Die UNESCO-Stätte Tarnowskie Góry: Erforschung einer komplexen Bergbaulandschaft und ihrer Entwicklung mittels geoarchäologischer Methoden

Der Bergbau in Tarnowskie Góry in Oberschlesien, Polen, besitzt eine lange Tradition von internationaler Bedeutung. Bereits seit dem 12. Jahrhundert wurden dort Bleierz und Silber abgebaut und verhüttet, wie historische Aufzeichnungen belegen, die auch detaillierte Informationen zu den nachfolgenden Bergbauaktivitäten liefern. Besonders der Abbau von Bleiglanz (PbS) machte die Region im 16. Jahrhundert zu einem wichtigen Industriezentrum in Mitteleuropa. Obwohl das Bergbaugebiet 2017 von der UNESCO als Gebiet von außergewöhnlichem Wert anerkannt wurde, steckt die Erforschung seiner kulturellen und geökologischen Hinterlassenschaften noch in den Anfängen. Das Gebiet umfasst Tausende von Bergwerksschächten und Halden, die bislang nicht systematisch mit archäologischen, sedimentologischen, geomorphologischen oder pedologischen Methoden untersucht wurden. Während der Bergbau vom 16. bis zum 18. Jahrhundert gut dokumentiert ist, bleiben die früheren Phasen der Ausbeutung unklar; jüngste Studien haben begonnen, diese frühe Chronologie aufzudecken, doch bestehen noch erhebliche Lücken im Verständnis des zeitlichen Ablaufs und der Entwicklung der Bergbauaktivitäten.

Dieses deutsch-polnische Kooperationsprojekt ist das erste, das eine anspruchsvolle, multimethodische Untersuchung der Strukturen und Eigenschaften dieser einzigartigen Kulturlandschaft durchführt. Mit einem geoarchäologischen Ansatz, der mehrere Methoden kombiniert, sollen die bergbaulichen Überreste im UNESCO-Weltkulturerbe Tarnowskie Góry identifiziert und klassifiziert werden, um die komplexe Architektur der Landschaft aufzudecken und die wichtigsten Phasen ihrer Entstehung im Laufe der Zeit zu rekonstruieren. Der umfassende Ansatz verspricht neue Erkenntnisse in den Bereichen Geoarchäologie, Geschichte, Geomorphologie, Bodenkunde und Umweltwissenschaften und könnte als Modellvorhaben für andere historische und zeitgenössische Bergbaugebiete dienen.

Mittelgeber: DFG, Projektnummer: 575242668

Förderzeitraum: 2026 bis 2029

Fördersumme: 343.093€

Leitung: Prof. Dr. T. Raab; Dr. A. Bonhage