

China steht am Anfang seiner Transformation von einer linearen zu einer zirkulären Wirtschaft. Mit dem wachsenden globalen Interesse an chemischem Recycling (CR), aufgrund dessen Beitrag zu dieser Transformation, sowie zu anderen aktuellen Herausforderungen, wie der globalen Plastik-/ Abfallkrise, dem Erhalt der Primärressourcen, der Erhöhung der Versorgungssicherheit, sowie der Notwendigkeit zur Reduktion der CO2-Emissionen, erschienen viele Publikationen über die technische Umsetzung von CR. Dennoch fehlt es derzeit an Informationen über die gesellschaftlichen, sozialen, wirtschaftlichen und innovationspolitischen Voraussetzungen in China. Um diese Lücke zu schließen, fokussiert sich die Forschung des Projekts CRC3-Economy auf:
(1) Identifizierung des Status Quo in Chinas Abfallwirtschaft und Chemie bei der Transformation zu einer Kohlenstoffkreislaufwirtschaft, sowie der Auswirkungen von CR auf Klima, Umwelt, und Gesellschaft,
(2) Analyse von CR im Kontext chinesischer Innovationspolitik, entlang der institutionellen und menschlichen Dimensionen,
(3) Vergleich verschiedener innovationspolitischer Instrumente in China und Deutschland am Beispiel von CR, sowie
(4) Ableitung von Empfehlungen zur Erhöhung der öffentlichen, marktbezogenen und politischen Unterstützung am Beispiel von CR.
CRC3-Economy befasst sich daher mit aktuellen Themen, die nicht nur für China, sondern auch für Deutschland und die globale Gesellschaft von Relevanz sind. Im Rahmen des Projekts wird neben Schlüsselakteuren der Kohlenstoffkreislaufwirtschaft auch die breite Öffentlichkeit in China eingebunden, um fundierte Einblicke zu ermöglichen, die über den Blick aus der Wissenschaft hinausgehen. Damit dieses Wissen auch nach Projektende nachhaltig genutzt werden kann, wird das NK2 Netzwerk für Kohlenstoffkreislaufwirtschaft als Austauschpartner/Multiplikator involviert, um den Transfer des neuen Wissens in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in Deutschland/ der EU zu fördern.




Dieses Projekt wurde 2017 im Rahmen des BMBF Nachwuchsgruppen Programms Globaler Wandel 4+1 an Prof. Roh Pin Lee vergeben, als sie Leiterin der Abteilung Technikfolgenabschätzung am Institut für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen (IEC) der TU Bergakademie Freiberg war. Trotz ihres Wechsels an die BTU Cottbus im Oktober 2023 arbeitet Prof. Lee in diesem Projekt eng mit dem IEC zusammen und bleibt die Ansprechpartnerin für Anfragen.
Politische und industrielle Entscheidungsträger werden mit der Aufgabe konfrontiert, technologische Innovationen auf dem Weg zu einer kohlenstoffarmen bzw. -neutralen Wirtschaft zu unterstützen, und gleichzeitig die Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie sicherzustellen. Die Komplexität des Entscheidungsumfelds macht es hochgradig anspruchsvoll einen ganzheitlichen und fundierten Überblick über die sozialen, technologischen, ökonomischen, ökologischen und politischen (STEEP) Aspekte der Wertschöpfungskette zu erhalten. Um die Aufschlüsselung und Quantifizierung der komplexen Entscheidungsumgebung zu unterstützen, nutzt dieses interdisziplinäre Forschungsprojekt einen systemischen Ansatz zur Entwicklung von STEEP-Methoden/-Tools zur Bewertung von Technologie- und Ressourcenketten, die als Kohlenstoffrohstoffalternativen für die Industrie zur Herstellung von Mehrwertprodukten darstellen.
Das Projekt stützt sich auf Konzepte/Methoden aus den Sozialwissenschaften und technischen Disziplinen (u.a. Entscheidungswissenschaften, Betriebswirtschaftslehre, Ressourcenmanagement, Ingenieurwissenschaften), um die folgenden Aktivitäten durchzuführen:
- Vergleichende Technologiebewertung bestehender/vielversprechender Technologien zur Herstellung kohlenstoffbasierter Produkte/Kraftstoffe,
- Ressourcenkettenbewertungen für alternative Kohlenstoffrohstoffe mit einem Lebenszyklusansatz, der politische und soziale Aspekte integriert, um validierte technisch-ökonomisch-ökologische Modelle zu ergänzen,
- Untersuchung des Wissens, Wahrnehmung und Akzeptanz der Öffentlichkeit über alternative Kohlenstoffrohstoffe und damit verbundener Technologien/Infrastrukturen,
- Entwicklung praktischer Empfehlungen für Bildungs-/Engagementmaßnahmen und einer STEEP-Toolbox zur Entscheidungsunterstützung.
Ziel des Projekts ist es, durch seine Aktivitäten, neben der Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses, ein besseres Verständnis des Rohstoffsystems als sozialtechnisches System zu ermöglichen. Darüber hinaus gibt es konkrete Empfehlungen zur Unterstützung einer fundierten Entscheidungsfindung und Maßnahmenentwicklung für den Übergang zu einer wettbewerbsfähigen, CO2-armen, sicheren und nachhaltigen Rohstoffwirtschaft in der deutschen Industrie.
- Videos zur Wissenschaftskommunikation: https://tu-freiberg.de/steep-carbontrans/mediendownload
- Das STEEP-CarbonTrans Online-Tool zur Entdeckung alternativer Möglichkeiten für die Transformation der chemischen Industrie hin zu nachhaltiger Chemie: https://steep.climatemedia.de/
