Projektinitiativen

Am Lehrstuhl für Geopedologie und Landschaftsentwicklung entstehen fortlaufend Projektinitiativen, Forschungsansätze und Monitoring-Aktivitäten, die sich aktuell noch in der Anbahnung befinden oder dauerhaft ohne laufende Drittmittelförderung bearbeitet werden.
Mit dieser Übersicht möchten wir laufende Interessen und fachliche Schwerpunkte sichtbar machen und Anknüpfungspunkte für Kooperationen schaffen, insbesondere für Partnerinnen und Partner, die im Rahmen neuer Förderanträge gemeinsame Vorhaben entwickeln möchten.

Tarnowskie Góry (Polen)

Der Bergbau im oberschlesischen Tarnowskie Góry (Polen) besitzt eine lange, international bedeutsame Tradition, die 2017 durch die Aufnahme der historischen Silbererzgrube in die UNESCO-Welterbeliste gewürdigt wurde. Bereits im 16. Jahrhundert entwickelte sich die Region durch den Abbau von Galena (PbS) zu einem zentralen Industriezentrum Mitteleuropas, wobei das damals bahnbrechende Wasserhaltungssystem als ingenieurtechnische Pionierleistung Innovationen in West- und Mitteleuropa anregte. Obwohl bereits 13.864 Bergbauschächte (Mining Shaft Remains, MSRs) kartiert wurden, fehlen bislang detaillierte archäologische, geomorphologische und bodenkundliche Untersuchungen, sodass die langfristigen Auswirkungen dieser Hinterlassenschaften auf die heutige Boden- und Kulturlandschaft noch kaum bewertet werden können. Der Abbau von Blei- und Silbererzen begann bereits im 12. Jahrhundert mit flachem Tagebau, ging ab Ende des 15. Jahrhunderts in tiefere Stollen über, erlebte im 19. Jahrhundert durch Zinkgewinnung aus Galmei eine erneute Blüte und endete Anfang des 20. Jahrhunderts. Die komplexe Überlagerung von MSRs mit Relikten der Köhlerei (relict charcoal hearths, RCHs) schafft eine einzigartige anthropogen geprägte Landschaft, die in einer polnisch-deutschen Kooperationsstudie erstmals bodenkundlich untersucht wird, um Stratigraphie, Bodenveränderungen und die Wechselwirkungen zwischen Bergbau und Köhlerei besser zu verstehen und die Grundlage für weitere Forschungen zu schaffen.

Publikation: Bonhage et al. 2024 - https://doi.org/10.1002/gea.22028

Ansprechpartner Prof. T. Raab & Dr. A. Bonhage

Rubifizierung von Böden "Fuchserden"

Die Bildung von Hämatit in Böden (Rubifizierung), die zu einer charakteristischen rötlichen Färbung führt, gilt als typisches Merkmal mediterraner und tropischer Regionen, tritt jedoch auch in der gemäßigten Zone Mitteleuropas auf quartären Sedimenten auf, insbesondere auf sandigen Substraten in Brandenburg (wo sie lokal als „Fuchserden“ bezeichnet werden), Polen, den Niederlanden und Dänemark. Diese rubifizierten Böden erscheinen meist in kleinen Flecken, oft an Hangfüßen, und entstehen durch laterale Zufuhr eisenhaltiger Lösungen („pararubification“), wobei eine holozäne Entstehung – entgegen älterer Annahmen als Relikte vergangener Warmzeiten – durch Vorkommen in neolithischen Fundstellen belegt wird. Feuer als Ursache wurde ausgeschlossen, sodass pedogene Prozesse verantwortlich sind; in Deutschland werden ähnliche rötliche Böden traditionell mit Terra Rossa auf Kalkstein assoziiert, doch neue Erkenntnisse zu Löss-Einflüssen und holozäner Rubifizierung fordern eine Neubewertung. Ziel der Untersuchung ist es daher, die Genese der Fuchserden in Nordostdeutschland durch Analyse ihrer Verbreitung, mineralogischen und pedochemischen Zusammensetzung, genetischen Entwicklungspfade sowie mögliche Verwandtschaften zu benachbarten Böden zu klären.

Publikation: Hirsch et al. 2018 - https://doi.org/10.1016/j.catena.2018.11.039

Ansprechpartner: Dr. A. Bonhage