Architekturglieder und Architekturdekor in Petra (Jordanien) – Untersuchungen zur freistehenden Architektur der Nabatäer und ihren Vorbildern

North Eastern Petra Project Gebäude 2, Blick von Nordwest. Foto: Marco Dehner 2016

Das antike Petra, Hauptstadt der Nabatäer und seit 1985 UNESCO-Weltkulturerbe, erhielt innerhalb weniger Generationen, zwischen der Mitte des 1. Jh. v. Chr. und dem Ende des 1. Jh. n. Chr., seinen noch heute sichtbaren monumentalen Charakter. Weltberühmt ist Petra vor allem für seine meisterhaften, aus dem Fels gearbeiteten Fassaden, die bislang bei Untersuchungen zur Architektur und ihrem Dekor im Vordergrund standen. Eine umfassende Untersuchung der freistehenden Architektur des Stadtzentrums unter Berücksichtigung des Architekturdekors ist bis heute ein Desiderat geblieben.

Basierend auf aktuellen Forschungen im Nordosten des Stadtzentrums werden erstmals detaillierte Studien zu einzelnen Architekturgliedern und zum Baudekor freistehender Bauwerke durchgeführt. Grundlage hierfür ist die Analyse von mehr als 900 identifizierten, georeferenzierten Architekturblöcken, die mittels klassischer und moderner Dokumentationsmethoden aufgenommen wurden. Sie weisen einen qualitativ hochwertigen Dekor auf und können eindeutig im Survey erfassten Strukturen zugewiesen werden. Primäres Ziel der Arbeit ist eine Analyse des Surveybefundes über die konstruktive Funktion der Einzelelemente hinaus. Der Blick auf Profile und Ornamente verspricht Erkenntnisse bezüglich stilistischer und typologischer Merkmale verwendeter Dekorelemente, möglicher Dekorationssysteme und dem daraus resultierenden repräsentativen Charakter einzelner Bauwerke.

Darüber hinaus werden in der Folge weitere Befunde in Petra und im nabatäischen Einflussbereich betrachtet, so dass am Ende eine umfassende Studie zur nabatäischen Architektur entsteht, die sowohl einen Überblick über den dekorativen Charakter des verwendeten Bauschmucks liefert als auch konstruktionstechnische Fragestellung betrachtet. Ein abschließender Vergleich der Ergebnisse mit der Architektur umliegender Kulturlandschaften, namentlich herodianischer Architektur und der Architektur der Dekapolisstädte, soll eine weitere kulturhistorische Einordnung der Schaffenskraft der Nabatäer erlauben.

Bearbeiter: Marco Dehner