Ausstellung am 01.07.2026
Das Fachgebiet Städtebau und Entwerfen hat gemeinsam mit Masterstudierenden den Blick auf die urbanen Zwischenräume von Nantes gelegt. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Transformation der Île de Nantes vom Industrieareal zur gemischten Stadt. Die Ausstellung im COCO Stadtlabor in Cottbus präsentiert Fotoessays der Studierenden.
01.07.2026, 15.30-17.30 Uhr, Stadtlabor (Burgstr. 22, Cottbus)
Mit Unterstützung des Fördervereins der BTU Cottbus-Senftenberg und COCO Commoning Cottbus
Masterexkursion nach Nantes mit der Unterstützung des Fördervereins BTU
Die prozesshafte Transformation der Île de Nantes ist eine der spannendsten städtebaulichen Entwicklungen der letzten Jahre. Bis heute ist dort eine Vielzahl von besonderen Projekten entstanden, von der Architekturschule über Wohnungsbau, Kreativwerkstätten bis hin zu öffentlichen Freiräumen. Grundlage für diese schrittweise Transformation ehemaligen Industrieinsel ist der der von Alexandre Chemetoff und seinem Team entwickelte Plan Guide, der Stadtentwicklung als offenen, adaptiven Prozess versteht.
Diesen Prozess haben wir am Fachgebiet Städtebau und Entwerfen mit unserem Projekt Learning from Île de Nantes in drei aufeinander aufbauenden Lehrangeboten (Seminar, Exkursion und Entwurfsstudio) für Masterstudierende der Fachrichtungen Stadt- und Regionalplanung, Urban Design and Sustainable Revitalisation sowie Architektur untersucht.
Im Wintersemester 2025/2026 setzten sich Studierende im Seminar intensiv mit der Transformation der Île de Nantes in ihren sozialen, politischen und ökonomischen Zusammenhängen auseinander. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Entwicklung von Stadträumen im Spannungsfeld von Bestand und Neubau, Arbeiten und Wohnen sowie Erinnerung und Erneuerung – und welche Rolle dabei urbane Zwischenräume spielen. Untersucht wurden insbesondere die drei für die Transformation der Insel prägenden Entwicklungsphasen nach der Schließung der Schiffswerft (1987): Plan Guide (1999-2010), Plan des Transformations (2010-1017), Plan des Intentions (2017-2025). Durch zeichnerische Analysen ausgewählter Projekte und urbaner Zwischenräume der unterschiedlichen Phasenerlernten die Studierenden stadträumliche Zusammenhänge zu verstehen und eigene Beobachtungen analytisch, visuell und räumlich zu formulieren.
Wir freuen uns sehr, dass wir den Förderverein der Brandenburgischen Technischen Universität e.V. mit unserem Projekt Learning from Île de Nantes überzeugen konnten. Dank der großzügigen finanziellen Unterstützung des Fördervereins konnten Anfang Juni 2026 25 Studierende als Vertiefung des Seminars nach Nantes reisen und vor Ort eine Vielzahl der im Seminar behandelten Zwischenräume und Projekte besichtigten und sich mit den NutzerInnen und Planenden über den Entstehungsprozess und die Entwicklung der Île de Nantes austauschen.
Exkursionsprogramm 1.6.-6.6.2026
Zum Auftakt unserer Exkursion führte uns Timothée von Le Voyage à Nantes durch die Altstadt Nantes und gab uns einen umfassenden Einblick in die historische Entwicklung sowie die städtebaulichen Besonderheiten der Stadt. Dabei lernten wir Nantes als eine Stadt kennen, die den öffentlichen Raum durch eine frei zugängliche Kunstsammlung mit rund 130 Werken aktiv bespielt und 2013 als European Green Capital ausgezeichnet wurde.
Zu den Stationen des Rundgangs gehörten das Château des Ducs de Bretagne, die begrünte Hofanlage Jungle Intérieure sowie die denkmalgeschützte Passage Pommeraye aus dem Jahr 1843. Entlang der Île Feydeau und des Quai de la Fosse wurden zudem die Spuren der maritimen Geschichte und ihrer Verflechtung mit dem transatlantischen Sklavenhandel sichtbar.
Nach dem Mittagessen im umgenutzten Kulturzentrum Le Lieu Unique, einem gelungenen Beispiel für den sensiblen Umgang mit Bestandsbauten, besuchten wir das Mémorial de l'abolition de l'esclavage, das an die Rolle der Stadt im Sklavenhandel und die Abschaffung der Sklaverei erinnert. Am Nachmittag führte uns eine Tour mit l'Ardepa über die Île de Nantes. Dabei erhielten wir einen Überblick über die Transformation der ehemaligen Industrieinsel und besichtigten unter anderem den von Jean Nouvel entworfenen Palais de Justice de Nantes, die Les Nefs de la Loire mit den Maschinen der Künstlergruppe La Machine sowie den Parc des Chantiers, der das industrielle Erbe des ehemaligen Werftgeländes bewahrt und neu interpretiert.
