Umgestaltung von Altstadtkernen in Mittel- und Kleinstädten in Plattenbauweise in der DDR: Die Beispiele Bernau, Gotha und Greifswald

Greifswald in den 1980er Jahren
Greifswald in den 1980er Jahren

Im Zentrum des Forschungsvorhabens stehen die experimentellen Planungen und Baumaßnahmen der ostdeutschen Städte Bernau, Gotha und Greifswald in 1970er und 1980er Jahren. Entsprechend einem Beschluss des Zentralkomitees der SED am 2. Oktober 1973 wurden die Bauaufgaben dieser Städte zum Erarbeiten und Erproben exemplarischer städtebaulicher und architektonischer Gestaltungsgrundsätze für die sozialistische Umgestaltung der Altstadtkerne von Mittel- und Kleinstädten erklärt.

Die von der Bauakademie der DDR erarbeiteten Planungen für die „Rekonstruktion historischer Stadtkerne“ waren eine Mischung aus Instandsetzung, Modernisierung, Sanierung und Abriss der Altbausubstanz mit anschließender Neubebauung. Ein wesentlicher Punkt der Bauinitiative war dabei die technologische Entwicklung adaptierter Formen des Großtafelbausortiments für historische Altstadtbereiche. Trotz gleichgelagerter Zielsetzungen und Anforderungen haben alle drei Städte unterschiedliche Lösungen hervorgebracht.

Das kulturwissenschaftlich angelegte Forschungsvorhaben soll anhand eines Städtevergleichs die Widersprüchlichkeit der ideellen und materiellen Aneignung des städtebaulichen Erbes in der Spätphase der DDR aufzeigen. Denn einerseits wurde der Wert einzelner vorhandener Baudenkmale und historischer Ensembles hervorgehoben, deren Erhalt auch größtenteils angestrebt war. Andererseits bestand das Prinzip dieser Maßnahmen zunächst in der größtmöglichen Beseitigung der Altbausubstanz. Die ursprünglichen historischen Stadtstrukturen sollten wiederum im Sinne einer Stadtbildpflege in manchen Planungen schon früh, bei anderen in erst in späteren Überarbeitungen der Bauvorhaben nach Möglichkeit erhalten bleiben. Mittlerweile sind die damaligen Neubau- und Rekonstruktionsvorhaben aus der DDR-Zeit selbst historisch geworden, so dass sich die Frage nach dem Umgang mit der städtebaulichen Vergangenheit in historischen Altstadtkernen in der Gegenwart erneut stellt.

Bearbeiterin: Katharina Sebold

 

Bildquelle:
Wissenschaftliche Sammlungen des Instituts für Regionalentwicklung und Strukturplanung, Autor unbekannt