Interview mit BTU Alumnus Sergej Sinelnikow (BWL)

"Ich kann jedem Bachelorstudierenden empfehlen: Macht so viele Praktika wie möglich!"

Sergej Sinelnikow hat Betriebswirtschaftslehre im Bachelor und Master an der BTU studiert und arbeitet als Auditor in Berlin. Was sich dahinter verbirgt, erklärt er im Alumni-Interview.

Hallo Herr Sinelnikow, wie sind Sie auf Betriebswirtschaftslehre und das Studium an der BTU gekommen und wie waren Ihre Erfahrungen hier?
Bei der Auswahl der Hochschule hatte ich zwei Wünsche: möglichst nah am Wohnort meiner Familie und Freunde zu bleiben und während des Studiums keine überfüllten Hörsäle zu haben. Ich habe einige Bewerbungen an meine Wunschhochschulen verschickt, und die BTU war die schnellste. Ich musste und wollte nicht lange überlegen und habe sofort zugesagt. So kam der Stein ins Rollen. Der Einstieg ins Studium fiel mir zunächst schwer. Gerade im Bachelorstudiengang wird man als Anfänger von der Menge der Module schnell erschlagen. Das ungewohnt hohe Lerntempo und die Stofffülle waren ebenfalls Neuland für mich. Ab dem dritten oder vierten Semester hatte ich den Dreh aber raus, und von da an ging es ziemlich gut voran. Einige Pflichtmodule im Bachelor lagen mir nicht besonders, und ich musste bei manchen Prüfungen eine zweite Runde drehen. Das Masterstudium ist mir dagegen sehr positiv in Erinnerung geblieben. Ich konnte meine Module selbst zusammenstellen, und es war definitiv die schönste Zeit meines Studentenlebens. Rückblickend bereue ich keine Sekunde, mich für ein Studium entschieden zu haben. Es hat sehr viel zu meiner Entwicklung als Mensch beigetragen – zu der Art, wie ich denke, Probleme angehe oder meinen Tag gestalte.

Sie haben sowohl den Bachelor als auch den Master an der BTU gemacht. Was würden Sie Bachelorstudierenden empfehlen, die sich noch unsicher sind, wie es danach weiter gehen soll?
Ich habe es leider viel zu spät erkannt und hatte auch niemanden, der mich als eine Art Mentor unterstützt hat, aber ich kann jedem Bachelorstudierenden empfehlen: Macht so viele Praktika wie möglich. Dadurch sammelt ihr nicht nur Berufserfahrung, die von Unternehmen – sofern man als Angestellter durchs Leben gehen möchte – positiv wahrgenommen wird, sondern ihr lernt auch sehr viel über euch selbst. Nur weil euer bester Freund als Controller arbeitet und euch diesen Weg ans Herz legt, muss das nicht zwingend eine Tätigkeit sein, die euch auch langfristig Freude bereiten wird. Probiert euch aus, geht ins Controlling, ins Audit, in den Vertrieb oder in die Produktion. Schaut euch die Prozesse und die Arbeit dort an und fragt euch, ob ihr das in den nächsten Jahren wirklich machen wollt.

Sie arbeiten als Auditor in der DOMUS AG in Berlin. Wie kam das und was machen Sie da genau?
Ich hatte eine berufliche Auszeit, die mit dem Krieg in der Ukraine zusammenfiel. Als ich zurück war, wurde die HR-Abteilung der DOMUS über LinkedIn auf mich aufmerksam. So kam der erste Kontakt zustande. Es war relativ schnell klar, dass ich langfristig im Bereich Audit mein Zuhause finden würde. Ausschlaggebend dafür waren auch die Vorlesungen von Herrn Dr. Toebe, der selbst Wirtschaftsprüfer ist, sowie meine primäre Studienvertiefung – Investition und Finanzierung –, die stark von Auditthemen geprägt war. Als Prüfer bin ich für die Prüfung von Jahresabschlüssen von Genossenschaften und Immobilienunternehmen des Mittelstands zuständig. Um die Tätigkeit kurz zu beschreiben: Ich muss durch gezielte Prüfung der Risikofelder in Bilanz und GuV sowie im Anhang, Lagebericht und Protokollen sicherstellen, dass der Jahresabschluss frei von wesentlichen Fehlern ist. Daneben habe ich auch interne Revisionen sowie kleinere IT- und Datenschutzprüfungen durchgeführt. Ab März 2026 beginne ich meine Tätigkeit als Auditor beim Genoverband e.V. Die Tätigkeit bleibt die gleiche, nur die Mandate sind neu.

Sie haben in verschiedenen Bereichen gearbeitet von Immobilien, Startups, Kreditabteilungen und hatten da jeweils unterschiedliche Tätigkeiten. Die Vielfalt an Möglichkeiten ist sicherlich ein Pluspunkt in der Betriebswirtschaftslehre. Was würden Sie Studieninteressierten zu dem Aspekt sagen, die sich vielleicht für Wirtschaft interessieren, aber vor dem Studium noch keine konkrete Berufsperspektive haben?
Ein Studium ermöglicht euch ein breites Spektrum an Perspektiven in vielen Unternehmen, da die Bezeichnung „Betriebswirtschaftslehre“ euch nicht konkret in eine Abteilung für euer gesamtes Leben befördert. Ihr habt definitiv den Vorteil, euch langfristig innerhalb oder auch außerhalb des Unternehmens weiterzuentwickeln. Außerdem endet eure Lernzeit nicht mit dem Studium. Auch im Berufsleben müsst und sollt ihr Weiterbildungen oder Zertifikate erwerben, die euch weiterbringen. Oft werdet ihr dank Bachelor- oder Masterstudium höher eingestuft, müsst weniger Prüfungen ablegen oder bestimmte Weiterbildungen gar nicht erst besuchen, da sie durch das Studium anerkannt werden.

Was vermissen Sie am meisten aus der Studienzeit?
Die Freiheit. Die Tage kamen mir länger vor. Ich hatte mehr Freiheiten und weniger Verpflichtungen als jetzt.

Kontakt

Daniel Ebert
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