Planung mit und für die sorbische Minderheit – Tagung an der BTU
Wie schützt man eine Sprache mit Hilfe eines Raumordnungs- oder Bauleitplans? Und was hat der Strukturwandel der Lausitz mit sorbischer Kultur und Sprache zu tun? Auf den ersten Blick erscheint die Kombination von Regional- und Stadtplanung mit Minderheitenpolitik ungewöhnlich. Und doch: Die Frage, wie eine Minderheitskultur erhalten und weitergegeben werden kann, hängt eng mit Infrastruktur, Siedlungsentwicklung und konkreter räumlicher Planung und regionaler Entwicklung zusammen.
Ausgangspunkt der Tagung war eine Arbeitshypothese: Im deutsch-sorbischen Kontext fehlt trotz zahlreicher Aktivitäten und Akteursstrukturen noch eine tragfähige regionale Minderheitengovernance ebenso wie eine systematische fachliche Grundlage für die formelle Planung. Das kann nicht allein mit den klassischen Instrumenten der Minderheitenpolitik (Sprachförderung, Bildung und Kulturfinanzierung) gelingen. Kommunen, die wichtige Infrastruktur bereitstellen, und die Raumplanung sollten stärker berücksichtigt werden. Ihr Potenzial wird bisher kaum genutzt.
Das berührt nicht nur die Minderheitenpolitik. Die Frage, wie nichtmaterielle Kultur – und dazu gehört Sprache – als wissensbasierte Praxis in Planungsprozesse eingebettet werden kann, ist von allgemeiner Bedeutung für die Raumwissenschaften. Wenn wir (Minderheiten-)Kultur als kollektive Wissenspraxis verstehen und Governance als ein Problem des Wissensmanagements, eröffnen sich neue konzeptionelle Wege – auch jenseits des sorbischen Kontexts. Hier eröffnen sich vielfältige grundlagenorientierte, empirische und ko-kreative Forschungsperspektiven.
Die Tagung wurde vom Sorbischen Institut, Abteilung Regionalentwicklung und Minderheitenschutz in Kooperation mit dem Institut für Stadtplanung der Fakultät Architektur, Bauingenieurwesen und Stadtplanung der BTU Cottbus – Senftenberg veranstaltet.
Das Programm der Tagung können Sie hier abrufen.



