Geophysikalische Charakterisierung prähistorischer Kupferbergbaustrukturen im Mitterberg

Das Bergbaurevier Mitterberg in der Nähe von Salzburg in Austria zählt zu den bedeutendsten Regionen der prähistorischen Kupferproduktion in Mitteleuropa. Die Landschaft ist durch zahlreiche sogenannte Pingen geprägt, die als oberflächliche Ausdrucksformen umfangreicher untertägiger Bergbautätigkeiten aus der Bronzezeit zu verstehen sind. Diese Strukturen zeugen von einer langen Geschichte der Rohstoffgewinnung und liefern wertvolle Einblicke in frühe Bergbautechniken sowie deren Auswirkungen auf die alpine Umwelt.
Im Rahmen interdisziplinärer Forschungsinitiativen, koordiniert von archäologischen Teams aus Bochum, wurden im Untersuchungsgebiet geophysikalische Messungen durchgeführt, um ein besseres Verständnis der unterirdischen Bergbaustrukturen zu gewinnen. Unsere Arbeitsgruppe beteiligte sich an diesen Untersuchungen vor allem durch den Einsatz der Elektrischen Widerstandstomographie (ERT) und der Induzierten Polarisation (IP), ergänzt in ausgewählten Fällen durch Bodenradarmessungen (GPR), mit dem Ziel, die interne Struktur und die Tiefenausdehnung der Pingen zu charakterisieren. Wiederholte Feldkampagnen, häufig eingebunden in Lehr- und Forschungsaktivitäten von Studierenden, verfolgten dabei konsequent das Ziel, die Oberflächenmorphologie mit der erhaltenen untertägigen Architektur der prähistorischen Bergbauanlagen in Beziehung zu setzen.
Die entlang und quer zu ausgewählten Pingen aufgenommenen ERT-Profile zeigen deutliche Widerstandskontraste zwischen lockerem Verfüllmaterial und kompaktem Festgestein. Niedrigwiderständige Zonen stehen typischerweise im Zusammenhang mit verfüllten Schächten oder eingestürzten Stollen, während höher widerständige Bereiche als intaktes Festgestein oder als verbliebene Stützpfeiler interpretiert werden, die von den prähistorischen Bergleuten belassen wurden. In mehreren Fällen weisen vertikale oder geneigte leitfähige Strukturen auf ehemalige Zugangsschächte oder Bewetterungsstrukturen hin, die die Oberfläche mit tiefer gelegenen Abbauebenen verbanden. Die Ergebnisse zeigen, dass Ausrichtung und Geometrie der Pingen eng mit den zugrunde liegenden erzführenden Strukturen verknüpft sind und auf eine systematische Nutzung der Lagerstätte hindeuten.
Die Untersuchungen am Mitterberg unterstreichen den hohen Wert oberflächennaher geophysikalischer Methoden für die montanarchäologische Forschung. Die Kombination aus ERT, IP, lokalen GPR-Messungen und Geländebeobachtungen stellt einen robusten, nicht-invasiven Ansatz zur Rekonstruktion antiker Bergbausysteme dar und trägt zu einem vertieften Verständnis der frühen Rohstoffgewinnung in den Ostalpen bei.


