FrauenOrt Bilillee Machbuba (2025)

Im Sommersemester 2025 arbeiteten die Studierenden des Moduls BTU4Future gemeinsam mit der Künstlerin und kritischen Kuratorin Patricia Vester in Kooperation mit FrauenOrte Brandenburg an der Gestaltung des 50. FrauenOrtes in Brandenburg: für Bilillee Ajiamé Machbuba an der BTU.

Ziel war es, einen Ort zu schaffen, an dem verschiedene Perspektiven auf die Kolonialgeschichte reflektiert werden können, und insbesondere marginalisierte Perspektiven hervorzuheben sowie Erinnerungskulturen zu dekolonisieren.

Standort der Gedenktafel für Bilillee Machbuba
Konrad-Wachsmann-Allee 4-6
03046 Cottbus

Am 9. Juli 2025 fand an der BTU die öffentliche Einweihungsfeier des FrauenOrtes von Bilillee Machbuba statt. Die Veranstaltung war ein großer Erfolg: Zahlreiche Studierende, Mitarbeiter*innen und Bürger*innen aus Cottbus nahmen an der offenen Diskussion über kritische Erinnerungskultur an der BTU und in Cottbus teil. Die traditionelle äthiopische Kaffeezeremonie begleitete die Veranstaltung mit herrlichen Düften sowie köstlichem Kaffee und Popcorn. Am selben Tag fand auch der Bautag statt, an dem die BTU4Future-Studierenden die zuvor entworfenen Pläne für den Erinnerunsort umsetzen. So wurden Pflanzen rund um die Tafel gepflanzt und eine Baumbank gebaut von der aus man die Erinnerungstafel betrachten kann.

Medienberichte über die Eröffnungsfeier:

https://www.tagesschau.de/inland/regional/brandenburg/rbb-gedenktafel-in-cottbus-erinnert-kuenftig-an-kindersklavin-von-fuerst-pueckler-100.html

https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2025/07/bilillee-machbuba-fuerst-pueckler-gedenktafel-cottbus-frauenorte.html

https://www.saechsische.de/lokales/goerlitz-lk/weisswasser/brandenburg-wuerdigt-machbuba-gedenktafel-erinnert-an-die-geschichte-von-puecklers-begleiterin-YFUCMWNYZNBUPJFVYQQVDHQSGU.html

Eindrücke von der Veranstaltung

The memorial plaque for Bilillee Machbuba has stood on Konrad-Wachsmann-Allee since last December. Students on the BTU4Future module have spent the last few months working with artist Patricia Vester to further develop the women's memorial. A place has now been created around the Women's Place for Bilillee Ajiamé Machbuba at BTU to reflect on different perspectives on (colonial) history and, in particular, to highlight marginalised perspectives and decolonise cultures of remembrance.

Programme

12:00-16:00
Hands-on construction day for students at the Frauenort
open to all who are interested to help out

17:00-19:00
Official opening ceremony of the 50th women's site

17:00 Greetings

  • Prof. Dr. p.h. habil. Gesine Grande, President of BTU Cottbus-Senftenberg
  • Patricia Vester, intervention designer and process facilitator on colonial contexts, lecturer as part of "BTU4Future"
  • Elio Gäbelein,Women's Political Council and FrauenOrte Land Brandenburg


17:30 Unveiling of the plaque and presentation of the student room design

17:45 Open discussion: Critical remembrance culture at BTU and in Cottbus

  • Dr. Gabriela Willbold, Initiator of Black Culture of Remembrance on Bilillee
  • Dr. Stefan Körner, Board of the Fürst-Pückler-Museum Foundation
  • Dr. Adeline Abimnwi Awemo, Chairwoman of the German-African Association Cottbus, member of the CDU Cottbus
  • Aline Erdmann, Equal Opportunities Commissioner of the City of Cottbus
  • Prof. Melanie Jaeger-Erben, Head of "BTU4Future" and head of the departement "Sociology of technology and the environment"
  • Mohamed Elhag, Administrator for the Bachelor's degree program “Environmental and Resource Management”


18:30 Closing with a traditional Ethiopian coffee ceremony

Location: Konrad-Wachsmann-Allee 4-2, 03046 Cottbus, https://maps.app.goo.gl/SPATuBNQvZXoDpvf7

Wer war Bilillee Machbuba? 

