Frühe Eisenbetonkonstruktionen in Berlin, 1885–1918

Monierreservoir der Gasanstalt Charlottenburg aus Rehbein, 1894

Im Jahr 1871 wurde Berlin Hauptstadt des Deutschen Reiches und Regierungssitz des Deutschen Kaisers. In den folgenden Jahrzehnten verdreifachte sich die Einwohnerzahl und es siedelten sich zusätzlich neue Gewerbe und Fabriken an. Berlin entwickelte sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zu der größten Industriemetropole in Kontinentaleuropa, in der zahlreiche neue Bauaufgaben bewältigt werden mussten. Gleichzeitig begann bereits um 1850 die Entwicklung von Eisenbeton. Dieser neue Baustoff bot zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten insbesondere für die in Berlin zu bewältigenden Bauaufgaben. Erste Zeugnisse datieren in das Jahr 1884, mit dem Berliner Reichstag als bekanntestem Beispiel.

Die Entwicklung des Eisenbetons wurde aus unterschiedlichen Gesichtspunkten bereits mehrfach in Publikationen thematisiert. Die Dissertation wird sich inhaltlich daran anlehnen, den Fokus aber auf den Stadtraum von Großberlin begrenzen. Die lokale Eingrenzung birgt ein interessantes Spannungsfeld, da gerade in Berlin durch die Zusammenarbeit verschiedener Akteure bei der Implementierung der neuen Bauweise in Bautechnik und Wissenschaft neue Wege beschritten wurden. Durch kluge Patentnutzung und zentralisierte Geschäftsführung konnte G.A. Wayss in Zusammenarbeit mit M. Koenen den Eisenbetonbau in Berlin vergleichsweise früh etablieren. Bedingt durch die Zusammenarbeit wurden beispielsweise grundlegende wissenschaftliche Versuchsreihen zu Baustoffkennwerten und -verhalten durchgeführt, die eine gesichertere Bemessung ermöglichten.

In einem ersten Kapitel der Dissertation soll der allgemeine historische Hintergrund – Verankerung in der Lehre, Baustoffkenntnis und Bemessungsansätze – näher betrachtet werden. In einem zweiten Kapitel werden mit dem Fokus auf Berlin, die hier vorherrschenden behördlichen Vorschriften und ökonomischen Randbedingungen erläutert und die sich dadurch ergebenen Einflüsse auf die Entwicklung der Bauweise analysiert und bewertet. Daran anschließend soll auf Grundlage eines Objektkataloges an ausgewählten Objekten durch Recherche der Baugeschichte und ergänzenden Bestandsuntersuchungen die bautechnikgeschichtliche Entwicklung des Eisenbetonbaus vergleichend analysiert werden. Insgesamt bilden dabei Fragestellungen unter anderem zum Wissens- und Technologietransfer aus anderen Ländern, den Schnittstellen zwischen Lehreinrichtungen – Verwaltung – ausführenden Unternehmen und dem Nachweis einer ortstypischen Konstruktionssprache den Rahmen der Analyse.

Bearbeiterin: Sabine Kuban