Grundsätze

Städtebau und Geschichte

"Wir sind wie Zwerge, die auf den Schultern von Riesen stehen und deshalb mehr und weiter sehen können als die Alten". Mit diesem Bild beschrieben seit dem Mittelalter Gelehrte ihre Einbindung in die Geschichte. Der Zwerg erscheint klein im Verhältnis zum Riesen der Geschichte. Dennoch verschafft ihm sein erhöhter Standpunkt einen anderen, erweiterten Blick.

Städtebauliches Entwerfen greift in komplexe bestehende Gefüge ein, um sie zu verändern. Das Neue hat dabei stets das Alte zur Voraussetzung. Im kreativen Prozess kann der Entwerfer das Bestehende nicht außer Acht lassen, soll sich jedoch auch nicht restlos davon einschnüren lassen. Wie der Zwerg auf den Schultern der Geschichte kann er auf der Basis des Vorhandenen eine höhere Warte einnehmen, die den Blick für die Möglichkeiten des Entwurfs schärft.

Stadt im Werden

Die Stadt ist ein komplexes Gefüge, das ständiger Veränderung unterworfen ist. Im Gegensatz zum Haus ist die Stadt immer unfertig und im permanenten Um- und Weiterbau begriffen. Der Entwerfer ist daher immer mit Heterogenem konfrontiert und darauf angewiesen, Strategien zur Bewältigung des Unvollständigen zu entwickeln. Die Auswirkungen der eigenen Tätigkeit können nicht mit Sicherheit vorhergesehen werden, sondern bleiben im Bereich des Wahrscheinlichen. Arbeiten am Stadtkörper kann deshalb nicht darauf abzielen, unwandelbare Strukturen festzulegen; vielmehr geht es darum, in der Dynamik ein "Fließgleichgewicht" herzustellen.

Die Veränderungsprozesse in einer Stadt vollziehen sich iterativ, d.h. jeder Entwicklungsschritt im städtischen Gefüge bezieht sich auf vorangegangene und überformt diese. Das gegenwärtige Stadtbild schließt somit immer vergangene Entwicklungsstadien ein: Geschichte begegnet uns als räumliche Struktur. Um die Stadt in ihrer gegenwärtigen Gestalt und Funktionsweise zu verstehen und darauf angemessen reagieren zu können, ist die Betrachtung ihres Werdeganges im Sinne einer Anamnese unerlässlich.

Stadt und Gesellschaft

Stadt ist Stein gewordenes menschliches Verhalten. Architektur und Stadt sind materieller Ausdruck von gesellschaftlichem Leben, wirtschaftlichen Verhältnissen, Mentalitäten und kulturellen Gegebenheiten. Heutige Stadtgestaltung entspringt nicht der Vorstellung eines Einzelnen, etwa eines allmächtigen "Kulturdiktators", sondern ist das Ergebnis eines Abwägungsprozesses, an dem Gestalter, Politiker und Geldgeber und Nutzer beteiligt sind.

Wie keine andere Disziplin spiegelt der Städtebau mit seinem gestalterischen Mandat das gesellschaftliche Wechselspiel von Freiheit und Gleichheit wider: Gleichheit im Extrem bedeutet Zwang für den Einzelnen, die äußerste Freiheit des Einzelnen greift in die Freiheit des anderen ein. Die Frage danach, welche Festlegungen getroffen werden müssen, um Freiheit zu ermöglichen, beherrscht das Metier des Städtebaus. Der Begriff der "geplanten Freiheit" von Max Frisch fasst diesen scheinbaren Widerspruch: "nicht die Sache selbst soll geplant werden, nur der Rahmen" (Achtung die Schweiz, 1954, S. 29).

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