ERT-Untersuchungen zur archäologischen Prospektion in Petra

Die antike Stadt Petra im heutigen Jordan zählt zu den bedeutendsten archäologischen Stätten des Nahen Ostens. Bekannt für ihre in den Fels gehauene Architektur und ihre komplexen Wassermanagementsysteme entwickelte sich die Stadt im Laufe einer langen Wechselwirkung zwischen menschlicher Tätigkeit und einer anspruchsvollen natürlichen Umwelt. Die Forschung der letzten Jahrzehnte widmet sich zunehmend der architektonischen Entwicklung Petras, ihrer städtebaulichen Organisation sowie ihrer Anpassung an geologische und umweltbezogene Rahmenbedingungen.
In diesem Kontext untersucht ein interdisziplinäres Forschungsprojekt unter der Leitung des Lehrstuhls für Baugeschichte an der BTU Cottbus–Senftenberg in Zusammenarbeit mit Archäologinnen und Archäologen der Humboldt-Universität zu Berlin das städtebauliche Umfeld Petras, die angewandten Bautechniken sowie die Prozesse, die den Erhaltungszustand der architektonischen Überreste beeinflussen. Die geophysikalische Prospektion stellt dabei eine ergänzende Komponente dar und unterstützt die archäologische und bauhistorische Interpretation durch die Bereitstellung von Informationen über unterirdische Strukturen, die an der Oberfläche nicht mehr sichtbar sind.
Im März 2025 beteiligte sich der Lehrstuhl für Rohstoff- und Ressourcenwirtschaft der BTU im Rahmen einer geophysikalischen Testmessung auf Grundlage der Elektrischen Widerstandstomographie (ERT) an dem Projekt. Die Untersuchungen konzentrierten sich auf ausgewählte archäologisch relevante Bereiche und verfolgten das Ziel, die Anwendbarkeit der Methode unter den lokalen Boden- und Untergrundbedingungen zu prüfen sowie – sofern geeignet – unterirdische Strukturen und sedimentäre Kontexte zu charakterisieren, die für die Interpretation der Fundstelle von Bedeutung sind. Mehrere ERT-Profile wurden in der Nähe sichtbarer architektonischer Strukturen aufgenommen, wobei die Messparameter so angepasst wurden, dass sowohl flache als auch mitteltiefe Untergrundstrukturen aufgelöst werden konnten.
Die ERT wurde aufgrund ihrer Fähigkeit ausgewählt, Variationen des elektrischen Widerstands im Untergrund abzubilden, die mit Lithologie, Feuchtigkeitsgehalt und baulichen Strukturen in Zusammenhang stehen. Die Datenerfassung erfolgte mit einem Multielektrodensystem; die Auswertung basierte auf etablierten Inversionsverfahren und wurde in enger Abstimmung mit archäologischen Beobachtungen interpretiert. Die resultierenden Widerstandsmodelle zeigen deutliche Kontraste zwischen anstehendem Gestein, sedimentären Ablagerungen und potenziell verborgenen architektonischen Elementen und weisen auf das Vorhandensein unterirdischer Strukturen hin, die über die sichtbaren Überreste hinausreichen. Durch die Integration geophysikalischer Daten mit bauhistorischen und archäologischen Befunden leistet die Untersuchung einen Beitrag zu einem umfassenderen Verständnis der Untergrundstruktur Petras sowie der Prozesse der Platzbildung und Erhaltung.


