ERT-gestützte Untersuchung des Untergrundes der Tempelanlage von Baalbek

Am archäologischen Fundort Baalbek im Lebanon wurden geophysikalische Untersuchungen durchgeführt, die sich auf den Untergrund des Jupiter-Heiligtums und seiner angrenzenden Bereiche konzentrierten. Ziel des Projekts war es, die lokalen geologischen Bedingungen besser zu verstehen, verborgene archäologische Strukturen zu identifizieren und zur Klärung der Frage beizutragen, weshalb das Monument an genau diesem Standort errichtet wurde. Hierzu kamen nicht-invasive geophysikalische Methoden zum Einsatz, wobei die Elektrische Widerstandstomographie (ERT) das zentrale Untersuchungsinstrument darstellte.

Ein wesentliches Ziel war die Charakterisierung der Geometrie des anstehenden Festgesteins sowie des Übergangs zwischen kompetentem Kalkstein und darüber lagernden unverfestigten Sedimenten. Diese Informationen sind entscheidend für die Interpretation der Bauweise und der Untergrundverhältnisse unterhalb der monumentalen Architektur. Darüber hinaus richtete sich die Untersuchung auf die Detektion oberflächennaher archäologischer Strukturen, darunter Fundamente, Mauern, wasserbezogene Bauwerke sowie unterirdische Elemente, die durch Ausgrabungen allein nicht zugänglich sind.

ERT-Profile wurden in zentralen Bereichen des Tempelkomplexes aufgenommen, darunter im Jupiter-Heiligtum, in angrenzenden Höfen sowie im Umfeld weiterer architektonischer Überreste. Die Methode ermöglichte die Untersuchung sowohl flacher archäologischer Strukturen als auch tiefer liegender geologischer Gegebenheiten innerhalb einer stark heterogenen und anthropogen überprägten Landschaft.

Die Ergebnisse weisen auf eine komplexe Untergrundarchitektur hin, die durch diskontinuierliches Kalkstein-Festgestein, variable Sedimentmächtigkeiten und klar ausgeprägte Widerstandskontraste im Zusammenhang mit archäologischen Strukturen gekennzeichnet ist. Mehrere Anomalien korrelieren mit bekannten architektonischen Elementen, während andere auf bislang nicht dokumentierte Untergrundstrukturen hindeuten. Die ERT-Daten ermöglichten zudem eine verbesserte Bestimmung von Tiefe und Morphologie des Festgesteins. Dabei zeigte sich, dass die topographische Situation in antiker Zeit deutlich anders war: Das Heiligtum befand sich auf einem erhöhten, dominanten Kalksteinsporn mit weiter Aussicht über das gesamte Gebiet, während heutige Sedimentationsprozesse das Gelände eingeebnet und die ursprünglichen topographischen Merkmale weitgehend überdeckt haben.

Das Baalbek-Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Baugeschichte der BTU sowie archäologischen Partnern des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), Berlin, initiiert und durchgeführt. Es bildete die Grundlage für mehrere Bachelor- und Masterarbeiten an der BTU Cottbus–Senftenberg und verdeutlicht den hohen Wert der ERT als zuverlässige und effektive Methode für archäologische und geoarchäologische Untersuchungen in komplexen Kulturerbestätten.