Das Verfassen jeglicher wissenschaftlicher Arbeiten beruht auf der eigenen Auseinandersetzung mit den gelesenen Inhalten eines Textes: erfasste Informationen müssen sowohl gefiltert als auch sortiert und erste Gedanken zur Strukturierung des Textes unternommen werden bis mit dem eigentlichen Schreibprozess begonnen werden kann. Besonders die Recherche geeigneter Literatur ist zeitintensiv und mühsam. Eine anfangs leere Seite ist durch eigenes Nachdenken und Arbeiten deutlich langsamer gefüllt als mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Beinahe auf Knopfdruck können KI-Tools ganze Listen von Literaturvorschlägen erstellen, Inhalte sortieren und strukturieren oder Themen für Haus- und Abschlussarbeiten finden und das fast ohne eigenes Zutun. Es gleicht nahezu einem Automatismus, zu digitalen Hilfsmitteln zu greifen. Die Überlegung, ob diese überhaupt benötigt werden und ob Lösungen oder Ergebnisse nicht auch ohne fremde Hilfe erreicht werden können, rückt dabei immer häufiger in den Hintergrund.

Dabei lohnt sich eigenes Nachdenken, denn es fördert unter anderem:

  • das Entwickeln eigener Zugänge und kreativer Ideen, 
  • die Bewertung von Quellen und fremder Argumente nach ihrer Richtigkeit und
  • das Finden von Zusammenhängen und schlussendlich das Denken selbst.

Die Einhaltung der vielen kleinteiligen Schritte des Schreibens - von der ersten Recherche bis zur Korrektur und Durchsicht - ist ein langwieriger und mitunter anstrengender Prozess. Doch erst hierdurch stellt sich das befriedigende Gefühl ein, nach all der Planung und den unzähligen Herausforderungen eine eigenständige Leistung erzielt zu haben. Außerdem können Fähigkeiten wie das Durchhaltevermögen trainiert oder die tiefgreifende Auseinandersetzung mit einer Thematik gestärkt werden, um eigene Denkprozesse zu aktivieren und weiterzuentwickeln. Schließlich kann am meisten gelernt werden, wenn ein Vorhaben einmal nicht so funktioniert wie geplant und beispielsweise der Schreibprozess ins Stocken gerät.

Im Studium wird Ihnen Handwerkszeug zur wissenschaftlichen Arbeit gereicht, das durch die Lehrenden mit Hinweisen zur sachgerechten Anwendung ergänzt wird, damit stets Weiterentwicklungen und Verbesserungen stattfinden können. Seien Sie deswegen ermutigt, Ihrem eigenen Wissen und Können zu vertrauen. Das Schreiben wurde vom Menschen erfunden und ist, auch wenn es nicht jedem leicht fällt, zu erlernen und sollte stets ein wichtiges Handwerkszeug des Menschen bleiben. Verzichten Sie daher so oft wie möglich auf den schnellen Griff zu  KI-Tools, um die eigenen Fähigkeiten zu bewahren und zu fördern.

Außerdem helfen Sie damit gleichzeitig der Natur. Denn damit Künstliche Intelligenz überhaupt Inhalte generieren kann, müssen viele Daten verarbeitet werden. Diese Daten sind in riesigen Rechenzentren gespeichert, für deren Herstellung unter anderem wertvolle Rohstoffe wie Lithium oder seltene Erden genutzt werden. Der Abbau solcher Rohstoffe hat nicht nur Folgen für die Natur, sondern weist auch ethische Problematiken auf wie zum Beispiel eine geringe Entlohnung und eine hohe Gefahr für die Arbeitskräfte. Außerdem benötigen KI-Modelle viel Wasser und verursachen Einiges an Müll durch Elektroschrott, wenn diese durch neuere Systeme ersetzt werden, der in den ärmeren Ländern der Welt entsorgt wird. Zudem verbrauchen KI-Anfragen im Vergleich zu Anfragen in Suchmaschinen oder Datenbanken ein Vielfaches an Strom, weil sie mehr Rechenoperationen bewältigen müssen. Demnach ist auch ein Anstieg des Stromverbrauches durch die Rechenzentren zu erwarten.