Wohnen als Erfahrung: Zwischen Sicherheit, Wandel und urbaner Transformation

Dr. Carolin Genz forscht als assoziierte Postdoktorandin im DFG-Graduiertenkolleg „Gewohnter Wandel" – einem der aktuell bedeutendsten deutschen Forschungsverbünde zur Wohnungsfrage. Ihre Arbeit verbindet Stadtgeographie, Anthropologie und Urban Design zu einem dezidiert interdisziplinären Ansatz, der sich kritisch mit aktuellen Debatten um Wohnen, Raum und gesellschaftliche Transformation auseinandersetzt. Im Mittelpunkt steht das Projekt „Ontologische (Un)Sicherheiten des Wohnens", das untersucht, wie Bewohner:innen unter Bedingungen beschleunigten städtischen Wandels (etwa Gentrifizierung, Wohnraumfinanzialisierung und infrastruktureller Restrukturierung) ihre subjektiven Wohnerfahrungen konstituieren und verhandeln.

Ausgangspunkt ist die Verschränkung globaler Kapitallogiken mit lokal verankerten Wohnpraktiken, wie sie in Debatten um planetare Gentrifizierung und Extended Urbanization diskutiert wird. Anknüpfend an Konzepte ontologischer Sicherheit sowie an feministische Stadttheorien und psychoanalytisch informierte Ansätze der Wohnforschung fragt das Projekt, wie Unsicherheit als räumlich-affektive Erfahrung produziert, verkörpert und artikuliert wird. Wohnen wird dabei nicht als bloßer Hintergrund sozial-räumlicher Prozesse verstanden, sondern als aktiv hervorgebrachte, umkämpfte, körperlich verankerte und existenzielle Praxis – als Ort von Zugehörigkeit und Verlust, von Stabilität und Bedrohung.

Indem das Projekt affektive und verkörperte Dimensionen des Wohnens systematisch mit politökonomischen Transformationsprozessen verschränkt, positioniert es sich an einer produktiven Schnittstelle zwischen kritischer Wohnforschung, feministischer Stadttheorie und ethnographischer Methodik. Die Arbeit mit qualitativen und visuellen Verfahren trägt dabei zur methodologischen Weiterentwicklung der Stadtforschung bei.

Laufendes Projekt: Ontologische (Un)Sicherheiten des Wohnens: Psychoanalytische und feministische Perspektiven auf subjektive Wohnerfahrungen in urbanen Transformationsprozessen

Institution: Goethe-Universität Frankfurt/Main (Institut für Humangeographie, Prof. Dr. Sebastian Schipper)

Förderrahmen: DFG-Graduiertenkollegs „Gewohnter Wandel – Gesellschaftliche Transformation und räumliche Materialisierung des Wohnens“ (GRK 2892/1).

DFG-Graduiertenkolleg „Gewohnter Wandel: Gesellschaftliche Transformation und räumliche Materialisierung des Wohnens

Das an der Goethe-Universität Frankfurt/Main und der Bauhau-Universität Weimar angesiedelte DFG-Graduiertenkolleg „Gewohnter Wandel" widmet sich einer ebenso grundlegenden wie drängenden gesellschaftlichen Frage: Wie verändert sich das Wohnen? Und was sagen diese Veränderungen über unsere Gesellschaft aus? Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass das Wohnen als universelle menschliche Praxis wie kaum ein anderer Bereich des Alltags gesellschaftliche Transformationsprozesse sichtbar macht. Das Graduiertenkolleg untersucht den tiefgreifenden Wandel, dem das Wohnen unter den Bedingungen eines globalisierten, finanziellen und flexibilisierten Kapitalismus gegenwärtig unterworfen ist, von der Individualisierung der Wohnformen über neue Eigentumsstrukturen bis hin zu sich verändernden Wohnbiographien. Die Forschung gliedert sich in drei Arbeitsfelder: subjektive Wohnpraktiken im Alltag, die gesellschaftliche Organisation und Regulierung des Wohnens sowie Fragen der Produktion, Finanzierung und Bewirtschaftung von Wohnraum.

Weitere Informationen zum Graduiertenkolleg und zu den aktuellen Forschungssträngen und Veranstaltungen finden sich unter: gewohnter-wandel.de

Smart-City-Projekt "Gubenwabe"

Im Rahmen des Auf dem Weihnachtsmarktes in Guben am 13. Dezember 2025 konnte das Smart‑City‑Projekt erstmals die neuen Stadtmöbel vorstellen. Präsentiert wurde dabei der Prototyp  die moderne Sitzgelegenheit "Gubenwabe", die der aus drei Elementen besteht, sich zu einem Hexagon kombinieren lässt und über eine integrierte Tischfläche verfügt. Ein Solarpanel ermöglicht das Laden mobiler Geräte direkt vor Ort.

Das Teilprojekt Stadtmobiliar entstand 2024 in Kooperation zwischen Schülerinnen und Schülern aus Guben, Fachgebieten und Mitarbeitenden und Studierenden der BTU Cottbus – Senftenberg sowie der Holzart GmbH Guben. Die Gubenwabe steht somit beispielhaft für Beteiligung, Nachhaltigkeit und Innovation, so die Stadt Guben auf relevanten Social Media Kanälen, innerhalb des Smart‑City‑Projekts.

Bei der Herstellung kam eine Kombination aus Holztechnik und 3D‑Druckverfahren zum Einsatz. Die Sitzgelegenheit soll zukünftig als neues Stadtmöbel im öffentlichen Raum getestet werden, um Erfahrungen im Hinblick auf Funktionalität, Akzeptanz und technische Ausstattung zu gewinnen.

Smart Guben

Aufenthaltsräume und -qualitäten von Jugendlichen im Gubener Stadtraum

Wo halten sich Jugendliche in der Stadt auf? Welche Bedingungen, Bedürfnisse und Konflikte gibt es an diesen Orten und wie kann neues Stadtmobiliar die Aufenthaltsqualität verbessern? Zu diesen Fragen findet im Sommer 2024 eine Zusammenarbeit zwischen dem Fachgebiet Urban Design and Urban Studies der BTU Cottbus-Senftenberg, dem Smart City-Projekt der Stadt Guben und dem Pestalozzi-Gymnasium Guben statt. Der Fokus liegt auf den von Jugendlichen genutzten öffentlichen Räumen und Treffpunkten in Guben sowie den Anforderungen und Wünschen hinsichtlich der Gestaltung dieser Räume.

Im Rahmen des Sommersemesters wird ein Stegreif-Seminar mit Masterstudierenden der Stadt- und Regionalplanung sowie der Architektur angeboten. Im Mai fand in diesem Rahmen eine erste Stadterkundung und Diskussion zur aktuellen Stadtentwicklung mit Bürgermeister Fred Mahro und Mitarbeitenden der Stadtverwaltung statt. Im Juli folgte ein gemeinsamer Arbeitstag mit Schülerinnen und Schülern des Geografie-Leistungskurses am Pestalozzi-Gymnasium. Mithilfe Vor-Ort-Begehungen, Interviews und der Mapping-Methode wurden die Alltagsräume der Jugendlichen in der Stadt untersucht, um Charakteristika zur Gestaltung dieser Räume zu identifizieren und Grundlagen für Entwürfe von Stadtmobiliar zu schaffen.