Tempel der Musen. DDR-Kulturhäuser der Fünfzigerjahre. Entwicklung – Zustand – Perspektiven

Nichtzurettende Ruine oder Dornröschenschloss, das es wachzuküssen gilt? Bei dem ehemaligen Kulturhaus der „Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“ in Zinnowitz gehen die Meinungen deutlich auseinander. Der in den 1950er Jahren errichtete kulturelle und architektonische Mittelpunkt des Kurbades auf Usedom steht seit der Wiedervereinigung leer und verfällt. Neue Nutzungsstrategien für das Haus sind hier genauso gefragt wie konkrete architektonische Entwürfe. Dieser Herausforderung stellten sich im Sommersemester 2007 die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projektes, das gemeinsam von den Lehrstühlen Bauen im Bestand und Denkmalpflege veranstaltet wurde.

Das Kulturhaus in Zinnowitz gehört einer Bautypologie an, die in der SBZ/DDR zur politisch-kulturellen Bildung im Sinne der neuen Staatsideologie etabliert wurde. Die spezifische Entwicklung dieser Bauaufgabe, die zurückgeht auf die Volkshäuser der Weimarer Republik und zugleich stark beeinflusst war von den Arbeiterklubs und Kulturpalästen der Sowjetunion, analysierten die Studierenden und beschäftigten sich mit den bedeutendsten Kulturhäusern der „Architektur der Nationalen Tradition“, jener historisierenden Architektursprache, die von der Staatsgründung 1949 bis weit in die 50er Jahre das Bauen in der DDR bestimmte. Diese Auseinandersetzung führte deutlich vor Augen, dass der Kulturbau in Zinnowitz sein trauriges Schicksal mit zahlreichen anderen „Salons der Sozialisten“ teilt. Im Zuge der Wiedervereinigung und dem Zusammenbruch der Betriebe, denen sie oft angehörten, ging ihre ursprüngliche Nutzung verloren; zudem litten diese Betriebskulturhäuser genauso wie die städtischen Kulturpaläste unter dem Wegfall staatlicher Subventionen. Versuche, die Bauten den neuen wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Gegebenheiten anzupassen, schlugen oft fehl. Unadäquate Nutzungen führten nicht selten zum Totalverlust der in den meisten Fällen sehr qualitätvollen Innenausstattung und zu zerstörenden Eingriffen in die überkommene Bausubstanz. Vor allem Veranstaltungen, die das schnelle Geld bringen sollten, aber nichts zur Erhaltung beitrugen, haben die einstigen Prachtbauten herabgewirtschaftet.

Insgesamt entstanden sieben Nutzungskonzepte: ein Botanischer Garten mit einer Natur-Ferienstätte für Kinder und Jugendliche sowie Räumlichkeiten für Naturschutzverbände, ein Haus für Extremsportarten wie Paintball, Klettern oder Trampolinspringen, ein Kulturzentrum der baltischen Länder, ein Theater- und Planetariumsgebäude mit dem programmatischen Namen „Fantastische Welten“, ein Touristenzentrum mit Radstation, ein Gemeindehaus mit dem Sitz der Gemeinde- und Kurverwaltung sowie Veranstaltungsräumen und last but not least ein Projekt mit dem Titel „Revitalisierung“, das die sukzessive Rückaneignung des Kulturhauses als neues kulturelles Zentrum durch die Initiative der Gemeinde – jenseits des vermeintlich heilbringenden Investors – vorsieht.

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