Erklärung des Fachgebiets Technik- und Umweltsoziologie zu den Tarifverhandlungen im Dezember 2023

06.12.2023

Am 7. Dezember beteiligen wir, die Mitarbeitenden des Fachgebiets, uns am ganztägigen Warnstreik, unterbrechen den Alltag unseres Fachgebiets und schließen uns den Forderungen und Aktionen der bundesweiten Tarifbewegung an. Die Fachgebietsleitung solidarisiert sich mit Forderungen der Mitarbeitenden. Wir, Mitarbeitende aus Forschung, Lehre und Verwaltung sind bereit im Rahmen der aktuellen Tarifauseinandersetzung und darüber hinaus für bessere Arbeitsbedingungen an der BTU Cottbus-Senftenberg sowie im gesamten akademischen Bildungsbereich zu streiten.

Wie an vielen Stellen im Bildungsbereich verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg seit Jahren und sind oft nicht mehr zumutbar. Besonders drastisch ist die Situation in der Verwaltung: Personalmangel, Überlastung, unattraktive Vergütung, fehlender Inflationsausgleich, hohe personelle Fluktuation. (Selbst-)Verwaltungswissen geht damit verloren und Stellenneubesetzungen werden verschleppt. Wir empfinden dies mittlerweile als Abwärtsspirale. Unter dieser Situation leiden wir alle; sie droht gute Lehre und Forschung an der gesamten Universität zu untergraben.

Das Fundament des akademischen Alltags sind die Mitarbeitenden in der Verwaltung. Sie bilden den kundigen und beständigsten Kern unserer Universität. Sie gewährleisten einen funktionierenden Ablauf des akademischen Lebens und sind zentrale Säule der Selbstverwaltung. Die Sekretariate leisten anspruchsvolle, geschäftsführende Assistenzarbeit. Eine substanzielle Lohnerhöhung ist dringend nötig. Längst fällig sind außerdem eine Überarbeitung der Stellenprofile und Höhergruppierung unserer Sekretariatsstellen. Nur über Aufwertung und Entlastung dieser Stellen wird es gelingen, die Abwärtsspirale zu durchbrechen.

Auch studentische Mitarbeitende sind unverzichtbar in Forschung und Lehre. Ihre Entlohnung stagniert jedoch auf Mindestlohn-Niveau, während Lebenshaltungskosten auf Grund der Inflation auch in Cottbus enorm steigen. Wir fordern eine Entlohnung von studentischer Mitarbeit, die substanziell zum Lebensunterhalt von Studierenden beiträgt. SHK-Stellen dürfen kein Privileg gut situierter Studierender und Gefahr für das Vorankommen im Studium sein.

Akademische Mitarbeitende leisten nicht nur wesentliche Beiträge zur Forschung, sondern sind auch zentral in der Lehre. Sie sind aber zu großen Teilen befristet und Teilzeit beschäftigt. Unsichere Zukunftsperspektiven, Kurzzeitverträge und strukturell erzwungene unbezahlte Arbeit schaden nicht nur den Beschäftigten, sondern dem ganzen Universitätsbetrieb.

Wir alle, Verwaltungsmitarbeitende, Studentische Mitarbeitende, der Mittelbau, Professor*innen und natürlich auch die Studierenden leiden unter diesen Bedingungen und teilen die gleichen Anliegen. Gemeinsam arbeiten wir unermüdlich, um sicherzustellen, dass Lehre, Forschung und Verwaltung funktionieren. Doch dies wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Gute und kritische Forschung sowie Lehre, die Kernaufgaben der Universität, sind gefährdet. Einige dieser Probleme lassen sich im Rahmen der aktuellen Tarifrunde oder auf der Ebene der BTU angehen.

Die Unterfinanzierung der Universität und die Prekarisierung des akademischen Arbeitens werden wir in den kommenden Jahren darüber hinaus auf verschiedenen Ebenen angehen müssen, damit die Universität ihrer gesellschaftlichen Rolle gerecht werden kann. Ein Beispiel dafür ist Logik der Drittmittel-Projekte mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Ein Paradox der neoliberalen Universität ist es, dass höhere Löhne für die akademisch Beschäftigten nicht höhere Projektbudgets in Drittmittel-Projekten bedeuten. Lohnerhöhungen führen hier de facto zu Projektzeitverkürzungen mit einem entsprechend verdichteten Arbeitsvolumen in kürzerer Zeit. Dieser Effekt zeigt deutlich, dass die Finanzierung der universitären Forschung überwiegend über Drittmittel ein nicht nachhaltiger Weg ist, der zu Stress, Verschleiß und schlechter Qualität führt. Wir sind für eine völlig andere Grundfinanzierung von Forschung und Lehre, die sich nicht an neoliberalen so genannten Exzellenz- und Wettbewerbskriterien misst, sondern an der Frage, welche Arbeitsbedingungen für eine gute Forschung und Lehre notwendig sind.

Wir solidarisieren uns statusübergreifend. Angesichts der explodierenden Lebenshaltungskosten sind Lohnerhöhungen von über 10%, mindestens aber 500 € mehr, gerade für die unteren Entgeltgruppen unerlässlich. Gute Arbeitsbedingungen in Verwaltung, Service, Technik, Forschung und Lehre sind unabdingbar für eine funktionierende Hochschule, exzellente und kritische Wissenschaft.


06. Dezember 2023

Link zum Streikaufruf der GEW Brandenburg: https://www.gew-brandenburg.de/2023/12/presseerklaerung/