Aktuelles Buchprojekt

Die katholische Kirche ist spätestens mit dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869-1870) zur Papstkirche geworden. Zugleich wurde diese Papstkirche durch die Missionierung Afrikas und Asiens zur Weltkirche. Da diese Entwicklung mit der massenmedialen Revolution des 19. und 20. Jahrhunderts zusammenfiel, ist der Papst heute einer der Menschen, der weltweit am meisten fotografiert, am meisten gefilmt, über den am meisten berichtet und am meisten debattiert wird.

Die solitäre Stellung des Papstes in der katholischen Kirche kam dabei den auf Personalisierung ausgerichteten Massenmedien entgegen. Im Gegenzug führte die Medialisierung des Papstes zur Individualisierung des Papstamtes – weg vom Amt hin zum jeweiligen Amtsträger. So stehen immer seltener päpstliche Lehrentscheidungen, Enzykliken oder Kardinalserhebungen im Fokus des öffentlichen Interesses, dafür immer häufiger die Person des Papstes selbst, sein Charakter und seine Handlungen als Mensch, vor allem aber die Symboliken und Rituale, in denen sich der Papst in Wort und Bild konkretisiert: seine Wahl, sein Name, sein Aussehen, seine Kleidung, seine Gesten, seine Reisen – und sein Sterben.

Der Papst wurde damit einerseits zum Objekt der Medien und päpstliches Handeln zunehmend auf Medien abgestimmt. Andererseits wurde der Papst aber auch zum Subjekt der Medien: Päpste verbreiten sich und ihre Botschaft über päpstliche Hoffotografen, päpstliche Pressesprecher, päpstliche Zeitungen, päpstliche Radiosender und päpstliche Fernsehsender. Entscheidend ist dabei, dass Päpste damit nur noch als Medienpäpste fassbar werden. Höchstens der Papst kennt den Papst noch als solchen, allen anderen bleibt er unzugänglich. Wenn man vom Papst sprechen will, muss man also zwangsläufig auch von den Medien sprechen.

Genau das nimmt sich der Band vor, aus der Perspektive verschiedener Disziplinen und Formen der Annäherung: Artikel renommierter Medien- und Kommunikationswissenschaftler, Literatur- und Filmwissenschaftler, Soziologen und Psychologen, (Kunst-)Historiker und Theologen sollen mit kürzeren journalistischen und biographischen, künstlerischen und satirischen, kirchenlehramtlichen und zeithistorischen Annäherungen prominenter Autoren kontrastieren. Letztere leiten jeweils die einzelnen Kapitel in essayistischer Form ein. Ziel des zirka 250-seitigen Bandes ist es, Reflexionen über den Papst und die Medien, wenn nicht umfassend oder vollständig, so doch interdisziplinär und multiperspektivisch zusammenzuführen.

Themen und Autoren

Geschichte, Kunstgeschichte

Essays:

  • Thomas Brechenmacher, Prof. Dr. (Historiker, Universität Potsdam): Die Palästina-Reise Pauls VI.
  • Lech Wałęsa (Präsident Polens, Nobelpreisträger): Der Papst und die Solidarność

Aufsätze:

  • Thomas Frenz, Prof. Dr. (Historiker, Universität Passau): Der Papst im Mittelalter
  • Joseph Imorde, Prof. Dr. (Kunsthistoriker, Universität Siegen): Weinende Päpste
  • René Schlott, Dr. (Historiker, Universität Gießen): Der Wandel als Event – Der Papstwechsel 2013 als historisches und mediales Ereignis

Theologie, Philosophie

Essays:

  • Stanisław Dziwisz, Kardinal (Erzbischof von Krakau, Privatsekretär von Papst Johannes Paul II.): Das Gebet als Kommunikationsform Johannes Pauls II.
  • Hans Küng, Prof. Dr. (Theologe, Publizist): Professionelle Kommunikatoren: Karol Wojtyla – Ronald Reagan

Aufsätze:

  • Andrzej Baczynski, Prof. Dr. (Medientheologe, Päpstliche Universität Krakau): Johannes Paul II. als Schöpfer medialer Ereignisse
  • Herbert Hrachovec, Prof. Dr. (Philosoph, Universität Wien): Joseph Ratzinger und Karl Rahner
  • Christian Wessely, Prof. Dr. (Fundamentaltheologe, Universität Graz): Vicarius Christi. Die mediale Existenz des Papstes und ihre Folgen

Soziologie, Psychologie

Essays:

  • Peter Fuchs, Prof. Dr. (Soziologe, Hochschule Neubrandenburg): Papst und Pop – eine nicht-triviale Begegnung
  • Michael Günter, Prof. Dr. (Psychiater, Universität Tübingen): Das päpstliche Dilemma zwischen roten ‚Fuß-Ferraris‘ und ‚Birkenstock‘-Sandalen
  • Steffen Möller (Bestsellerautor, Kabarettist): Das Pathos verlässt sein Kämmerlein – zum Tod von Johannes Paul II.

Aufsätze:

  • Petia Genkova, Prof. Dr. (Psychologin, Hochschule Osnabrück): Psychologische Aspekte der Medienwirkung von Papst-Auftritten
  • Stella Grotowska, Prof. Dr. (Soziologin, Universität Breslau): Das private Leben des Papstes und das Präsenzproblem der Frau in der Kirche

Kommunikationswissenschaft, Publizistik

Essays:

  • Leo Fischer (Chefredakteur, „Titanic“): Wie komisch ist der Papst?
  • Adam Michnik (Chefredakteur, „Gazeta Wyborcza“): Wohin steuert Franziskus
  • Peter Szyszka, Prof. Dr. (Kommunikationswissenschaftler, Hochschule Hannover): Zwischen Persönlichkeit und Rolle: Wie authentisch kann eigentlich ein Papst sein?

Aufsätze:

  • Christian Klenk, Dr. (Journalistik, Katholische Universität Eichstätt): Das ‚Besondere’ der aktuellen Berichterstattung über Papst Franziskus
  • Günther Wirsching/Matthias Wolff, Prof. Dr./Prof. Dr. (Mathematiker, Katholische Universität Eichstätt/Kommuni­ka­tions­techniker, Brandenburgische Technische Universität): Me­dien, Päpste und Kommunikation

Literatur- und Medienwissenschaft

Essays:

  • Artur Becker (Schriftsteller): Mein Papst
  • Peter Prange, Dr. (Schriftsteller, „Der Kinderpapst“): Meine Päpste und ich

Aufsätze:

  • Peter Klimczak, Dr. (Medienwissenschaftler, Bran­den­burgische Technische Universität): „Popetown“. Eine skandalöse Serie? Ein serieller Skandal!
  • Volker Schupp, Prof. Dr. (Altgermanist, Universität Freiburg): „Der babest ist ze junc“. Wie der Papst mit Walther von der Vogelweide und Innozenz III. die deutsche Dichtung betrat.
  • Marcus Stiglegger, PD Dr. (Filmwissenschaftler, Universität Mainz): Die unbequemen Schuhe des Fischers. Der Papst im Film

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