Langeweile und Kreativität im Schulkontext

Projektbeschreibung

Langeweile tritt im Schulalltag besonders häufig auf und beeinträchtigt das Lernen (Craig et al., 2004; Götz et al., 2018; Moeller et al., 2020; Pekrun, 2017; Tze et al., 2016). Befunde der pädagogischen Psychologie stellen Langeweile auch in den Zusammenhang mit Motivationslosigkeit und Störverhalten (Brown-Wright, et al., 2013) und räumen ihr sogar einen Stellenwert als Prädiktor für Depressionen und Delinquenz ein (Spaeth et al. 2015). Dagegen wird die Entwicklung kreativer Fähigkeiten als Ziel der Schulbildung formuliert und der Aktionsrahmen der Bildungsagenda 2030 sieht vor, Lernende mit den kognitiven Fähigkeiten auszustatten um kritisch, systematisch und kreativ zu denken (UNESCO 2014, 2017). Dies ist für die Bildungssysteme jedoch eine große Herausforderung (Grigorenko, 2019), insbesondere da Lehrende sich nicht darauf vorbereitet fühlen, Kreativität in ihren Klassen zu fördern (Kettler et al., 2018). Für diese kreativen kognitiven Leistungen im Schulkontext bestehen widersprüchliche Befunde im Zusammenhang mit Langeweile (Zeißig et al., in prep.). Ein Grund dafür können verschiedene Arten von Langeweile sein, die sich in Hinsicht auf Arousal und Valenz unterscheiden (Götz et al., 2014). Ziel des Vorhabens ist die Prüfung, ob sich diese postulierten Arten der Langeweile im Schulkontext unterschiedlich auf Indikatoren der Kreativität auswirken.

 

Das Vorhaben umfasst eine Übersichtsarbeit (Scoping Review) über die bisher im Bildungskontext vorhandenen empirischen Studien zum Zusammenhang von Langeweile und Kreativität und eine Tablet-basierte quantitative Untersuchung von SchülerInnen im Schulkontext (Experience-Sampling-Erhebung). Mit Hilfe der Übersichtsarbeit soll der verfügbare empirische Forschungsstand zum Zusammenhang von Langeweile und Kreativität analysiert und systematisiert werden. Mit der Experience-Sampling-Studie soll die direkt in der Schule auftretende situative Langeweile im Hinblick auf den Zusammenhang unterschiedlicher Langeweilearten mit Indikatoren von Kreativität untersucht werden. Diese Differenzierung kann perspektivisch der Veränderung lern- und kreativitätshinderlicher Bedingungen in der Schule bzw. der Entwicklung lern- und kreativitätsförderlicher Konzepte dienen.