Ein Hörspaziergang entstanden in Zusammenarbeit mit den FrauenOrten Brandenburg.

Bilillee Ajiamé Machbuba – Ein kurzes Leben, eine lange Erinnerungsgeschichte

Bilillee Ajiamé Machbuba wurde um 1825 im heutigen Westäthiopien geboren, wahrscheinlich in der Region Guumma in den Oromo-Gebieten. Sie wurde während eines der vielen regionalen Sklavenraubzüge entführt, die Ostafrika im 19. Jahrhundert heimsuchten. Von dort wurde sie über Gondar nach Khartum verschleppt, einem zentralen Knotenpunkt des nordostafrikanischen Sklavenhandels (Wikipedia, 2024; Wien Museum Magazin, 2023).

Wer war Bilillee? Audiobeitrag über Bilillee Machbuba (erstellt von den Studierenden):

Im Jahr 1837 begegnete der deutsche Adlige Prinz Hermann von Pückler-Muskau während seiner Reisen durch Ägypten und den Sudan der damals noch jugendlichen Bilillee auf dem Sklavenmarkt in Khartum und kaufte sie. Von diesem Zeitpunkt an war sie als Machbuba bekannt – ein Name, der auf Arabisch „Geliebte“ bedeutet, ihr jedoch wahrscheinlich während ihrer Gefangenschaft aufgezwungen wurde. Pückler brachte sie nach Europa, wo sie in Wien und Muskau als exotische Kuriosität präsentiert wurde. Dies entsprach der orientalistischen Faszination und der rassistisch geprägten Ästhetik jener Zeit, in der nicht-europäische Frauen, insbesondere schwarze Frauen, als Symbol für Schönheit und Andersartigkeit, jedoch selten als vollwertige menschliche Subjekte betrachtet wurden (Vester, 2023).

Machbuba lebte auf Pücklers Anwesen in Schloss Muskau, im heutigen Ostdeutschland. Trotz des Reichtums ihrer Umgebung litt sie unter kultureller Entfremdung, Isolation und nachlassender Gesundheit. Sie starb jung – am 27. Oktober 1840, möglicherweise an Tuberkulose –, als sie erst etwa 15 bis 17 Jahre alt war. Pückler ließ sie im Landschaftspark seines Anwesens unter einem stilisierten Grabstein mit orientalistischen Motiven beisetzen. Ihr Grab befindet sich bis heute in Bad Muskau und ist ein greifbares Zeugnis dafür, wie das Europa der Kolonialzeit schwarze Menschen ausbeutete und zum Schweigen brachte, während es ihre Präsenz ästhetisierte (Wikipedia, 2024).

In ihrem 2023 erschienenen Arbeitsbuch „gelebt – Das kurze Leben der Bilillee Ajiamé Machbuba“ holt Patricia Vester Machbubas Geschichte aus den Randbereichen der europäischen Geschichte zurück. Sie präsentiert sie nicht einfach als exotisiertes Objekt der Fantasie des 19. Jahrhunderts, sondern als Symbol für historische Ungerechtigkeit, Zwangsvertreibung und kulturelle Auslöschung – und zugleich als eine Person von Würde, deren Leben von Resilienz und Erinnerung zeugt (Vester, 2023). Vester stützt sich auf afro-deutsche Erinnerungspraktiken und dekoloniale Ansätze, um Machbubas kurzes Leben neu zu interpretieren – als eine Perspektive, durch die wir die Schnittstellen von Rassismus, geschlechtsspezifischer Unterdrückung und vergessener kolonialer Gewalt in der deutschen Geschichte hinterfragen können.

Indem wir an Machbuba erinnern, sind wir dazu aufgefordert, neu zu überdenken, wem gedacht wird, wie Geschichten erzählt werden und wessen Leben in unseren öffentlichen Räumen Würde zuteilwird. Ihre Geschichte ist Teil eines umfassenderen Vorhabens zur Dekolonialisierung der Erinnerungskultur – nicht nur, indem wir das Leid anerkennen, sondern indem wir denjenigen, deren Geschichte zum Schweigen gebracht wurde, aktiv wieder Handlungsfähigkeit und Sichtbarkeit zurückgeben.

