Erst der Dialog ermöglicht Veränderung

Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker und Prof. Hartmut Graßl sprechen im Interview über die nachhaltige Lausitz anlässlich des Geburtstages der BTU und des Aktionstages zur Aufklärung 2.0 "Wir sind dran!" am Donnerstag, 1. Juli 2021

BTU News: Wie sieht die nachhaltige Lausitz aus?

Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker: In Cottbus spüren wir eine enthusiastische Bereitschaft etwas Neues zu machen. Neben Potsdam ist Cottbus der Hoffnungspunkt, denn in der Region gibt es keine Flächenknappheit. Auf diesen freien Flächen könnte die Solarenergie eine große Rolle spielen. Sie ist 13 Mal so effizient wie die Energie aus Biomasse. Zudem hat die Solarenergie den Vorteil, dass der Schatten der Panels insbesondere in den warmen Sommermonaten bessere Bedingungen für Pflanzen und Tiere schafft.

Prof. Hartmut Graßl: Die Tagebaue in der Lausitz scheinen mir gut geeignet zu sein für die Nutzung erneuerbarer Energien. Auf den Hügeln könnten Windräder stehen. Sie würden oft die doppelte Energie ins Netz einspeisen. Solarenergie ließe sich auf den Flächen gut in Strom umwandeln.

BTU News: Welche Gefahren kommen auf uns zu?

Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker: 99 Prozent des Wissens ist ökonomisch organisiert. Das Geld fließt maßgeblich in wissenschaftliche Themen, die Profit versprechen. Doch der technische Forschritt enthält Gefahren, die oft von der Privatwirtschaft ignoriert werden. Der Staat muss die von der Privatwirtschaft liegengelassenen Themen fördern.

Prof. Hartmut Graßl: Mit der Digitalisierung steigt die Gefahr, dass die Kluft zwischen hochentwickelten Ländern und weniger entwickelten Ländern noch größer wird.

BTU News: Wie kann die Wissenschaft zur Lösung beitragen?

Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker: Die Technikfolgenabschätzung spielt eine wichtige Rolle, wenn es um die Gefahren von Technologien und deren sozialpolitischer Komponente geht.

Prof. Hartmut Graßl: Dazu brauchen wir die Grundlagenforschung und das unabhängige Denken der Wissenschaftler. Die Freiheit vom Zwang der Einwerbung von Drittmitteln ist dabei sehr wichtig.

BTU News: Was verstehen Sie unter einer nachhaltigen Universität?

Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker: Exzellenz ist disziplinär. Innovationskraft ist interdisziplinär. Interdisziplinarität muss das Ziel sein, etwa indem Umweltpolitik und Sozialpolitik zusammen gedacht werden.

Prof. Hartmut Graßl: Exzellenz braucht keinen Titel wie den der Exzellenzuniversität. Interdisziplinarität ist oft die Grundvoraussetzung für den Fortschritt. Meiner Ansicht nach brauchen wir insbesondere auch die Transdisziplinarität. Wenn es um technische und gesellschaftliche Veränderungen geht, müssen die Betroffenen mitreden können. Wenn ich beispielsweise Veränderungen an den Kulturpflanzen vornehme, ziehe ich vom ersten Tag an die, die es betrifft hinzu, die Bauern. Nur so kann ich die Probleme bei der Umsetzung der Projekte angehen.

Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker: Wichtig dabei ist, dass man keine Scheu vor Abwehrhaltungen hat, etwa wenn der Klimawandel in Frage gestellt wird. Erst der Dialog ermöglicht Veränderung.

Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker: Technische Universitäten haben die Neigung zu sagen: Technologie ist alles. Geisteswissenschaften seien nicht wichtig. Das ist ein riesengroßer Fehler.

BTU News: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Ihren Alltag?

Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker: Zuhören zuhören zuhören. Erst, wenn ich weiß, was mein Gegenüber bewegt, können wir gemeinsam Ideen entwickeln.

Prof. Hartmut Graßl: Wir leben unseren Alltag eher nachhaltig als der Durchschnitt: Wir nutzen wenig Energie, fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln und haben Kurzstreckenflüge eingestampft. Nur predigen geht nicht. Man muss Nachhaltigkeit selbst leben.

Die „Aktionstage zur Aufklärung 2.0: Wir sind dran!“ ist eine Veranstaltungsreihe der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. in Kooperation mit dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, der Deutschen Gesellschaft CLUB OF ROME und den veranstaltenden Hochschulen. Gemeinsam mit dem weltweit anerkannten Umweltwissenschaftler Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker stehen Hochschulen und Wissenschaftsinstitutionen dabei im Dialog zwischen Studierenden, Lehrenden sowie externen Expert*innen im Zentrum. Die Aktionstage sind Räume des Zukunftsdenkens zu Nachhaltigkeitsthemen und -projekten.

Ernst Ulrich von Weizsäcker gilt als einer der wichtigsten Vordenker für nachhaltige Entwicklung. Als Experte für Umwelt, Ökoeffizienz und Biologie verknüpft er in seinem wissenschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Wirken in einzigartiger Weise die großen Themenkomplexe unserer Zeit. Er war unter anderem langjähriger Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler, Co-Präsident des internationalen Club of Rome, sowie Gründungspräsident des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.

Prof. Hartmut Graßl ist em. Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie und ehem. Professor der Universität Hamburg. Neben seiner Funktion als Co-Vorsitzender der VDW hat er zahlreiche weitere Positionen in verschiedenen Gremien inne, z.B. Mitglied des NABU-Kuratoriums. Zuvor war Hartmut Graßl u. a. Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung „Globale Umweltveränderungen“ (WBGU), Mitglied von Enquête-Kommissionen des Deutschen Bundestages zum Schutz der Erdatmosphäre, Direktor des Weltklimaforschungsprogramms (WCRP) in Genf und Vorsitzender des Bayerischen Klimarates. Für seine Verdienste erhielt er zahlreiche Auszeichnungen wie etwa den Max-Planck-Forschungspreis, den Deutschen Umweltpreis der DBU und das Große Bundesverdienstkreuz am Bande.

Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker ist Schirmherr der Aktionstage zur Aufklärung 2.0 "Wir sind dran!"

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