit Aegis Kinetics nahm das Team am Climathon teil - einem Green Hackathon im Rahmen der Decarbon Days, bei dem Teams aus Deutschland und Polen innovative Lösungen für Klima- und Energieherausforderungen entwickeln.

Die Motivation war dabei nie in erster Linie der Wettbewerb selbst. Emir beschreibt sie so: „Wir wollten etwas bauen. Etwas Reales. Keine Software, sondern echte Ingenieursarbeit.“

Die Jury überzeugte das Konzept. Neben dem Wettbewerbssieg erhielt das Team auch eine Führung durch die Tesla Gigafactory - für angehende Expertinnen und Experten im Bereich Antriebstechnologien ein ganz besonderes Erlebnis.

Doch der Climathon ist für die vier nur der Anfang. Gemeinsam mit dem Innovators Club arbeitet das Team nun an den nächsten Entwicklungsschritten und an einem ersten funktionsfähigen Prototypen. Außerdem möchten die vier an der Star*Parade teilnehmen. Der Wettbewerb, den der Lausitz Science Park gemeinsam mit anderen Partnern organisiert, bietet jungen Gründerinnen und Gründern die Möglichkeit, ihre Ideen weiterzuentwickeln, Kontakte zu knüpfen und sich mit Expertinnen und Experten auszutauschen.

Dabei geht das Team bewusst Schritt für Schritt vor. Zunächst soll die Technologie ihre Praxistauglichkeit unter Beweis stellen, anschließend sollen die nächsten Entwicklungsschritte folgen.

„Habt keine Angst.“

Zum Ende unseres Gesprächs wollten wir von Emir wissen, welchen Rat er anderen Studierenden geben würde, die ebenfalls eine Idee im Kopf haben.

Seine Antwort kommt ohne zu zögern: „Habt keine Angst. Natürlich haben wir alle Angst, das ist menschlich. Aber nutzt dieses Gefühl als Antrieb. Sprecht mit Professorinnen und Professoren, holt euch Feedback, baut Prototypen und macht Fehler. Ideen hat jeder. Der Unterschied ist, sie wirklich umzusetzen.“

Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft dieser vier jungen Menschen. Innovation beginnt nicht erst mit einem fertigen Produkt oder einem erfolgreichen Startup. Sie beginnt mit Neugier, Zusammenarbeit und der Bereitschaft, den ersten Schritt zu gehen.

Genau dabei unterstützt der Innovators Club des Lausitz Science Park junge Talente, damit aus guten Ideen Projekte werden und aus Projekten vielleicht schon bald erfolgreiche Startups.

Kontakt

Olga Isupova
HVP Forschung und Transfer
T +49 (0) 160 975 89840
olga.isupova(at)b-tu.de
Das Team von Aegis Kinetics auf dem Hauptcampus der BTU Cottbus–Senftenberg. Foto: Olga Isupova / Lausitz Science Park
Das Team von Aegis Kinetics (v. l. n. r.): Shraddha Walvekar, Youcef Bouguerra, Emir Alp Karslıoğlu und Daria Razmustova. Foto: Olga Isupova / Lausitz Science Park
Das Team von Aegis Kinetics mit dem Preis für den Gewinn des Climathon. Foto: Olga Isupova / Lausitz Science Park