Referenzen

BTU4Future ist ein interdisziplinärer und partizipativer Kurs an der BTU Cottbus, der Studierende mit unterschiedlichem Hintergrund zusammenbrachte, um sich mit dem Thema Klimaschutz anhand kreativer und kritischer Ansätze auseinanderzusetzen.

Im Sommersemester 2025 konzentrierte sich der Kurs auf kulturelle Nachhaltigkeit und die kritische Reflexion von Erinnerungskulturen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf Kolonialgeschichte und marginalisierten Perspektiven lag. Im Rahmen des Projekts arbeiteten die Studierenden mit FrauenOrte Brandenburg zusammen, um ein Gedenkprojekt zu Bilillee Ajiamé Machbuba zu entwerfen - 

 

In the summer semester of 2025, the course focused on cultural sustainability and the critical reflection of memory cultures, with a special emphasis on colonial history and marginalized perspectives. As part of the project, students collaborated with FrauenOrte Brandenburg to design a commemorative space for Bilillee Ajiamé Machbuba — eine historische Persönlichkeit, deren Geschichte von kolonialer Gewalt und vergessenem Widerstand erzählt.

Der Kurs umfasste eine Mischung aus Online- und Präsenzveranstaltungen, Exkursionen in Cottbus und Berlin sowie praktische Gruppenarbeit. Er wurde von der Gastdozentin und Künstlerin Patricia Vester geleitet, die kreative und dekoloniale Methoden des Lernens und Erinnerns vorstellte.

Durch diesen Prozess vertieften die Studierenden nicht nur ihr Verständnis von Gerechtigkeit, sondern gestalteten die Universität auch aktiv als Ort des Wandels und des kollektiven Gedächtnisses mit.

 

Reflexionen der BTU4Future Studierenden

Die Arbeit am Machuba-Denkmal öffnete eine stille Tür in meinem Herzen, durch die vergessene Stimmen endlich sprechen konnten ❤️ (Yasmine)

Der Bau des Machuba-Denkmals war, als würde man ihre Geschichte wieder zum Leben erwecken. Es hat mir gezeigt, dass das Teilen vergessener Geschichten dazu beiträgt, eine Welt zu schaffen, in der jede Stimme zählt und wir uns alle verbunden fühlen. (Nejla)

Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich dazu beitragen durfte, diese Geschichte neu zu schreiben. (Abnet)

Bautag


Am 9. Juli fand der praktische Bautag statt, an dem die BTU4Future-Studierenden den FrauenOrt weiterentwickelten, indem sie Pflanzen setzten und eine Baumbank bauten. 

Während des Semesters arbeiteten die Studierenden an verschiedenen Ideen und Entwürfen für den Gedenkort. Nur wenige davon konnten am Ende umgesetzt werden. Dennoch veröffentlichten alle Studierenden großartige Gestaltungsideen für den Gedenkort:

Darüber hinaus arbeiteten einige Studierende an Forschungsprojekten, bei denen sie sich mit folgenden Fragen beschäftigten: Wie wird die Geschichte Schwarzer Menschen in Cottbus dargestellt? Setzen Sie sich mit dem Gedenken an eine historische, marginalisierte Person (z. B. aus Ihrem Heimatland) auseinander, die einen Bezug zu Ihrem Leben in Cottbus hat: Wie wird dieser Person gedacht? Wer hat das Denkmal entworfen/errichtet und aus welcher Perspektive? Wann wurde das Denkmal errichtet? Wie müsste es neu gestaltet/umgestaltet werden? Hier sind einige der Abschlussberichte der Studienprojekte:

Hier ist eine Bildersammlung mit all den tollen Ideen – vielleicht lassen sich einige davon in Zukunft umsetzen:

 

Literatur zu den Modulinhalten

(In unserem Büro in LG10 liegen gedruckte Exemplare aus – bitte wenden Sie sich an uns, wenn Sie eines davon ausleihen möchten)

 

Museen die zu Bilillee Machbuba arbeiten

Weitere Kontakte