Kuppeln in der mittelalterlichen Architektur:
Konstruktion und Entwurf zwischen Orient und Okzident

Speyer, 11.-13. Februar 2027 (aktueller Planungsstand)

Gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung

BTU Cottbus Senftenberg, Fachgebiet Bautechnikgeschichte (D. Wendland, S. Nazari), in Zusammenarbeit mit dem Dombauamt Speyer, Dombauverein Speyer, Historisches Museum der Pfalz (Anfrage)
In der Architekturgeschichte wird der Bau von Kuppeln zunächst mit den großartigen, in ihrer Zeit beispiellosen Raumschöpfungen des Pantheon und der Hagia Sophia in Verbindung gebracht, die eine reiche Tradition von Kuppelbauten in der spätantiken und byzantinischen Architektur begründet haben. Ebenso wird an die Wiederaufnahme dieser emblematischen architektonischen Form in den großen Kuppeln von Santa Maria del Fiore und St. Peter gedacht, von denen ihrerseits die prominenten Kuppelbauten der Neuzeit ihren Ausgang genommen haben.
In der Tagung sollen Bauten untersucht werden, die zwischen diesen stehen: die mittelalterlichen Vierungskuppeln in Kirchen sowie die Kuppeln über besonders ausgezeichneten Räumen von Moscheen. Beide Traditionen nehmen im 11. Jahrhundert nahezu gleichzeitig ihren Anfang und umfassen jeweils zahlreiche bedeutende Bauwerke. In ihrer architektonischen Form und Bautechnik lassen sie oft Bezüge zu den Referenzbauten der Spätantike erkennen. Die großen Kuppelprojekte der Renaissance sind wiederum zwar explizit auf Pantheon, Hagia Sophia sowie auf Beobachtungen an weit gespannten Deckenkonstruktionen der Spätantike bezogen, knüpfen zugleich aber auch deutlich an die vorausgehende Entwicklung an, sind mitunter sogar tief verwurzelt in Entwurf und Konstruktion der mittelalterlichen Kuppeln und Gewölbe.
In der Zusammenschau von mittelalterlichen Kuppeln in Okzident und Orient wollen wir ein weites und vielfältig verflochtenes Gebiet architektonischen Schaffens und Wissens erkunden: Gemeinsamkeiten, mögliche Zusammenhänge oder Bezüge zwischen Bauwerken, die bislang eher isoliert betrachtet worden sind. Wie begegnete man jeweils den gleichen Herausforderungen bei Statik, Geometrie und architektonischer Gestaltung – in der gleichen Epoche und ähnlichem historischen Kontext? Wie intensiv, und auf welchen Wegen und mit welchen Narrativen, könnte ein Austausch von Ideen, Motiven und Konzepten stattgefunden haben?
Für die Wissenschaft bringen die untersuchten Bauten aufgrund ihrer Komplexität und anspruchsvollen Konstruktion hohe Anforderungen an die Methoden und Instrumente für die Vermessung, Dokumentation und Analyse mit sich. Somit bieten sie auch Gelegenheit, unterschiedliche Methoden und innovative Verfahren bei der Dokumentation sowie der Interpretation von Bauwerksdaten zu diskutieren.