Gratulation zur Promotion
Enikö Schradi (Klinische Sozialarbeiterin) untersucht in ihrer Dissertation den Trialog als neuartiges Unterstützungsangebot im Kontext Essstörungen. Der Begriff Trialog bezeichnet einen strukturierten, nicht-therapeutischen Austausch auf Augenhöhe zwischen Betroffenen mit Essstörungserfahrungen, ihren Angehörigen oder Bezugspersonen sowie dem Fachpersonal (z.B. Ärzt*innen, Pflegekräften, Therapeut*innen). Diese Methode ist bisher vor allem in der Behandlung von Psychosen und der Borderline-Persönlichkeitsstörung etabliert und u. a. in der Landshuter Forschergruppe positiv evaluiert worden. Bislang existierte jedoch kein spezifisches Konzept für einen Trialog im Kontext von Essstörungen.
Die Dissertation basiert auf einer umfassenden Auseinandersetzung mit der internationalen Forschungsliteratur und fachspezifischen Quellen. Dabei wurden über 400 wissenschaftliche Arbeiten zu Essstörungen, dem Trialog und dessen Umsetzung in verschiedenen Kontexten berücksichtigt. Im theoretischen Teil analysiert Enikö Schradi ausführlich die psychosoziale Situation von Betroffenen und Angehörigen, was die hohe Belastung und Stigmatisierung beider Gruppen sowie deren Unterstützungsbedarf belegt. Ein weiteres Kapitel beleuchtet die spezifischen Herausforderungen, mit denen Fachkräfte bei der Arbeit mit Essstörungen konfrontiert sind. Methodisch wurde ein dreistufiges Post-Follow-up-Mixed-Methods-Design angewendet, das qualitative und quantitative Daten kombiniert und somit ein differenziertes Bild zur Umsetzbarkeit des Trialogs im Kontext Essstörungen und zum subjektiv erlebten Nutzen für die Teilnehmenden ermöglicht.
Die Ergebnisse zeigen, dass der Trialog von allen beteiligten Gruppen wie auch von den Facheinrichtungen sehr gut bewertet wird. Die Umsetzung, die Rahmenbedingungen und der interaktive Austausch werden als gelungen empfunden. Das zuvor im Rahmen des Projekts TRES am Forschungsinstitut IKON der Hochschule Landshut entwickelte Konzept wird in seiner Praxistauglichkeit bestätigt. Die Teilnehmenden erleben den Trialog nicht nur unmittelbar nach der Veranstaltung, sondern auch sechs Monate später im Follow-up als hilfreich. Als zentrale Nutzenerfahrungen nennen sie ein vertieftes gegenseitiges Verständnis und eine Erweiterung ihrer Perspektive auf Essstörungen. Durch den Erfahrungs- und Wissensaustausch im Trialog werden Reflexions- und Lernprozesse auf allen Seiten angestoßen und ein konstruktiverer Umgang miteinander im familiären und beruflichen Kontext gefördert. Zudem berichten Betroffene und Angehörige von emotionaler Entlastung, gesteigerter Selbstwirksamkeit und Empowerment, da sie aus der Rolle der Hilfesuchenden heraustreten können. Die Follow-up-Befragungen deuten darauf hin, dass Impulse aus dem Trialog in den familiären und beruflichen Alltag übertragen werden können. Dies bestätigen alle beteiligten Gruppen, auch die Facheinrichtungen ziehen eine positive Bilanz.
Die Dissertation erweitert somit die bislang begrenzt vorhandenen und spezifisch für Essstörungen fehlenden Forschungsbefunde zum Trialog deutlich um wesentliche Erkenntnisse zu wichtigen Rahmen- und Gelingensbedingungen und dazu, welchen subjektiv erlebten Nutzen Teilnehmende wie auch Facheinrichtungen aus dem Trialog ziehen können. Das Konzept ist mittlerweile als Praxishandbuch Trialog bei Essstörungen bei BELTZ veröffentlicht, was die Relevanz für die Praxis unterstreicht und den Transfer in die Praxis sichert. Der Trialog bei Essstörungen ist inzwischen dauerhaft in den Angeboten aller Kooperationseinrichtungen aus dem Projekt TRES verankert. Darüber hinaus sind seit dem Abschluss des Projektes weitere Einrichtungen hinzugekommen, der Trialog bei Essstörungen breitet sich somit in Deutschland aus.
Promotionskommission
Gutachterin: Prof.in Dr.in Alexandra Retkowski (BTU Cottbus – Senftenberg)
Gutachterin: Prof.in Dr.in Eva Wunderer (Hochschule Landshut)
Gutachter: Prof. Dr. Werner Thole (TU Dortmund)
Vorsitzende: Prof.in Dr.in Heidrun Herzberg (BTU Cottbus - Senftenberg)
Wir wünschen Enikö Schradi alles Gute auf dem weiteren wissenschaftlichen und persönlichen Weg.
Abgeschlossenen Promotionen / Veröffentlichungen der Fakultät 4
Kontakt
Soziale Dienstleistungen für strukturschwache Regionen
T +49 (0) 355 5818-751
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