Am zweiten Exkursionstag stand die Transformation der Île de Nantes im Mittelpunkt. Neben der Besichtigung wichtiger Projekte und öffentlicher Räume bot sich die Gelegenheit, mit verschiedenen Akteur*innen des seit über 20 Jahren laufenden Stadtentwicklungsprozesses ins Gespräch zu kommen. Den Auftakt bildete die École Nationale Supérieure d’Architecture de Nantes, die 2009 als einer der ersten Impulsgeber auf der Insel eröffnet wurde. Dank Fabian Scholz erhielten wir Einblicke in die Lehr- und Forschungsarbeit der Hochschule sowie in das von Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal entwickelte Gebäudekonzept. Anschließend stellte uns Enzo Miottini von Samoa die städtebaulichen Ziele und Herausforderungen der Inselentwicklung vor und führte uns durch das NouveauQuartier République. Nach einem Picknick an der École des Beaux-Arts de Nantes Saint-Nazaire gab die Landschaftsarchitektin Sylvanie Gree Einblicke in aktuelle Projekte in Nantes und erläuterte die Rolle von Freiraumplanung und Klimaanpassung in Stadtentwicklungsprozessen. Historische Perspektiven auf die Schiffbauindustrie und ihre Bedeutung für die Identität des Ortes vermittelte eine Führung durch das Maison des Hommes et des Techniques. Den Abschluss des Tages bildeten der Besuch der von Franklin Azzi umgebauten Kunsthochschule sowie ein gemeinsamer Austausch in der Bar L'Absence, einem Kunstpavillon von Atelier Van Lieshout.
Der dritte Tag begann mit einem Besuch des Jardin Extraordinaire in Bas-Chantenay. Der Landschaftsarchitekt Samuel André vom Büro Phytolab stellte uns die Entstehung und gestalterischen Qualitäten des Parks vor. Anschließend erkundeten wir das Quartier Bas-Chantenay im Rahmen unseres Masterstudios Working with Existing und beschäftigten uns mit den Potenzialen und Herausforderungen des Weiterbauens mit Bestand. Danach führte uns Elyse Cazenove von Nantes Aménagement durch die Entwicklungsgebiete Dubigeon und Usine Électrique. Dabei erhielten wir einen Einblick in die städtebaulichen Strategien und laufenden Transformationsprozesse des Quartiers. Mit dem Navibus überquerten wir anschließend die Loire zum Hangar à Bananes, einem Umbauprojekt ehemaliger Lagerhallen vonMichel Roulleau (2007)und besuchten dort die HAB Galerie. Den Abschluss des Tages bildete ein Spaziergang durch mehrere Wohnungsbauprojekte der zweiten Entwicklungsphase der Île de Nantes, dem Plan des Transformations von Marcel Smets und Anne-Mie Depuydt. Dabei besichtigten wir unter anderem die Projekte Canopée(THE Architectes, YTAA, 2020), Unîle (AZC Architects, Atelier MIMA, 2023) sowie das genossenschaftliche Wohnprojekt Zellige Cooperative Housing (Tectône, Tact Architectes, Atelier Roberta, 2019). Die Projekte veranschaulichen unterschiedliche Ansätze für zeitgenössischen Wohnungsbau und die Entwicklung neuer Nachbarschaften auf der Insel.
Der fünfte Tag in Nantes begann mit einem Besuch des Ping FabLab in den Halles 1&2. Im Gespräch mit Julien Bélanger, einem der ersten Pioniere auf der Île de Nantes, erhielten wir Einblicke in die frühen Entwicklungsphasen der Insel und die heutige Nutzung des Gebäudes. Die ehemaligen Schiffbauhallen wurden 2022 von DLW Architectes zu einer Markthalle mit kulturellen und kreativen Nutzungen umgebaut und beherbergen heute unter anderem das Fab Lab. Anschließend erkundeten wir die Zwischenräume und öffentlichen Nutzungen der von LIN Architects umgestalteten Halles 6 Ouest sowie das Wohnungsbauprojekt Bamboo von Alexandre Chemetoff aus dem Jahr 2023. Am Nachmittag reisten wir weiter nach Paris, wo wir die besondere Gelegenheit hatten, Jean-Philippe Vassal vom Büro Lacaton & Vassal zu treffen. Im Gespräch über das Thema Working with Existing erhielten wir wertvolle Einblicke in die Haltung und Arbeitsweise des Büros. Den Abschluss des Tages bildete ein Besuch des von Lacaton & Vassal 2014 umgebauten Palais de Tokyo.
Den Abschluss unserer Exkursion bildete ein Besuch in Ivry-sur-Seine, wo wir die von Renée Gailhoustet und Jean Renaudie zwischen 1962 und 1986 entworfenen Wohn- und Stadtstrukturen in all ihren Facetten erkundeten. Die komplexe, terrassierte Architektur und die vielschichtigen öffentlichen Räume machten die besondere städtebauliche Idee des Quartiers unmittelbar erlebbar. Ein herzlicher Dank gilt Cécile und Nelly von Jardin à tous les étages Ivry für die eindrucksvolle Führung, sowie Sebastian Díaz de León, der mit seinem Kollektiv ufo ufo an der Kartierung und Sichtbarkeit des Gebiets arbeitet.
Wir danken dem Förderverein der BTU Cottbus-Senftenberg im Namen unseres Fachgebiets Städtebau und Entwerfen sowie unserer Studierenden aus Seminar, Exkursion und Entwurfsprojekt für die großzügige finanzielle Unterstützung unserer Exkursion nach Nantes. Im Sinne unseres Exkursionsschwerpunkts werden wir die gewonnenen Erkenntnisse der Reise nun in einer Publikation und Ausstellung aufbereiten, um eine weiterführende Diskussion über Stadtentwicklung, den Umgang mit Bestand sowie die Transformation urbaner Räume anzustoßen.







