Projekt Rathaus Neuhagen Anne Bantelmann

Im Sommersemester 2006 hatten elf Studierende der BTU Cottbus die Aufgabe, einen Neubau zur Erweiterung des Rathauses Neuenhagen zu entwerfen. Betreut wurden sie dabei von dem Lehrstuhl Entwerfen, Bauen im Bestand und dem Lehrstuhl Denkmalpflege. Das Projekt Neuenhagen war für die Studierenden besonders interessant, da es sich nicht um eine fiktive Aufgabenstellung handelte, sondern tatsächlich realen Bezug hatte: Die Initiative war von der Gemeinde Neuenhagen bei Berlin ausgegangen, die aufgrund ihres anhaltenden Wachstums der letzten Jahrzehnte schon lange mit dem Gedanken eines Erweiterungsbaus gespielt hatte und diesem nun endlich eine Form geben wollte. In dem Rathaus befindet sich heute die Verwaltung der Gemeinde. Um zum Bürgeramt zu gelangen, müssen die Gemeindemitglieder schon seit DDR-Zeiten einen schmucklosen, eingeschossigen Bungalow unweit des Altbaus aufsuchen. Dieser Zustand soll nun mit einem neuen Bau von ca. 1200 qm für alle Bürgerangelegenheiten beendet werden.

Eine Herausforderung stellte für die Studierenden vor allem der Umgang mit dem Altbau des Rathauses Neuenhagen dar. Bei diesem handelt s sich um einen Solitärbau aus rotem Sichtbackstein, der zu seiner Entstehungszeit um 1926 die Funktionen Rathaus, Wasserturm und Wohnraum umfasste. Wie viele Repräsentationsbauten der Zwanziger Jahre in Deutschland ist das Rathaus im expressionistischen Stil gebaut, es ist von monolithischer Strenge, die Fassade stark vertikal gegliedert, der Backstein formt durch die typische Zick-Zack-Stellung das expressionistische Ornament. Im Inneren sind die Wände hell verputzt; Eine Besonderheit stellt der Ratssaal dar, der in seiner Wandgestaltung Anklänge an das Dessauer Bauhaus zeigt. Seit 1989 stehen das Rauhaus und seine unmittelbare Umgebung, ein kleiner Park mit altem Baumbestand, unter Denkmalschutz. Die Gestalt des Neubaus und sein Bezug zum Denkmal mussten also mit Kenntnis und Bedacht gewählt werden.

 So viele Facetten der Rathausbau in Material, Form, Farbe sowie Innen- und Außenbezug aufweist, so unterschiedlich sind auch die Entwürfe der Studierenden. Die erste Frage in der Entwurfsplanung war, ob der Neubau hinter dem Rathaus liegen sollte, um so ganz hinter diesem zurückzutreten, oder ob er an oder in dem kleinen Park liegen sollte, also neben dem Rathaus. Eine weitere Frage stellte sich zur Form des Neubaus: Sollte die Vertikalität des Altbaus aufgegriffen werden, oder in einer horizontalen Ausrichtung ein Kontrapunkt zu dieser geschaffen werden? Wie sollte der Neubau auf das dominante Rot des Backsteins reagieren oder auf seine Materialität? Jeder Entwurf hat diese Fragen auf seine Weise gelöst, alle Studierenden wählten jedoch einen horizontal gelagerten Neubau und ordneten ihn somit dem Rathaus unter. Einige StudentInnen griffen besonders die Expressivität des Altbaus auf: so entstand in einem Entwurf ein Grundriss in Zick-Zack-Form, in einem anderen wurde auf die Kristallform zurückgegriffen, die in der Architekturtheorie des Expressionismus eine Rolle gespielt hatte. Ein Student nahm die Form des Backsteins zum Anlass, einzelne Raummodule wie Binder und Läufer ineinandergreifen zu lassen. Andere StudentInnen ließen sich von dem Park anregen, die Natur als Ruhepol in Form von Terrassen oder Glasflächen in ihre Architektur miteinzubeziehen. Andere gingen auf die Topographie des Grundstücks ein und stimmten die Ebenen ihres Baus darauf ab.

Die Resultate des Projekts wurden im November 2006 in einer Ausstellung im Rathaus Neuenhagen der Gemeinde, der Presse und weiteren Interessierten vorgestellt. Schon während der Vernissage diskutierten die Gemeindemitglieder die Entwürfe lebhaft untereinander und nahmen auch die Gelegenheit wahr, sich von den anwesenden Studierenden und Lehrstuhlvertretern die Ideen erläutern zu lassen.
 

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