
BTU-Transfertag würdigte herausragende Transferleistungen
Höhepunkt des diesjährigen Transfertages an der BTU war die erstmalige Verleihung der mit insgesamt 14.000 Euro dotierten BTU-Transferpreise. Aus insgesamt fünf nominierten Kooperationen, die jeweils in einem Pitch ihr Projekt und die Transferleistungen vorstellten, wählte die Jury zwei herausragende Kooperationsprojekte aus. Die Gewinner hießen Mesh4U und NMI Technologies. Ein Sonderpreis ging an das Energie-Innovationszentrum (EIZ).
Mesh4U – Ein Netz für schnellere Infrastrukturinspektionen
Die Entwicklung von Mesh4U ermöglicht die schnelle und energieeffiziente Durchführung komplexer Messkampagnen über große Distanzen. Zentral ist ein neuartiges selbstorganisierendes, lernendes Mesh-Kommunikationsnetzwerk auf extrem kleinen, batteriebetriebenen Wi-Fi-Modulen – ein technologischer Durchbruch im Bereich mobiler Mess- und Überwachungstechnik.
Großer Bedarf bei Eisenbahnbrücken:
Mit rund 25.000 Bahnbrücken in Deutschland, von denen viele über 100 Jahre alt sind, wächst der Sanierungs- und Untersuchungsbedarf erheblich. Mesh4U ermöglicht erstmals, bis zu 100 Sensoren auf großen Brücken effizient zu vernetzen und Messdaten in hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung zu übertragen. Damit lassen sich Simulationsmodelle für Tragfähigkeitsanalysen zuverlässig kalibrieren.
Sichere und effiziente Energieanlagen:
Auch in Energieinfrastrukturen – etwa bei Erdungsanlagen von Umspannwerken – zeigt Mesh4U seine Stärken:
- Fernsteuerung von Messvorrichtungen über mehr als 1,2 Kilometer,
- stabiler Betrieb unabhängig vom Mobilfunknetz,
- erhebliche Reduktion des Personalaufwands.
- Feldtests mit LEAG, PTB Ingenieure und der ASCORI GmbH & Co. KG bestätigten Reichweiten, Stabilität und Durchsatz des Systems.
Das Entwicklerteam bereitet eine Ausgründung vor, die OEM-Lösungen und kundenspezifische Messsysteme anbieten wird.
NMI Technologies – Nahinfrarot Spektrometer für ein breites Anwendungsfeld von der Landwirtschaft bis zu modernster Recyclingtechnik
Die Ausgründungsinitiative NMI Technologies ist aus dem Projekt Innovationscampus Elektronik und Mikrosensorik (iCampus) entstanden, bei dem neuartige Nahinfrarot-Brechungsindexsensoren entwickelt wurden. In Kooperation zwischen der BTU Cottbus-Senftenberg und dem Leibniz Institut für innovative Microelektronik IHP entstand die Idee eines ultrakompakten diskreten Spektrometers, der verschiedene Polymere in Echtzeit optisch unterscheiden soll.
Stand der Technik:
NIR Spektroskopie wird in der Erkennung von Textilien und Kunststoffen schon seit mehreren Jahren eingesetzt, meist in Erprobungslinien mit preisintensiven Spektrometern. Bei der Innovation von NMI Technologies handelt es sich um Germanium-Photodetektoren mit plasmonischen Nanostrukturen, die in einer Pilotlinie am IHP gefertigt werden. Sie nutzt eine neue Technologie, mit der die Herstellungskosten drastisch gesenkt werden können. Ein derzeit entwickelter Labordemonstrator soll zu einem ersten in der Industrie einsetzbaren Prototypen umgebaut, in Serie produziert und verkauft werden.
Ausgründung:
Mit den entwickelten Produkten ist die Unterscheidung diverser Kunststoffe in der Mülltrennung für ein vollständiges Recycling möglich. Das Team blickt auf einen stetig wachsenden Markt, der laut Prognosen in Europa von 450 Mio. USD (2023) auf 650 Mio. USD (2030) wachsen soll. Dieser wird auch durch politische Regularien mit dem EU-Green Deal gestützt. Damit plant die Kooperation auf Basis dieser Technologie eine Ausgründung, um sie in die industrielle Anwendung zu überführen. Das Geschäftsmodell sieht den Vertrieb sowohl der Sensoren für diskrete On-Chip NIR Spektrometer an Kamera- und Sensorhersteller als auch fertiger Spektroskopie-Lösungen für die Integration in Sortieranlagen vor. Derzeit sucht die Gruppe nach Fördermöglichkeiten und Industriepartnern für eine erste Pilotline.
Patentanmeldung:
Im Zuge der Forschungskooperation hat die BTU zusammen mit dem IHP bereits ein Patent erfolgreich angemeldet. Im Zuge der Ausgründung ist geplant, die Anmeldung eines weiteren Patents über das diskrete On-Chip NIR Spektrometer über die BTU zeitnah zu prüfen und wenn möglich durchzuführen.
Die Jury würdigte besonders:
- die regionale Vernetzungsleistung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Energiebranche,
- die Unterstützung innovativer Transformationsprojekte,
- die nachhaltige Stärkung der Energiewende-Kompetenz am Standort Cottbus,
- die vorbildhafte Begleitung von Unternehmen auf dem Weg in neue energie- und digitaltechnische Wertschöpfungsfelder.
Mitglieder der Jury
- BTU Cottbus-Senftenberg, Vizepräsident für Forschung und Transfer Prof. Michael Hübner als Juryvorsitzender und Vertretung aus der Senatskommission für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Technologietransfer, Grit Hagenberger
- Wirtschaftsinitiative Lausitz e.V. (WiL), Vorstandsmitglied Tim Berndt
- Förderverein der BTU Cottbus-Senftenberg e.V., stellv. Vorstandsvorsitzender Andreas Pfeiffer
- Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH (WFBB), Geschäftsführer Sebastian Saule
Das EIZ erhielt einen Sonderpreis für seinen herausragenden Beitrag zum regionalen Transfer
Mit einem Sonderpreis, der außerhalb der Pitchbewertung lief, hebt die BTU ein Projekt hervor, das über seine fachliche Exzellenz hinaus einen entscheidenden Beitrag zur regionalen Strukturentwicklung leistet.
