Der Umgang mit kriegszerstörten Kirchen in der SBZ/DDR

Dr. Henriette von Preuschen

Für die abgeschlossene Geschichtsepoche der SBZ/DDR sollen die Wechselwirkungen von Politik, Denkmalpflege und Architektur auf den Umgang mit kriegszerstörten Kirchen untersucht und anhand von Fallbeispielen dargestellt werden.

Die Bandbreite der zu untersuchenden Kirchen ist groß: Provisorien des Wiederaufbaus – wie auch Notkirchen – bilden eine erste Gruppe. Ein Beispiel hierfür ist die Dresdner Kreuzkirche, deren Innenraum nach der schweren Beschädigung durch den Bombenangriff auf Dresden im Februar 1945 in einer vereinfachten Form durch den Architekten Fritz Steudtner (1896–1986) in Rauputz neu gestaltet wurde. Kirchen wurden im Wiederaufbau rekonstruiert oder in zeitgenössischer Formensprache und mit neuer Grundrissdisposition wiederaufgebaut, wie die katholische St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin durch den Düsseldorfer Architekten Hans Schwippert (1899–1973). Zahlreich sind Purifizierungen im Wiederaufbau, d. h. verkürzt gesagt die Entfernung von Ausstattungen aus der Zeit des Historismus oder des Jugendstils.

Es gab Kirchen, die Ruine blieben, da sich alle Bemühungen um den Wiederaufbau aus den verschiedensten Gründen als vergeblich erwiesen. Verschiedene Kirchen wurden abgebrochen oder gesprengt wie die Garnisonkirche in Potsdam oder die Sophienkirche in Dresden. Auch Kirchen, die durch eine erweiterte Nutzung oder eine Umnutzung im Wiederaufbau neu gestaltet wurden, sind von Interesse. Ein Beispiel ist die barocke Dreikünigskirche in Dresden, deren Wiederaufbau 1984-90 als übergemeindliches Haus der Kirche unter Aufteilung des Inneren mit verkleinertem Kirchenraum und zahlreichen Veranstaltungsräumen erfolgte. Schließlich werden seit Mitte der 1970er Jahre auch Umnutzungen von Kirchen vorgenommen – wie bei der Kirche St. Katharinen in Stralsund, die zum Meeresmuseum ausgebaut wurde.

Für die Einordnung und Bewertung der geschilderten Bandbreite sind zahlreiche Faktoren von Relevanz: der Umgang mit dem kulturellen Erbe und das Interesse eines sozialistisches Staates an Erhalt und Wiederaufbau von Kirchen, sein Geschichtsverständnis, die Haltung gegenüber dem baulichen Erbe aus preußischer und wilhelminischer Zeit und gegenüber dem baulichen Erbe, das durch den Nationalsozialismus vereinnahmt wurde. Außerdem steht die Haltung des Kommunismus zur Religion und zur Institution Kirche und die damit verbundene Kirchenpolitik des Staates und seine Möglichkeiten der Einflussnahme, Kooperation und Repression im Zentrum der Arbeit. Weiter sind die denkmalpflegerische Haltung und die Möglichkeiten des Instituts für Denkmalpflege von Bedeutung. Auch die zeitgenössischen Strömungen im Städtebau, in der Architektur und im besonderen im Kirchenbau in der DDR – aber auch in der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion – werden in die Untersuchung eingebunden.

Publikationen

Preuschen, Henriette von: Der Griff nach den Kirchen. Ideologischer und denkmalpflegerischer Umgang mit kriegszerstörten Kirchenbauten in der DDR (Forschungen und Beiträge zur Denkmalpflege im Land Brandenburg, Bd. 13). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2011. ISBN: 978-3-88462-315-2

Preuschen, Henriette von: Der Griff nach den Kirchen. Ideologischer und denkmalpflegerischer Umgang mit kriegszerstörten Kirchenbauten in der DDR, in: Leo Schmidt (Hrsg.): Forschen, Bauen & Erhalten : Jahrbuch 2010/2011. Berlin 2011, S. 132–136.

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