Die Planstadt Hoyerswerda. Ideal, Realisierung und Transformation einer sozialistischen Stadtanlage

Wettbewerbsentwurf für Hoyerswerda-Neustadt
Oktober 1956

Was lässt sich angesichts einer Vielzahl an heterogenen Befunden unter einer sozialistischen Stadtanlage verstehen – eine monumentale Bausymbolik des Staatssozialismus, eine unter technischen Determinanten errichtete Wohnfabrik, ein kleinbürgerliches Glücksversprechen oder, aus sozialwissenschaftlicher Perspektive, ein Produktionsraum für den neuen sozialistischen Menschen?
Aus dem Blickwinkel von Politik- und Geschichtswissenschaft soll die Dissertation dazu beitragen, einen systematisch vergleichbaren, methodisch erweiterten Zugriff auf den Terminus Sozialistische Stadt zu entwickeln. Wesentlicher Aspekt ist ein neues Forschungsdesign, in dem die zentralen Begriffe Stadt und Urbanität in einem mehrdimensionalen Analysebegriff operationalisiert sowie eine Differenzierung anhand der Analyseebenen Ideal, Realisierung und Transformation vorgenommen werden.
Schwerpunkt des Forschungsvorhabens bildet eine Fallstudie über das in der historischen Urbanistik bisher wenig beachtete Hoyerswerda. Über einen Zeitraum von 1955 bis 1990, von den Anfängen bis zum Ende des Aufbaus der Stadt, werden Genese und Wandel spezifisch sozialistischer Stadt- und Urbanitätsmerkmale bzw. die rechtlich-administrativen, funktional-räumlichen, sozial-räumlichen und normativ-politischen Merkmale der zweiten sozialistischen Stadt der DDR analysiert. Die Ergebnisse werden zum einem in Relation zu den visionären Intentionen sozialistischer Stadtutopien aus Vormoderne und Moderne, zum anderen vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wertewandels in der DDR diskutiert.

Bearbeiter: Felix Richter

 

Bildcollage Felix Richter, aus: Sonderbeilage zu DA 1/1957, S. 3 & DA 1/1956, S. 12.