Sommersemester 2026

 

Räume der Landschaft

Theorie der Architektur | Modul-Nr. 25405 | LV-Nr. 623109
DI 13:45–17:00 Uhr | LG 2A, Raum 0.25.1
Beginn: 21. April 2026 | Achtung: Blockeinheiten, Radfahrten
Prof. Dr. Albert Kirchengast

Dass Landschaften Räume bilden, ist für uns keine Selbstverständlichkeit. In der Architektur verstehen wir „Räume“ meist als vom Menschen gestaltete, gebaute Gebilde, sei es ein Straßenzug in der Stadt oder das eigene Zimmer. Dabei sehen wir von abstrakten Begriffen ab, meinen meist Erfahrungsorte, die nicht nur für unseren Schutz bewusst, nach Auftrag errichtet, sondern auch gestaltet wurden – also einen gewissen Reiz, Stimmung verströmen, Spuren tragen, sich verändern … So drücken sie immer auch die sozialen, ökonomischen und persönlichen, die kulturellen Umstände ihrer Entstehung und Nutzung aus. Sollten sie als Zeitkapsel überdauern, werden sie einmal zu historischen Artefakten werden – man denke nur an die periodischen Moden der Wiederbelebung, etwa jüngst der Formenkultur der 1970er Jahre.

Aber selbst die „Natur“, also etwa ein ausgewachsener Baum, ein „Urwald“ oder ein Canyon im Nationalpark bildet Räume. Das hängt natürlich mit unserer Wahrnehmung zusammen: Wenn wir unter freiem Himmel auf einer Wiese stehen, dann erleben wir eine räumliche Situation; der leitende Feldweg, der bergende, knorrige Baum – all das sind Räume. Sprechen wir nun von Landschaften, meinen wir das Resultat einer langfristigen Interaktion von „Mensch“ und „Natur“. Hinter ihrer Kultivierung verbergen sich – wie beim Bauen – vielfältige kulturelle Aspekte; dabei aber spielt das Natürlich-Lebendige, das Erdzeitalterliche, die Großmaßstäblichkeit von Topo-grafien, Klimazonen, Entwässerungssystemen und freilich die Frage der Versorgung des Menschen mit Nahrung und Ressourcen eine gewichtige, ja, der Entwicklung von Dörfern und Städten vor-gängige Rolle. Als diese kultivierte Natur uns zur „Landschaft“ wurde, gingen ihre räumlich-stimmungsmäßigen Qualitäten in unsere ästhetische Wertschätzung ein, die eng mit unserem allgemeinen Raumempfinden verbunden ist.

Wir widmen uns in diesem Seminar der einmaligen landschaftlichen Diversität rund um Cottbus. Aus dem unmittelbaren Erleben dreier Landschaftsräume, aus ihrem sinnlichen „Phäno-typ“, wollen wir auf den „Genotyp“, auf die Gründe und Hintergründe schließen, weshalb diese Orte so beschaffen sind, wie sie dazu wurden, wie sie sich verändern: wie Mensch und Natur zusammenwirken. Durch längere Aufenthalte und Übungen vor Ort wollen wir sie zunächst sinnlich erfahren, spielerisch „lesen“ und wertschätzen lernen – die konstituierenden Elemente der Land-schaftsräume verstehen lernen und damit etwas über unser eigenes Raum-Wahrnehmen. In Texten, Skizzen, …erkunden, in Recherchen entdecken wir, in Filmen schließlich repräsentieren und vermitteln wir diese Orte. Zentral ist die Kultivierung der eigenen Sensibilität für das Lebendige, das auch diese Landschaftsräume bestimmt – das Wecken unserer Aufmerksamkeit für die Schönheit eines gefährdeten Zusammenklangs.

Methodisch geht es um eine vielgestaltiges, gemeinsames „Erforschen“, das von der Anschau-lichkeit landschaftlicher Räume angeregt wird. Angesprochen sind Studierende, die mehr über Landschaften und ihre ästhetischen Qualitäten wissen, die die politisch-geografisch-kulturellen Hintergrüne unserer Umwelt verstehen und engagiert wie kreativ an einer gemeinsamen Aus-stellung arbeiten wollen.