„Alter Hörsaal – Neues Lernen“

Lehrende
Prof. Dr. phil. habil. Johanna Blokker
Dipl.-Ing.Claudia Winterstein
Inhalt
Mitten auf dem Campus liegt es im Dornröschenschlaf: ein ehemaliges Hörsaalgebäude aus der Zeit der DDR, seit Jahren ungenutzt, in Teilen bereits demoliert – und dennoch unter Denkmalschutz gestellt. Was auf den ersten Blick wie eine verlassene Ruine wirkt, ist in Wahrheit eine Zeitkapsel: ein bauliches Fragment, das den gesellschaftlichen Bildungsauftrag einer vergangenen Epoche in sich trägt. Genau hier setzt unser Seminar an.
In Zusammenarbeit von Baugeschichte und Denkmalpflege nähern wir uns dem Gebäude sowohl auf Forschungs- als auch auf Entwurfsebene. Zu Beginn steht die Bestandsaufnahme: Wir dokumentieren die vorhandene Substanz, rekonstruieren die Baugeschichte und lesen die Spuren von Nutzung, Verfall und partiellem Abbruch als Quellen. Welche Konstruktionsprinzipien, welche räumlichen Qualitäten, welche Materialien sind noch vorhanden – und was erzählen die fehlenden Teile über das Ganze? Aufbauend auf dieser Bauforschung erarbeiten die Studierenden eine fundierte Wertermittlung: Welche historische, konstruktive, erinnerungskulturelle und atmosphärische Bedeutung besitzt dieses Fragment, und wie lässt sich sein Denkmalwert im Spannungsfeld zwischen Erhalt und Verlust angemessen beschreiben?
Das Seminar begleitet das Entwurfsprojekt „Campus Commons“. Dort wird aus Analyse Entwurf: Die Studierenden entwickeln eigene, denkmalgerechte Konzepte für eine neue Nutzung des Gebäudes – und zwar als Lernort, der für die Formen des Lehrens und Lernens von morgen gedacht ist. Gefragt ist damit keine museale Konservierung oder rein technische Ertüchtigung, sondern ein sensibles, kreatives Weiterbauen: Interventionen, die aus dem Bestand heraus gedacht werden und ihm neue Lesbarkeit verleihen. Wie kann ein Fragment der DDR-Moderne zum Ausgangspunkt für einen innovativen, zukunftsweisenden Lehr- und Lernraum werden? Wie verbindet man Respekt vor der originalen Substanz mit dem Mut, digitale und KI-basierte Lehrformen räumlich zu denken?
Exkursionen vor Ort, Archivrecherchen und intensive Werkstattgespräche zwischen Erfassen und Bewerten, Erhalten und Gestalten prägen den Seminarverlauf. Am Ende steht nicht nur ein Entwurf, sondern ein vertieftes Verständnis dafür, wie Baugeschichte, Denkmalpflege und Architektur gemeinsam Zukunft gestalten können – exemplarisch an einem einzigartigen, fragmentarischen Zeugnis ostdeutscher Nachkriegsmoderne.
Organisatorisches
Seminar zum Entwurf des FG Entwerfen und Energieeffizientes Bauen (Prof. Dr.-Ing. Susan Draeger / Firdes Firat, Wasili Seidensal, Philip Stalbohm, Tine Teiml)
Prüfungsleistung: Portfolio bestehend aus mehreren Aufgaben
Termine und Orte
Dienstags 11:30 – 13:00 Uhr sowie Termine bei Entwurfsbetreuung (mittwochs)
Erster Termin und Einführung Di oder Mi/06. oder 07.10.2026 im Rahmen der Workshopwoche zum Entwurf des FG Entwerfen und Energieeffizientes Bauen 11:30-13:00, LG 2A AU.21
Studiengänge
Architektur Bachelor und Master
Bau- u. Kunstgeschichte Master
Klimagerechtes Bauen Master
