Hausbau und Hausnutzung im mittelalterlichen Eberswalde – Wege zu einer Sozialtopographie des Hauses in der norddeutschen Tiefebene und den südlichen Küstengebieten von Nord- und Ostsee

Eberswalder Stadtkern
Foto: BLDAM

Die Altstadt von Eberswalde verfügt über ein im norddeutschen Raum einzigartiges archäologisches Inventar an hölzernen Hausbefunden des späten 13. und 14. Jahrhunderts, welches in den Jahren 1995 und 2004 ausgegraben wurde. Auf Grundlage einer wissenschaftlichen Auswertung der Grabungsergebnisse sollen sowohl Erkenntnisse zum Baugrund, zum Baumaterial und zur (Re-)Konstruktion sowie zur Nutzung der Häuser und zu den am Bau beteiligten Bevölkerungsgruppen gewonnen werden.

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, Bauwerken unterschiedlichen Aussehens in Bezug auf Grundriss, Größe und Konstruktion jeweils verschiedene Funktionen und Erbauer zuzuweisen und dieses Verhältnis innerhalb des Stadtgefüges Eberswaldes zu beobachten. Daraus lässt sich unter Einbindung sozialtopographischer Komponenten eine Übersicht erstellen, die wichtige Hinweise zum Siedlungs- und Ausbaumuster der Stadt liefern kann und die für den nordostdeutschen Raum noch nicht vorliegt.

Die für die Altstadt von Eberswalde gewonnenen Daten dienen anschließend grundlegend dem umfassenden Vergleich mit den Siedlungs- und Bebauungsstrukturen anderer mittelalterlicher Städte im Arbeitsgebiet. Dadurch sollen Veränderungen im Bau- und Nutzungswesen unter Berücksichtigung regionaler und traditioneller Eigenheiten erforscht und erklärt werden. Weiterhin wird vergleichend untersucht, in welcher Form sich die sozial bedingten Möglichkeiten der Erbauer auf die Auswahl von Baustoffen, Konstruktion und Aussehen der Häuser in verschiedenen Städten auswirkten.

Bearbeiterin: Jenny Wiese