Restaurierung aquatischer Ökosysteme
Wissenschaftliche Bewertung als SchlüsselelementAnthropogene Einflüsse auf Flussökosysteme und die Notwendigkeit von Restaurierungsmaßnahmen
Eine der Hauptaufgaben der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union ist die Bewertung aquatischer Ökosysteme und die Beurteilung ihres ökologischen Zustands. Bei einem Zustand unterhalb von „sehr gut“ und „gut“ müssen Restaurierungsmaßnahmen ergriffen werden, um die Gesundheit des Ökosystems zu verbessern. Leider erfüllten bei der letzten Bewertung des ökologischen Zustands der Flüsse in Deutschland im Jahr 2021 nur 8 % die Zielvorgaben für einen sehr guten oder guten Zustand. Tatsächlich wurde mehr als die Hälfte der bewerteten Fließgewässer als schlecht oder sogar sehr schlecht eingestuft. Es sind also umfangreiche Maßnahmen erforderlich, um die Flussökosysteme zu erhalten und ihre Funktionen wiederherzustellen, damit sie zu gesunden Ökosystemen werden.

Zu den Hauptursachen für anthropogene Einflüsse auf aquatische Ökosysteme zählen die Kanalisierung und Entwässerung von Überschwemmungsgebieten, übermäßige Nährstoffeinträge, Wasserentnahme und Staudammbau. Bei Flüssen wurden Phosphoreinträge sehr gut bekämpft und auch die Wasserentnahme wurde reduziert. Was den Dammbau betrifft, so sind Renaturierungsmaßnahmen oft schwierig, da Dämme für die Versorgung mit Ressourcen (z. B. Trinkwasser) oder für die Wasserkraftnutzung genutzt werden, zwei für den Menschen wichtige Ökosystemleistungen. Ebenso sind viele der ehemaligen Auen heute Ackerland, und viele Entwässerungssysteme und Flussläufe sind erhalten geblieben. Es gibt jedoch Renaturierungsprojekte, um Auengebiete wieder dem Fluss zurückzugeben und die Möglichkeit von Überschwemmungen zu erhöhen, um Auenwälder und ihre Organismengemeinschaften zu erhalten. Ein solches Projekt wurde in der Dahme bei Staakmühle (Gemeinde Briesen, Brandenburg, Deutschland) durchgeführt, wo der durch die Kanalisierung verursachten Erosion des Flussbettes durch Aufschüttung von Kies entgegengewirkt wurde und ein ehemals abgeschnittener und ausgetrockneter Mäander ausgehoben und wieder angeschlossen wurde, um die Fließlänge um etwa 130 m zu verlängern und so das Gefälle und die Erosion des Flusses zu verringern. Anschließend wurde der Mäander seine Ufer erodieren lassen, in der Hoffnung, dass die nahe gelegenen Waldgebiete überflutet werden.
(https://www.feuchtwaelder.de/projekttagebuch/auenwaelder-brauchen-wasser.html)
Um Renaturierungsprojekte bewerten zu können, bedarf es einer klaren Aussage zu den erwarteten Renaturierungsergebnissen. Leider sind die Ziele der Renaturierung von Ökosystemen oft nicht klar definiert, und Projekte werden selten über die Umsetzung der Renaturierungsmaßnahme hinaus bewertet (hauptsächlich aufgrund finanzieller Zwänge), was die Bewertung des Renaturierungserfolgs erschwert. In anderen Fällen sind die Renaturierungsziele zwar definiert, wie beispielsweise im Dahme-Projekt für die Auwälder, aber zusätzliche Auswirkungen werden nicht berücksichtigt oder überwacht. Im Falle einer Mäanderwiederanbindung wird der Lebensraum im Flusslauf vollständig neu geschaffen und bietet eine Chance für eine schnelle Besiedlung durch Flusslebewesen wie benthische Makroinvertebraten. Darüber hinaus können durch die Umsetzung Strukturen im Flusslauf entstehen, die in anderen Teilen des Flussökosystems nicht mehr vorhanden sind. Im Falle der Renaturierung der Dahme wurde Kies hinzugefügt, um das Flussbett anzuheben und eine anfängliche Erosion und Einschnitte zu vermeiden, wodurch eine Heterogenität des Lebensraums für Organismen im Fluss geschaffen wurde, da gröbere Sedimente in den nahe gelegenen Abschnitten der Dahme praktisch nicht vorhanden sind. Der Einfluss der Renaturierung dürfte somit über die erklärten Ziele hinausgehen, und wir sind dabei, die Auswirkungen der Renaturierung der Dahme im Flussbett im Vergleich zu a) einer Mäander, die nie begradigt wurde, aber vor Jahrzehnten eine gewisse Uferbefestigung erfahren hat, und b) den für den Flusstyp der Dahme festgelegten Referenzbedingungen (Flusstyp 14 oder 15, je nach Lage entlang der Dahme) zu bewerten.
